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Muttertag - für manche ein unzeitgemäßer Gedenktag

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 09.05.2019, 13:36

Als Kind und als Jugendliche fand ich den Muttertag immer sehr schön und habe gerne Blumen erbettelt bei Nachbarn (wir hatten keinen Garten und ich kein Taschengeld) und sie meiner Mutter gerne und mit Stolz überreicht. Es war fast immer lila Flieder, manchmal mit Tulpen oder Pfingstrosen ergänzt. Sie hat sich gefreut und alles war kein Problem. Die schöne Flieder-Tischdecke wurde aufgelegt und wir Kinder fanden das sehr hübsch. Es wurde ein besonderer Tag für uns alle.

In den vergangenen Jahren musste ich feststellen, dass der Muttertag von vielen jungen Menschen als überholt abgelehnt wird. Dass man ihn als Geschäftemacherei und Zwangsbeglückung betrachtet. Das finde ich schade. Wie sehen andere über Siebzigjährige das?

Heute stelle ich auf jeden Fall mal ein Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff hier ein. Falls ein jüngerer Mensch sich hierher verirrt, kann er es ja vielleicht kopieren und trotz aller Bedenken seiner Mutter schenken?



So gern hätt' ich ein schönes Lied gemacht

von deiner Liebe, deiner treuen Weise,

die Gabe, die für andre immer wacht

hätt' ich so gern geweckt zu deinem Preise.


Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr

und wie ich auch die Reime mochte stellen.

Des Herzens Fluten wallten drüber her,

zerstören mir des Liedes zarte Wellen.


So nimm die einfach schlichte Gabe hin,

von einfach ungeschmücktem Wort getragen,

und meine ganze Seele nimm darin.

Wo man am meisten fühlt,

weiß man nicht viel zu sagen!




( Annette von Droste-Hülshoff, 1797-1848)


Bei der "Gabe" könnte es sich um einen Blumenstrauß gehandelt haben, der zusammen mit dem Gedicht überreicht wurde.

Elira © 2019





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