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Uwe und Horst - Unsere Radtour vom 13.05.2006 bis 21.05.2006

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Rheinpromenade und Köllner Dom

Von den bisherigen Radtouren her war mir der Rhein-Radweg vom Bodensee bis Bad-Honnef bekannt. Für dieses Jahr hatte ich mir die Tour am unteren Rhein vorgenommen. An der Nordseemündung in Holland wollte ich mir auch das Rheindelta mit den Sperrwerken, die das Land gegen Sturmfluten schützen, ansehen. Mit dem Zug vom Rheindelta nach Deutschland wollte ich nicht zurück fahren, so dass ich mich auf den zweiten Teil der Tour, den Nordseeküsten-Radweg bis Leer an der Ems vorbereitete.
Voriges Jahr war ich zwei lange Radtouren allein gefahren. In diesem Jahr lernte ich Horstus NRW über das Internet kennen. Er war schon viele Radtouren in Deutschland und in den anliegenden Ländern gefahren, davon auch einige allein.
Per Internet stimmten wir den Routenverlauf ab und Horst erarbeitete den Streckenverlauf der Tour.

13. 05. Der Zug nach Rathenow fuhr um 6:08 Uhr vom Brandenburger Hauptbahnhof ab. Mit dem Schönwetter-Ticket konnte ich nur die Regionalbahn nutzen und fuhr über Stendal, Wolfsburg, Hannover, Minden, Köln weiter bis Bad Honnef. In Hannover und Minden blieb mir nur wenig Zeit zum Umsteigen, es klappte aber alles gut.
In Eneppetal stieg Horst in den Zug zu. Wir lernten uns jetzt persönlich kennen und hatten noch genug Zeit Einzelheiten für die Tour zu besprechen. Je näher wir dem Rhein kamen desto dunkler wurden die Wolken, schließlich fing es an zu regnen.
Am Nachmittag ereichten wir den Strom, der uns die nächsten beiden Tage begleiten sollte. Jetzt blieb uns nichts weiter übrig als die Regenkleidung überzuziehen damit noch einige Kilometer geradelt werden konnte. Auf der rechten Seite des Rheins bleibend, passierten wir am Rande des Siebengebirges den Drachenfelsen und die Drachenburg. In Königswinter setzten wir mit der Autofähre nach Bad Godesberg über und erreichten den Rhein-Radweg.
In Richtung Bonner Zentrum ging es vorbei am alten Wasserwerk, umgebaut zum Bundestag und der Villa Hammerschmidt, der ehemalig Sitz des Bundespräsidenten.
Das Bundestagsgelände durften wir leider nicht betreten. Sehenswert in Bonn ist das alte Rathaus am Markt. Mit seiner wirkungsvollen Fassade schließt das Gebäude den gestreckt dreieckigen Platz ab.
Der Radweg nach Köln ließ sich nicht immer gut befahren, am Ufer wurde gebaut und wir mussten auf Nebenwege ausweichen. Inzwischen hatte es zu regnen aufgehört.
Hinter der Autobahnbrücke bei Rodenkirchen konnten wir die Kölner Rheinansicht genießen. Für eine Stadtbesichtigung war es schon zu spät, den Dom wollte ich mir aber wenigstens von außen ansehen. Um zur Domplatte zu gelangen, folgten wir dem rot gepflasterten Weg, der sich wie eine Serpentine zur Terrasse hinaufschraubte. Ich
war vom Dom und dem Umfeld beeindruckt.

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Doppelter Raddampfer am Museum der Deutschen Binnenschifffahrt

Jetzt war es schon 19:30 Uhr und wir hatten noch keine Unterkunft. Diese wollten wir uns außerhalb der Stadt Köln suchen. Im Außenbezirk Weidenpresch fing es an zu regnen. Dort gab es auch ein kleines Hotel für die Übernachtung.
Für mich war es ein langer Tag gewesen, da ich mit der Bahnfahrt und den anschließend 60 km radeln14 Stunden unterwegs war.

14. 05. Das Frühstück im Hotel war für mich nicht ausreichend, es gab zwei große luftige Brötchen und etwas Belag. Nachdem wir die Räder gepackt hatten, fing es an zu regnen, und das Regenzeug wurde gleich übergezogen.
Vorbei an den Ford-Werken führte der Radweg wieder zum Rhein und wir hatten die Industrieanlagen von Leverkusen im Blickfeld. Bei Langel ging es mit der Autofähre an das rechte Rheinufer.
Es war ein kalter und regnerischer Vormittag. Die Fahrt wurde über Holthausen bis Düsseldorf auf Radwegen an Landstraßen fortgesetzt Hier hatten wir den Rhein wieder in unmittelbarer Nähe. Von der Brücke über die

Hafeneinfahrt hat man einen wunderbaren Blick auf Düsseldorf, der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen. Nicht zu übersehen sind der Fernsehturm und die Gebäude des Landtages von NRW. Auch der Hafen mit den angrenzenden Gebäuden ist sehenswert. Die alten Speicher sind als Wohnungen umgebaut, so dass hier eine „Speicherstadt“ entstand.
Es hatte aufgehört zu regnen, aber am Himmel zogen noch dunkle Wolken entlang.
Auf der Rheinpromenade legten wir eine Pause ein, um uns zu stärken. Viele Menschen waren hier unterwegs. Gaststätten und Imbissstände reiten sich aneinander, nicht umsonst nennt der Volksmund sie „Die längste Theke Europas“. Ein Fischmarkt versperrte uns die Weiterfahrt auf der Promenade.
Unsere Fahrt verlief weiter auf der rechten Rheinseite mit dem Ziel - Duisburger Hafen. Über Kaiserswerth erreichten wir den Stadtrand von Duisburg. Die Route ging weiter durch die Stadt bis zur Mündung der Ruhr in den Rhein und über den Hafenkanal. Rechts von der Brücke des Hafenkanals erstreckt sich das Gelände des Duisburger Hafens, dem größten Binnenhafen Europas.
Am Binnenschifffahrtsmuseum lag ein großer Raddampfer mit zwei Schornsteinen und doppelten Schaufelrädern. Bei der starken Strömung im Rhein mussten die Schleppdampfer mit leistungsstarken Maschinen ausgerüstet sein, um die voll beladenen Kähne stromaufwärts zu schleppen.

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Containerschiff auf dem Rhein

Von der Rheinbrücke in Richtung Homberg hatten wir einen herrlichen Blick auf den Rhein mit der Ruhrmündung und dem Hafenkanal. Die Route verlief linksseitig stromabwärts weiter. Auf der rechten Flussseite waren noch große Industriegebiete mit Hafenanlagen zu sehen. Im Vordergrund die Stahlwerke von Thyssen/Krupp mit neuer Kokerei. Der Radweg war in dieser Gegend nicht gut ausgeschildert und in einem schlechten Zustand. Erst als wir unserem Tagesziel Xanten näher kamen, wurde der Weg besser.
In Xanten angekommen, waren wir an diesem Tag 126 km unterwegs gewesen.
15. 05. Nach einem guten Frühstück sahen wir uns den Verlauf der heutigen Strecke an. Der Rhein-Radweg ist im ersten Abschnitt sehr kurvenreich und verläuft selten in unmittelbarer Nähe vom Fluss. Wir entschieden uns für den Radweg der B 57 bis Kleve.
Das Wetter war nicht unfreundlich, es wehte aber ein kräftiger Wind aus südlicher Richtung. Unsere Fahrt ging in Richtung Nord-West, so dass wir ihn als seitlichen Schiebewind hatten. Die Strecke über Kalkar bis Kleve schafften wir deshalb schnell.
Hier ergänzten wir unsere Ess- und Trinkvorräte. Etwas Zeit blieb uns noch, um einen Blick auf das Wahrzeichen der Stadt, die Schwanenburg mit dem Schwanenturm zu werfen.
Danach suchten wir den Rhein-Radweg, der uns nach Holland führen sollte. Die holländische Grenze war hier nicht markiert und wir merkten erst an den gelben Kennzeichen der Autos, dass wir in Holland waren.
Hinter Millingen a. d. Rijn lud eine Bank auf dem Deich zum Verweilen ein. Die Wolken verzogen sich langsam und so konnten die Jacken ausgezogen werden. Während wir uns stärkten und über das gute Wetter freuten, zogen Motorschiffe und Schubverbände verschiedener Größen an uns vorüber. Viele Schiffe kamen aus Rotterdam mit Frachtgut aus Übersee, auffallend waren die hochbeladenen Containerschiffe. Aus England kamen über den Kanal Motorküstenschiffe und fuhren deutsche Binnenhäfen am Rhein an. Der Rhein ist in diesem Abschnitt der meist befahrenste Fluss Europas.

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Rastplatz am Radweg

Die Durchfahrtshöhen der Brücken müssen auch den Schiffshöhen angepasst sein. Imponierend sind die Brückenkonstruktionen, die in verschiedenen Spannweiten und Höhen über das Wasser führen.
Vor uns lag noch ein 40 km langer Abschnitt am Rhein (Waal). Der südliche Rheinarm nimmt den Namen Waal an und verläuft parallel zur südlich fließenden Maas. Auf dem asphaltierten Radweg des Deiches kamen wir mit Unterstützung des Windes gut voran. Unterwegs boten sich einwandfreie Rastplätze zum Ausruhen an.

Interessant war es auch die Häuser unmittelbar hinter dem hohen Deich anzusehen. Die Dachfirsten reichten oft nur bis zur Oberkante des Deiches.
Hinter der Festungsstadt Zaltbommel verließen wir den Waal und schwenkten in die südliche Richtung ein. Horst hatte eine Route ausgearbeitet, auf der wir von der Insel Zeeland aus das Rheindelta erreichen konnten.
Ein paar Kilometer wollten wir noch fahren und dann eine Unterkunft suchen. Fähren brachten uns über einen Kanal und die Maas und dann begann die Suche. Der letzte Fährmann hatte uns schon wenig Hoffnung gemacht. Es war in dieser ländlichen Gegend nicht so einfach, da sich kaum Touristen hierher verirrten. Wir mussten bis nach Waalwijk, der nächst größeren Ortschaft fahren, um an einer Autobahnabfahrt in einem Etap-Hotel eine Bleibe für die Nacht zu bekommen. Es war schon 20:30 Uhr und an diesem Tag sind wir 152 km gefahren.

16. 05. Bei bewölktem Wetter aber gegen den Wind radelten wir auf guten Radwegen unserem ersten Tagesziel, der Stadt Breda, entgegen. Die „Grate Kerk – unsere liebe Frauenkirche“ bildete den Mittelpunkt der Stadt. Die Kirche war mit ihrem 97 m hohen Turm schon von weitem sichtbar und diente uns zur Orientierung. Auf dem Marktplatz war Wochenmarkt und wir konnten uns mit Esswaren und Getränken versorgen. Nicht weit vom Marktplatz entfernt ist das Schloss Kasteleel von Breda. Es wird als Militärakademie genutzt und ist nur auf Voranmeldung zu besichtigen.
Ein Autofahrer, den Horst nach dem weiteren Weg befragte, war so freundlich und lotste uns aus der Stadt. Am Stadtrand stellten wir fest, dass wir von der Route abgekommen waren. Bei heftigem Gegenwind ging es weiter in Richtung belgische Grenze, danach 12 km durch den Nordteil Belgiens. Am Zustand der schlechten Straßen und der fehlenden Radwege merkten wir, dass wir Holland verlassen hatten.
Von der belgischen Grenze ging es dann wieder auf guten Radwegen nach Zeeland und wir überquerten beide Kanäle zwischen der Oosterschelde und der Westerschelde.

Auf beiden Kanälen gelangen die Schiffe zum Hafen von Antwerpen in Belgien. Der „Kanal door Zuid-Beveland“ war für größere Schiffe geeignet. Die Autobahn führte unter den Kanal hindurch, die Straße und der Schienenstrang waren mit Drehbrücken versehen.

Auf dem Weg zum Deich der Westerschelde standen riesige Gewächshauskomplexe. Hier wurden Gurken und Paprika geerntet. Auf dem Deich legten wir eine Pause ein, danach ging es in Richtung Vlissingen auf Zimmersuche. Einheimische rieten uns ab, da es aussichtslos ist in dieser Gegend ein Zimmer zu finden. So fuhren wir zurück nach Kapelle, wo es mehrere Möglichkeiten für Übernachtungen geben sollte. Nach längerem Suchen fanden wir in einem Motel in Biezelinge ein freies Zimmer.
Durch den ständigen Gegenwind waren wir nach 123 km ziemlich geschafft.

17. 05. Frühmorgens führte unsere erste Fahrt zum Bäcker nach Kapelle. Im Motel wurde für ein Frühstück 8 € verlangt, was uns zu teuer war. Der Bäcker hatte warme gefüllte Blätterteigrollen, die mir gut schmeckten. Als Marschverpflegung nahm ich Rosinenbrötchen mit.
Das nächste Ziel war Vlissingen, am Ausgang der Westerschelde zur Nordsee gelegen. Fast ständig gegen einen starken Wind fahrend mussten wir bis Vlissingen 42 km zurücklegen.

Die Stadt gefiel mir: saubere Straßen mit schmucken Giebelhäusern und gepflegten Vorgärten.
Am Strand von Vlissingen legten wir eine Pause ein und beobachteten große Frachtschiffe auf dem Weg in den Hafen von Antwerpen.
Von Vlissingen bis zum attraktiven Strandbad Westkapelle fuhren wir unmittelbar hinter hohen Dünen und brauchten nicht gegen den Wind anzukämpfen. Weskapelle ist der westlich gelegenste Ort von Holland. Vom Deich aus hatte man einen herrlichen Blick über die Dächer des Seebades. An der Seeseite wurde an der Deichbefestigung gearbeitet. Ab jetzt änderte sich die Fahrtrichtung nach Nord-Ost und somit nicht mehr gegen den Wind. Über Dornburg einem sehenswerten Seebad, radelten wir den drei Deltawerken entgegen.

Zuerst erreichten wir das Sturmflutwehr, dass die Nordsee von der Oosterschelde trennt. In einem 8 km langen Damm sind drei Segmente mit insgesamt 65 beweglichen Hubtoren eingebaut, ein gigantisches Bauwerk. Über den Damm verläuft eine Autostraße und ein Fahrradweg
Bei Sonnenschein und Rückenwind ist es ein Radlergenuss diesen Damm zu überqueren.

Eben so gut gestaltete sich die Fahrt über den 6 km langen Brouversdamm. Durch eine Schleuse wird die Salzwasserzufuhr in die dahinter liegenden Gewässer gewährleistet.
Im 4 km langen Harringviliedamm ist in einer Sektion mit Schwenktoren auch eine Schleuse eingebaut.

Die Landschaft im Mündungsdelta liegt teilweise unter dem Meeresspiegel. Sie wurde erst in den letzten 1800 Jahren dem Meer durch Eindeichung abgerungen. Nach der großen Flutkatastrophe im Jahre 1953 wurde mit dem Bau des teuersten Wasserbauprojektes der Welt begonnen.
Die Besichtigung der Sturmflutwehre hatte uns einige Zeit gekostet. Es war schon
20:00 Uhr, als wir uns in Hellevoetsiuis und Umgebung um eine Unterkunft bemühten. Zwei in der Nähe liegenden Pensionen waren durch Monteure aus Rotterdam schon ausgebucht, Privatzimmer gab es nicht. Wir hatten schon alle Hoffnungen aufgegeben, da wurden wir von einer Pension an einen Campingplatz weiter vermittelt. Dankend nahmen wir das Angebot an und übernachteten auf dem Campingplatz in einer Blockhütte.
Durch die Suche nach einer Unterkunft war der Tagesabschnitt 148 km lang.

18. 05. Auf dem Campingplatz gab es kein Frühstück. In einer Kaufhalle versorgten wir uns mit Getränken und Esswaren für den Tag. Gefrühstückt wurde an einer Bushaltestelle im Wartehäuschen.
Unser erstes Ziel an diesem Tag war der Neue Wasserweg , der von der Nordsee nach Rotterdam führt. Brücken gibt es über diesen Wasserweg nicht, da sehr große Schiffe bis in den Hafen von Rotterdam fahren. Die Autobahn führt unter dem Kanal durch.
Die Fähre von Rozenburg nach Maassluis ließ nicht lange auf sich warten, so dass wir die Fahrt nach Hoek van Holland an der Nordseeküste, fortsetzen konnten. Dieser 18 km lange Weg führte direkt an der „Waterkant“ des Deiches entlang und es wehte ein scharfer Kantenwind. Im Windschatten von Horst fahrend zählte ich jeden gefahrenen Kilometer.

Das „Weltwunder am neuen Wasserweg“ schließt mit seinen Wehren die 360 m breite Wasserstraße bei Hochwasser in einem Zug. In den beiden bis zu 15 m dicken Toren und ihren Armen wurde jeweils mehr Stahl verbaut als der Eifelturm enthält. Die Maeslandkering eine 500 Mil. Euro teure Anlage, ist der Schlusspunkt der Deltawerke, die Südholland gegen die See sichert.
In Hoek van Holland ist ein Fährhafen, den wir uns aber nur von außen ansahen.

Hinter Hoek van Holland wurden wir für unsere Mühe belohnt, durch die Fahrtrichtungsänderung war Schiebewind.
Der vor uns liegende Abschnitt ist einer der schönsten Radwege, die ich je gefahren bin. Entlang der Nordseeküste präsentierte sich uns ein hervorragend angelegter Radweg, meist asphaltiert oder gepflastert. Er schlängelte sich durch die Dünen von Seebad zu Seebad mit den schmucken Strandpromenaden. Die Wolken wurden immer weniger und das gute Wetter trug zum positiven Gesamtbild dieses Tagesabschnittes bei. Der Radweg verläuft nicht immer eben durch die Dünen, Steigungen müssen oft in Kauf genommen werden. Vor Gefahrenstellen wurden Polder bei der Erneuerung des Radweges eingebaut. Viele Rennfahrer nutzen diese Radwege als Trainingsstrecke.

Es war noch kein Badewetter, aber die Strandpromenaden der Seebäder waren bei diesem guten Wetter stark bevölkert. Surfer und Drachengleiter tummelten sich an den Stränden. Es war ein buntes unvergessliches Bild wie sie über die hohen Wellen glitten.

So radelten wir durch die Seebäder Scheveningen, Katwijk, Noordwijk aan Zee und Zandvoort.
Hinter Zandvoort wichen wir vom Nordseeküsten-Radweg ab, da er in das Landesinnere führte. Unser Weg führte an der Nordsee weiter durch den Nationalpark Zuid- Kennemerland. An Wasserstellen sahen wir Mufflons und seltene Wasservögel. Bei Driehuis ging es wieder auf den Radweg, der durch eine Buchenallee führte.
Bis zum Nordseekanal, der Verbindung zwischen Nordsee und Amsterdam, war es nicht mehr weit. Auf die Fähre wartend erkundigten wir uns nach Übernachtungsmöglichkeiten.

Einheimische gaben uns den Tipp bei zwei in der Nähe liegenden Jugendherbergen nachzufragen. Den Rat befolgend steuerten wir die nächstliegende Jugendherberge an. Erstaunt erblickten wir in Beverwijk ein sehr gut erhaltenes Wasserschloss, in dem ein komfortables Jugendhotel eingerichtet war. Unsere Hoffnung, eine Übernachtung zu bekommen, schwand, da auf dem Parkplatz zwei große Reisebusse aus Belgien standen. Im Nachbargebäude, in einem 6-Bett Zimmer waren aber noch Plätze frei. Zum Abendessen kamen wir zu spät, so verspeisten wir die Reste unserer Tagesverpflegung.
An diesem schönen Tag waren wir 120 km geradelt.

19. 05. Heftiger Regen, der morgens gegen das Fenster prasselte, weckte uns. Wir packten die Räder, saßen schon 20 Minuten vor Frühstücksbeginn am Frühstückstisch, um dem großen Ansturm auf das Frühstücksbufett zu entgehen. So kam es dann auch, gegen 8 .00 Uhr stürmten die belgischen Jugendlichen in den Speisesaal.
Nach einem guten Frühstück schlüpften wir in die Regenkleidung und fuhren zurück zur Landstraße, die wir gestern verlassen hatten, um zum Jugendhotel zu kommen.
Der Nordseeküsten-Radweg führte durch das Nordholländische Dünenreservat, einem Naturschutzgebiet.
Bei dem Regenwetter war es für uns besser, den kürzeren Weg auf der Landstraße über Castrium nach Egmont aan den Hoef zu fahren. Auf dem Radweg an der Landstraße fuhr es sich trotz des schlechten Wetters gut. An Bergen-Binnen vorbei über School nach Groet radelten wir durch ein großes Laubwaldgebiet.

In Groot war es an der Zeit, die Eß- und Trinkvorräte zu ergänzen. Der Regen hatte aufgehört, dafür entwickelte sich der Wind zu einem Sturm.
Bei der Weiterfahrt merkte Horst, dass der vordere Reifen einen Platten hatte. Beim Wechseln des Schlauches fühlte er die Decke nach spitzen Gegenständen ab, aber vergebens.
Gegen den Wind mussten wir kräftig in die Pedalen treten, um vorwärts zu kommen. Nach kurzer Zeit war aber der schützende Deich erreicht. Die nächsten 12 km kam der Wind von hinten und so konnte das Tempo enorm beschleunigt werden. Während
einer Pause stiegen wir auf den Deich und ließen uns den Sturm um die Ohren pfeifen. Mächtige Wellen rollten an das Ufer.
Ab Westerhout teilte sich der Nordseeküsten-Radweg. Eine Variante führte über
Den Helder, den Inseln Texel und Vlieland nach Harlingen. Diese Route kam für uns wegen des schlechten Wetters und des Sturmes nicht in Frage.
Wir wählten die Waddenzeeroute nach Den Oever und von dort über den Damm des Ijsselmeeres nach Harlingen.
Die Landschaft vor dem Damm war sehr abwechslungsreich. Auf dem Korte Ruige Weg ging es eine 5 km schnurgerade Allee entlang. Rechts waren wieder Blumenfelder zu sehen. Einige Tulpenfelder standen noch in voller Blüte und verwandelten die Gegend in eine bunte Landschaft. Der Weg wechselte oft die Richtung, so dass wir gegen Seiten und Gegenwind ankämpfen mussten. Bei starken seitlichen Böen musste ich aufpassen, um nicht vom Radweg geschoben zu werden. Ich umklammerte den Lenker fest und stemmte mich beim Fahren gegen den Wind.
Vorbei am Amstelmeer führte der Radweg zum Ijsselmeer. Je näher wir dem Damm kamen, desto größer wurden unsere Befürchtungen, ihn bei diesem Sturm nicht passieren zu können. Die letzten Kilometer bis zum Damm fuhren wir auf dem Radweg der Nationalstraße N 99.
Am Damm angekommen atmeten wir erleichtert auf, da zur Meeresseite hin ein Überbau von ca. 5 m Höhe war. Somit bietet er bei Westwind einen guten Windschutz.

Mit dem Sturm im Rücken dauerte die Fahrt über den 30 km langen Damm nicht einmal eine Stunde. Für die Aussichtsplattform und das Museum auf dem Damm blieb uns keine Zeit. Es war schon nach 18:00 Uhr und Regen setzte ein. Vom Damm bis Harlingen waren es noch 10 km , danach hieß es ein Quartier zu suchen.
Wir durchfuhren Harlingen , die schönste Hafenstadt Frieslands, mit ihren schmucken schmalen Giebelhäusern und dem bedeutendsten Hafen der holländischen Krabbenfischerei. Überall wehte uns die friesische Fahne mit den sieben roten Seerosen auf blau-weiß gestreiftem Untergrund entgegen.


Ausgangs von Harlingen merkte Horst, dass die Luft in seinem Vorderrad weniger wurde. Nach dem Aufpumpen hielt die Luft etwa 15 Minuten an. Eine Unterkunft musste gefunden werden. Zurück ins Zentrum von Harlingen wollten wir nicht mehr.
Nach häufiger Befragung der Einwohner und längerem Suchen fanden wir in dem kleinen Ort Midlum eine Pension.
Der Wirt sah uns die Strapazen des Tages an. Er versorgte uns mit warmen Getränken und bereitete ein Abendessen zu. Horst untersuchte den Reifen seines Vorderrades und wurde fündig. In der Decke entdeckte er einen kleinen Stahlsplitter, den Verursacher beider Pannen.
Es war ein anstrengender Tag, an dem wir 132 km geradelt waren.

20. 05. Die Wetterprognose unseres Wirtes für heute lautete: 30% Regen, 7 Std. Sonne, Windstärke 3-5 aus Richtung Nord-West. Gute Aussichten für den vorletzten Tag mit dem Tagesziel Delfzijl.
Kaum hatten wir die Pension verlassen, setzte Regen ein und der Wind war auch nicht zu verachten. Also änderten wir die Route und befuhren nicht den Nordseeküsten- Radweg, der häufig die Richtung änderte, sondern nutzten die Radwege der National- und Landstraßen. Eingepackt im Regenzeug hatten wir kaum einen Blick für Landschaften und Ortschaften. So radelten wir bis Holwerd. In Wartehäusern der Bushaltestellen wurden Pausen gemacht. Wieder auf der vorgesehenen Route angekommen führte der etwa 20 km lange, asphaltierte Weg, unterhalb des Deiches entlang. Hinderlich waren die Absperrungen einzelner Deichabschnitte, damit die Schafe sie nicht verlassen konnten. So viele Schafe hatte ich noch nie gesehen, sie weideten nicht nur am Deich, sondern auch auf den benachbarten Wiesen. Durch die vielen Schafe waren die Wege sehr verschmutzt und oft mussten wir Schlangenlinie fahren, um dem Schafskot auszuweichen.

Vor dem Damm, der das Lauwersmeer vom Wattenzee abtrennt, legten wir eine Pause unter einer Brücke ein, da es noch immer regnete. Hinter dem Damm endete der schlecht ausgeschilderte Radweg auf einer breiten Betonstraße hinter dem Deich.

Diese Straße gehörte zu einem Militärgebiet und wir waren uns unsicher, ob sie von uns befahren werden durfte. Spaziergänger beruhigten uns und so konnte die Fahrt mit Rückenwind auf der schnurgeraden Straße fortgesetzt werden.
In Friesland sahen wir vor dem Deich keine Badestrände, es war das Wattenmeer.
Der Regen hatte aufgehört und nach sechsstündiger Fahrt im Regen konnten endlich die Regensachen ausgezogen werden. Nun bot sich uns wieder ein bekanntes Bild: Radweg, Deich und Schafe, darunter auch einige schwarze.
Bei Eemshafen ging es durch ein Industriegebiet und auf der Landstraße weiter bis Delfzijt. Diese Stadt entwickelte sich durch die Salzgewinnung und Erdgasvorkommen zu einer modernen Industriestadt. Der Hafen an der Emsmündung ist jetzt der drittgrößte Hafen Hollands.
In dieser Stadt zeigte der Tacho den 1000. Tourenkilometer an. Zur Begrüßung erschien am Himmel ein herrlicher Regenbogen.
In Farmsum, einem Außenbezirk von Delfzijt, fanden wir bald eine Pension.
Die Streckenlänge des vorletzten Tages betrug 143 km und war vom Wetter her ein schwieriger Tourenabschnitt.

21. 05. Unser Ziel war es, gegen 12:00 Uhr den Bahnhof von Leer zu erreichen.
Um 8:30 Uhr waren die Fahrräder gepackt. Auf einer Landstraße erreichten wir bald Termunterzijl. Entlang am Dollart mit Deich und Schafen bei teilweise heftigem Gegenwind, führte der asphaltierte Weg nach Bunde. Deutschland war wieder erreicht.
Durch Weener auf der B 75 Ems abwärts wurde zur eingeplanten Zeit der Bahnhof von Leer erreicht, die letzten 58 km waren geschafft.
Eine 1062 km lange Tour ging zu Ende. Stolz war ich, diese lange Tour ohne große Zwischenfälle überstanden zu haben.
Am Bahnhof verabschiedete ich mich von Horst. Er fuhr mit dem Rad weiter in Richtung Heimat, während ich auf den Regionalzug nach Bremen wartete. Kurz vor der Abfahrt kam die Durchsage, dass von Delmenhorst nach Bremen wegen Bauarbeiten auf der Strecke Schienenersatzverkehr sei. Meine ersten Gedanken waren, hoffentlich komme ich mit dem Fahrrad in einen Bus. Die vorhandenen drei

Busse in Delmenhorst reichten nicht für alle Fahrgäste aus. Es hat aber gerade noch geklappt, dass ich mein Fahrrad in einen Bus bekam.
In Bremen ließ ich mir den restlichen Streckenverlauf ausdrucken. Ab Hannover war es die gleiche Strecke wie bei der Hinfahrt.
Im Zug hatte ich genug Zeit, um Rückschau zu halten. Mit Horst verstand ich mich während der gesamten Fahrt sehr gut. Horst kannte sich in vielen Gegenden, besonders am Rhein, sehr gut aus und war ein guter Reiseführer. Ich hoffe, es war nicht unsere einzige gemeinsame Tour.
Für mich war es die bisher längste und vom Wetter her auch schwierigste Tour.
Das Radfahren am Rhein und Waal, im Rheindelta mit den Sturmflutwehren und durch die Nordseedünen gefiel mir am besten.
Beispielgebend, auch für Deutschland, sind die vielen Radwege, die sich uns in einem sehr guten Zustand präsentierten.
Eine der nächst geplanten Touren wird weiter an die Küste von Nord- und Ostsee führen.
Gegen 22:00Uhr erreichte ich den Bahnhof von Brandenburg Altstadt, danach war es nicht mehr weit bis zur Wohnung. Meine Ehefrau war glücklich, dass ich gesund und munter zu Hause angekommen bin.

Brandenburg an der Havel im Juni 2006.

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