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Vergissmeinnicht oder die Vergesslichkeit

Vergesslichkeit ist nicht nur dem Alter zuzuordnen. Schon jüngere Semester leiden unter dieser eigentlich harmlosen Krankheit. Oft muss man dann die Nadel im Heuhaufen suchen. Als bestes Beispiel geht es oft um die verlegte Brille, die man aufhat und trotzdem verzweifelt sucht. Solange bis eine gute Seele einem mitteilt, dass man die selbige bereits auf der Nase hat. Wissenschaftlich ist bewiesen, dass, wenn man täglich eine Handvoll Walnüsse knabbert, das Gedächtnis davon profitiert. Denken wir nur an die Eichhörnchen als das beste Beispiel dieser These. Diese anerkannten Nüsseliebhaber vergraben ihre Nüsse für Notzeiten irgendwo im Wald und zu 90% finden sie die Verstecke in der Not wieder.

Mann beim Nachdenken

Eigentlich wollte ich etwas ganz Anderes über meine Vergesslichkeit schreiben, aber ich hatte es einfach vergessen. Warum ich nun doch zu diesem Thema aufs Neue gefunden habe, ergab sich so:
Es steht außer Frage; ich bin vergesslich. „Hol mir Kartoffeln aus dem Keller“, ruft mir meine Frau zu und ich gehe brav nach unten, denke dabei aber an die Funktion von Schwarzen Löchern und Weißen Zwergen, stehe dann ratlos vor der Kartoffelkiste und weiß nicht mehr, was ich da soll. Ich schleiche mich also leise wieder nach oben und frage scheinheilig, so nebenbei: „Was gibt es heute denn zu essen, mein Schatz?“ und erfahre beiläufig: Ah, Kartoffeln sind gefragt und schwuppdiwupp geht mein Weg zurück und diesmal hatte ich kein „ Schwarzes Loch“.

Das geht aber nicht immer so glimpflich ab. Meine Frau verstrickt mich oft in weibliche Thematiken, die mir einfach nicht interessant erscheinen und deshalb konzentriere ich mich während ihres Vortrages auf die Rettung der Bundesrepublik vorm nahen Untergang oder ich denke wie Einstein über das Endliche-Unendliche nach – und lebe völlig in anderen Welten. Plötzlich kommt, wie aus einer Pistole, ein gezielter Schuss auf mich zu: „Was habe ich dir gerade erzählt?!“
Nun, ich habe gelernt, auf zwei Hochzeiten zu tanzen und mein Hirnrinde vermag wohl im linken Teil Oberflächliches zu speichern, während auf der rechten Seite das geballte Zentrum auf Hochtouren arbeitet und so ist es mir auch gegönnt, in das weiblich einseitig geführte Gespräch ab und zu ein schwach klingendes „Mh- na so was, kaum zu glauben, aber nein auch“ einzublenden.

Da ich meine Frau als sehr streng und unnachgiebig kenne und sie die Katz und ich die Maus im Haus bin, schalte ich die Rettung der BRD und Einsteins Theorie rechtsseitig kurz ab und versuche zu retten, was zu retten bleibt. Meistens ist das nicht viel, was meine linken Gehirnlappen noch wissen und das folgende Gestotter treibt meine, sonst liebe Gattin zur Weißglut. „Du bist nicht konzentriert – nie hörst du mir zu – du hast wieder alles „vergessen“, was ich dir gerade eben noch erzählt habe“, muss ich mir dann mit Recht anhören.

Da war es also wieder, dieses drohende unheimliche Wort „Vergessen“.

Es war die Zeit gekommen, bei meinem Onkel Doktor, einige Laborberichte zu besprechen. Mein Doktor ist ein sehr junger Mann, von ca. 35 Jährchen, dabei ehrgeizig und nimmt (Gott sei Dank) alles, was seine Patienten betrifft, sehr ernst. Ich saß noch kurz vor dem Gespräch alleine vor seinem Schreibtisch und nahm mir aus dem Prospektständer eine Information über Demenzerkrankung und deren Früherkennung. Mein Doktor kam herein, begrüßte mich, besprach kurz die Labordaten und hielt mir seine "Jedesmal"-Strafpredigt über meine Fettleber, die, von ihm richtig vermutet, unter dem Badischen Weinviertele leidet und sah dabei auf das Demenzprospekt in meinen Händen.
„Haben Sie Probleme da oben?“, sich dabei seine Stirne tippend.
Ich erklärte ihm meine Schwierigkeiten beim Kartoffel holen und so; und dass ich tags dauernd dabei bin, alle Probleme der Welt zu lösen und sogar Einsteins Theorien anzweifele; welchen bedrohlichen Zorn ich dabei bei meinem weiblichen Gegenüber auslöse und dass es in der Zukunft zu schlimmen Exzessen zwischen uns beiden kommen könnte, und jawohl, es doch nur an der linken Gehirnhälfte liegen würde, die einfach nicht richtig beim Manne funktionieren, dagegen sei es wissenschaftlich erwiesen: Bei der Frau funktionieren beide Gehirnhälften und…

Eichhörnchen vor einem Einkaufswagen mit Walnüssen

Der Dottore hatte für all mein Gejammer und wissenschaftlichen Ausführungen kein Verständnis. „Mein lieber Mann, mit 80+, klappt es da oben nicht mehr so gut und deshalb machen wir jetzt sofort einen Alzheimertest!“
Er sprachs, ging aus dem Zimmer, um den Testbogen zu holen und ward nicht mehr gesehen. Er hatte mich schlicht und einfach vergessen und nach einer Stunde Wartezeit schlich ich mich klammheimlich aus der Praxis. Auf seinem Schreibtisch hinterließ ich einen Zettel:

„Lieber Doktor, bin gegangen, nachdem ich auf den Alzheimertest gewartet habe. Ich empfehle Ihnen täglich gegen die Vergesslichkeit eine Handvoll Walnüsse zu verzehren“.

Ihr Patient Carlos Fiddigeigei

Autor: Fiddigeigei

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