Spaziergang über den alten Friedhof in Freiburg
Warum spaziert man an einem sonnigen Junitag über einen alten und stillgelegten Friedhof? Weil man dort viele historische Geschichten über verdiente und berühmte Freiburger erfährt, verschiedene Kulturen kennenlernt und künstlerisch wertvolle Skulpturen und schmiedeeiserne Arbeiten zu sehen bekommt.
Dies ist aber nicht alles, denn im Gelände mitten in der umtriebigen Stadt kann man sich in absoluter Abgeschiedenheit erholen und Ruhe finden unter Schatten spendenden Bäumen und bei herrlichem Vogelgezwitscher.
Barbara–sternwald hat sich extrem viel Arbeit gemacht, um uns die ganze Vielfältigkeit der Friedhofskultur nahe zu bringen. Man spürte geradezu, wie viel Freude sie daran hatte, interessante Geschichten zu finden.
Es sollen heute noch ca. 1150 Grabmale des 18. Und 19. Jhdts. zu sehen sein. Somit gehört der „Alte Friedhof“ zu einem der bedeutendsten historischen Friedhöfen Deutschlands. Barbara hatte 16 Grabmale davon ausgewählt, um sie uns aufgrund von Besonderheiten oder speziellen Persönlichkeiten näher zu bringen.
Die örtliche Begräbnisstätte in Freiburg war ursprünglich direkt am Münster, so war es im Mittelalter üblich. 1515 wurde der Friedhof wegen Seuchengefahr zur St. Nikolauskirche verlegt. Er wurde mit allen Privilegien des „Campo Santo Teutonico“ in Rom ausgestattet. Dies bedeutet, dass er mit Erde aus dem Heiligen Land bestreut wurde.
Die 2. Verlegung geschah 1683, weil er dem Bau der Vauban-Festung weichen musste. So entstand der heutige „Alte Friedhof“, damals weit außerhalb der Stadtmauern. Die letzte Beerdigung fand 1872 statt, dann wurde der heutige Hauptfriedhof in Betrieb genommen.
Das Areal wird mit einer steinernen Mauer umschlossen. Adels- und Bürgerfamilien, Professoren der Universität und der hochgestellte Klerus des Erzbistums ließen sich hier Grabstätten anlegen.
1944 wurde die St. Michaelskapelle bei dem Fliegerangriff auf Freiburg schwer beschädigt und erst 1963 wieder restauriert; die Fresken stammen jedoch teilweise noch aus dem 18.Jhdt.
Der Totentanz mit 12 Bilder hat der Innsbrucker Maler Wolfram Köberl 1963 in moderner Form geschaffen.
Warum der „Alte Friedhof“ in Freiburg in seiner jetzigen Form bis heute erhalten geblieben ist, können wir Johann Christian Wentzinger (1710-1797) verdanken, der ein vielseitiger Rokoko-Künstler war. Er vermachte sein gesamtes Vermögen dem Freiburger Stiftungsfond unter der Bedingung, dass sein Grab auf ewige Zeiten hier gesichert bleibt.
Nach den interessanten und vielschichtigen Informationen von Barbara, die kein professioneller Stadtführer besser hätte rüber bringen können, machten wir uns zu Fuß in die Cafeteria des Karstadt auf, um uns noch intensiv austauschen zu können, ja, und natürlich auch unseren Durst zu löschen.
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