Velotour rund um den Bielersee
Unbarmherzig hatte die Sonne in den letzten Tagen vom Himmel gebrannt, Tagestemperatur weit über 30°. Wir lassen uns ja eigentlich nicht von Wind und Wetter abschrecken, wenn wir uns mit den FA-Freunden zu einer Radtour verabreden, aber wir sind dennoch ganz dankbar, dass die Temperatur sich an diesem Tag, am 18.8.26 zumindest am Vormittag noch in gesundheitlich vertretbaren Grenzen hält.
Was wird der Tag uns heute bringen? Wir starten in einem Weiler hoch über dem Bieler See. Flott geht es bergab ans Seeufer. In meinem Kopf sofort der Gedanke: Das muss ich heute Abend alles wieder hinauf!
Der Gedanke ist bald vergessen, der abwechslungsreiche Radweg am Westufer des Bieler Sees erfordert die gesamte Aufmerksamkeit, denn diesen Bereich müssen sich Viele teilen: Häuser mit direktem Zugang zum See, ein schmaler Fuß- und Fahrradweg, die Eisenbahnstrecke - sie wird gerade mehrspurig ausgebaut, die Autostraße, kleine Winzerorte, mehr Platz gibt es nicht. Dann geht es schon steil hinauf in die Weinberge. Die Weinstöcke hängen voll Chasselas-Trauben, den Verwandten „unserer“ Markgräflerland Gutedel Traube.
Unser Tourenführer Ulrich macht uns im Vorbeiradeln auf den Einstieg in die Twannbachschlucht aufmerksam und lenkt unseren Blick auf die malerisch auf halber Höhe am Berg stehende „Hochzeitskirche von Ligerz“.
Und bald sind wir am südwestlichen Ende des Bieler Sees angekommen, fahren durch zwei Stadttore und bleiben staunend in dem zauberhaft schönen „Le Landeron“ stehen. Dicht an dicht stehen die Häuser entlang der Hauptgasse des Ortes, alle aus der Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts. Eine Lindenallee zwischen den Häuserfronten verbindet zwei dekorative Brunnen.
Ein Abschiedsblick noch auf die Tour de la Portette und weiter geht unsere Fahrt. Kurz hinter Le Landeron überqueren wir den Zihlkanal, der den Bielersee mit dem Neuenburger See (Lac de Neuchatel) verbindet und bald liegt auf einem Bergsporn das Schloss Erlach vor uns. Hier ist das Ufer des Sees auch einmal für die Öffentlichkeit zugänglich. Bootsanlegestellen, Gaststätten, Campingplatz, Bademöglichkeiten, Picknickbänke, alles was das Herz begehrt. Auch wir nutzen diesen schönen Platz für eine längere Pause ...
Doch bald sitzen wir wieder auf dem Fahrradsattel, auf der Südseite des Sees setzen wir die Umrundung fort. Auch hier zunächst noch Seeanrainer mit direktem Grundstück am Wasser, aber dann freieres und weiteres Gelände. Der Radweg geht durch Wiesen, Wald, Obstbaumplantagen, die Apfel- Birnen- und Zwetschenbäume können die Last ihrer reifen Früchte kaum tragen. Natürlich schauen wir auch immer wieder hinüber zum langgestreckten Bergkamm des Chasseral, dem mit 1607 m höchstem Berg im Berner Jura.
Eine längere Informationspause machen wir bei der Staustufe Hagneck, betrachten die Karten, die uns die 1. Juragewässerkorrektion (1868 – 1891) erläutern und fragen unseren Tourenführer über diese Maßnahme aus. Die Aare wurde gezielt in den Bieler See geleitet, damit der See als natürliches Rückhaltebecken für das mitgeführte Geschiebe aus Kies, Steinen und Sand dient und Überschwemmungen im Seeland verhindert. Mit dem Bau des Hagneckkanals und dem weiteren Bau der Verbindungskanäle zwischen Bieler-, Neuenburger- und Murtensee wurde ebenfalls die Überflutungsgefährdung des Seenlandes verringert und der Schwankungsbereich in allen drei Jurarandseen reduziert.
Wir sehen jetzt hier eine geschützte Auenlandschaft, deren kleine, durch die Ablagerungen entstandenen, Inseln im Mündungsdelta sich permanent verändern. Eine Umgehungsrinne für Fische gehört noch zu den Naturschutzeinrichtungen. Eine technische und ökologische Meisterleistung.
Allmählich neigt sich unsere Seeumrundung dem Ende zu. Jetzt wartet der steile Weg zurück auf uns. (Ich komme schon im Vorfeld ins Schwitzen) Doch, welch Wunder, Ulrich, der hier offensichtlich jeden Stein und jeden Baum kennt, führt uns über einen Weg, der diesen Aufstieg in Etappen meistert. Kurzer steiler Anstieg, ein paralleler Wegabschnitt, nächster kurzer steiler Anstieg, der nächste parallele Wegabschnitt … So schlimm ist der Rückweg also doch nicht.
Dankbar nehmen wir zum Abschluss des Tages die Einladung unserer Gastgeber an und sitzen, bei erfrischendem, kalten Tee und Apfelkuchen, mit Äpfeln aus dem eigenen Garten, im Schatten unter stattlichen Bäumen.
Von ganzem Herzen Dank an unsere Tourenführer für die Begleitung und die geduldigen Antworten auf unsere Fragen während dieses Tages. Was für ein schöner Sommertag!
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