SlowUp im Elsass

Drei Radler und eine Radlerin schwangen sich vergnügt auf ihr Fahrrad und ich schaute ihnen sehnsüchtig hinterher. Sehr viel Lust hätte ich auch, durfte aber aus gesundheitlichen Gründen nicht. Verzicht? Nein, dieser Gedanke hielt sich bei mir nicht lange, denn ich bin ja gut zu Fuß und inmitten einer wunderschönen Landschaft. Somit machte ich mich auf den Weg in das idyllische Städtchen Bergheim am Fuße der Vogesen unterhalb der Drei Exen (Burgruinen) und der Hochkönigsburg in Sichtweite.


Köstlich konnte ich mich über die vielen bunten Radler amüsieren. Von ganz klein mit dem Laufrädchen bis zum salomonischen Alter war alles unterwegs. Einige hatten eine dröhnende Musikbox auf dem Rücken, andere ihr Velo geschmückt und sogar eine echte Elsässerin in voller Tracht war zu sehen. Eigentlich hätte ich genügend Unterhaltung gehabt, wenn ich es mir auf einer Bank gemütlich gemacht hätte.

Aber nein, ich erkundete den Ort nach allen Regeln der Kunst, durchquerte ihn zweimal und umrundete ihn an der gut erhaltenen Stadtmauer entlang. Ich besuchte die alles überragende Kirche und entdeckte zwei schöne Themengärten, den Hexengarten (Jardin des sorcières) mit magischen und schützenden Kräutern und den Dillgarten (Jardin d´aneths).


Bald hatte ich auch vom Trubel genug und suchte die stilleren Orte auf, um mir einen Kaffee oder ein kleines Vesper zu gönnen. Selbst auf dem Marktplatz war ich fast alleine. Alle Autos waren aus dem Städtchen verbannt und die Radler durchfuhren und belebten nur die Hauptstraße mitten durch den Ort, wo auch die Versorgungsstände aufgebaut waren.



Nach drei Stunden machte ich mich Richtung Parkplatz zum Auto auf, der sich mindestens zwei Kilometer außerhalb befand, aber oh weia, ich verfehlte die Abzweigung und landete mit Umwegen letztendlich wieder an meinem Ausgangpunkt im Ort. Somit das ganze nochmals von vorne, und ich musste hinterher feststellen, dass ich schon seit langer Zeit nicht mehr so viele Kilometer gelaufen bin; über vier Stunden fast nur auf den Füßen.


Als ich endlich am Ziel eintrudelte, waren die Radler bereits damit beschäftigt ihr Rad auf das Auto zu schnallen. Ich glaube nicht, dass sie müdere und brennendere Füße und Beine nach über 40 Kilometer radeln hatten als ich Fußgängerin.

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