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Ingrids Sternstunde im Freundeskreis

Ingrid freute sich auf das Wochenende. Langjährige sehr gute Freunde hatten Ingrid zu einem gemeinsamen Opernbesuch eingeladen. Aufgeführt wurde Donizetti’s „L’Elisir d’Amore“, eine heitere Oper, in der sich ein schüchterner Verehrer von einem Quacksalber einen Liebestrank verkaufen lässt in der Hoffnung, dadurch die Gunst seiner Angebeteten zu gewinnen.

Nach diesem Opernabend wurden nicht nur die Darstellung, das Bühnenbild, die hervorragenden Stimmen und die Slapsticks der Inszenierung besprochen. Auch die Handlung selbst wurde von allen Seiten kritisch betrachtet.

„Wie kommt es nur, dass es bis in die heutige Zeit möglich ist, hilfesuchenden Menschen mit sehr zweifelhaften Erfolgsaussichten Tinkturen, Pillen und was weiß ich nicht alles zu verkaufen“, fragte Ingrids Freundin ihren Mann.

„Es sind Menschen, die sich in einer verzweifelten persönlichen Notlage befinden, die an die versprochenen Wunder glauben wollen. Wenn sich dann der Erfolg tatsächlich einstellt, forschen sie nicht nach der Ursache ihres Glücks sondern schwören, es sei ein Wundermittel“, berichtete der erfahrene Ehemann und schilderte in diesem Zusammenhang eine völlig unerklärliche Heilung einer schweren Erkrankung. „Hoffnung und Glaube können Berge versetzen.“

„Doch sind dies sehr seltene Ausnahmen. Es gibt weder den so sehr erwünschten Jungbrunnen noch ein Elixier, um die Liebe zu wecken. Wenn es dies gäbe, ich würde es in Massenproduktion nehmen und weltweit kostenlos an die Menschen verteilen. Dann wäre Schluss mit den Kriegen und alle Menschen sind glücklich.“

„Glücklich sein“, meinte Ingrid, „liegt in jedem Menschen selbst. Dazu gehört nicht viel.“

„Dies musst du erklären“, fragte Ingrids Freund interessiert. „Frag doch heute einmal die Menschen um dich herum, ob sie glücklich sind. Fast alle werden dies verneinen.“

Ingrid wies mit ausholender Handbewegung auf die Runde. „Wir sind hier beieinander und führen ernste und heitere Gespräche, nehmen besorgt teil am Erleben und Leben untereinander. Durch gemeinsames Lachen wächst Verstehen und Verständnis. Durch den Erfahrungsaustausch und die Harmonie empfinden wir ein sehr behagliches Geborgensein. Wir lassen dieses Gefühl zu und genießen es. Es gibt jeden Tag so viele Erlebnisse, die Freude wecken. Gefühle zulassen, sie sich bewusst machen und einen Augenblick innehalten, um sie auszukosten, mehr braucht es nicht, um glücklich zu sein. Damit schaffen wir uns unsere persönlichen kleinen Sternstunden. Wir müssen unser Glück nur sehen.“

Es entstand eine nachdenkliche Stimmung. Schweigende, forschende Blicke tasteten sich in die Augen der anderen, abwägend, Antwort suchend. Es war, als ginge ein Engel durch den Raum und berühre die Herzen.

Und einstimmig kam die Antwort: „Der heutige gemeinsame Abend, die Gespräche, das Miteinander bewusst erleben… Ja, wir sind um eine Sternstunde reicher.“

Autor: Zwillingsjungfrau

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