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Er wollte gefunden werden

Ich kam vom Einkaufen mit meinem Einkaufswagen und Rucksack und ging zur Haltestelle. Am Wochenende war ein Familientreffen bei mir geplant und da gab es noch viel vorzubereiten. Ich wollte mich hinsetzen, aber da lag schon jemand und guckte mich an. Er hatte nur ein Auge und war auch recht schmuddelig. “Was machst du hier, es regnet?” fragte ich, aber es kam keine Antwort. “Dich hat wohl jemand vergessen!”

Zu Teddybären habe ich wohl eine besondere Beziehung und wusste ein Kind würde sehr traurig sein und so steckte ich ihn in meinen Rucksack und nahm ihn mit nach Hause. Unterwegs überlegte ich, wie ich seinen kleinen Freund oder seine Freundin finden konnte, dann wären beide wieder froh. In meinem Kopf entwarf ich bereits einen Text, den wollte ich kopieren, ein Foto machen und wollte ihn in der Nähe der Haltestelle an einige Bäume hängen. Zu Hause verstaute ich die Lebensmittel und setzte den Bären zu den zwei anderen auf das Regal. Die beiden waren die Teddybären meiner erwachsenen Enkelkinder, die sie erst zu sich nehmen wollten, wenn sie eigene Kinder haben. So hatten sie Gesellschaft und der kleine traurige Bär war nicht mehr allein. Der Baumzettel mit dem Foto und dem Text war schön geworden. “Ich bin verloren gegangen und möchte so gern von meinem Freund gefunden werden!” Dann stand darauf noch meine Telefonnummer. Ich zog mich wieder an und ging los, Teddy in meinem Rucksack, der Kopf und die Arme guckten raus, damit das Kind ihn erkennen konnte.

Nachdem ich die Zettel befestigt hatte, ging ich nach Hause, noch viel Arbeit wartete auf mich. Am Abend saß ich gemütlich und müde auf dem Sofa und schaute die drei “Untermieter” an. Es tat mir leid, den Neuling nur mit einem Auge zu sehen und so suchte ich in meinem Fundus aus jahrelanger Kinderarbeit und fand ein ganz passendes Bärenauge. War das eben ein schiefer Blick, als ich Faden und Nadel zur Hand nahm? Sicher war es nur meine Müdigkeit. Dann strahlten mich zwei glückliche Teddyaugen an und auch die beiden anderen sahen ganz fröhlich aus. Auch am nächsten Tag hatte ich keinen Erfolg. Einmal wollte ich es noch versuchen und fuhr zu der Haltestelle. Ich stieg aus, guckte mich etwas unschlüssig um, da schrie eine Kinderstimme: “Mama, Mama mein Schnuffi, die Frau hat ihn gefunden! Darf ich ihn wieder haben, er gehört mir.“ Ich strahlte den etwa 4-jährigen Knirps an und legte ihn in seinen Arm.“Ja, ich habe ihn gefunden, er war so allein und ganz nass.“ “Warst du mit ihm beim Arzt und der hat ihn operiert? Er hat wieder zwei Augen und wird nicht mehr beim Frühstück meine Tasse umwerfen. Jetzt kann er besser aufpassen." Die Mutter lächelte mich freundlich und dankbar an und meinte: “Nun werden auch die Nächte wieder besser, er ist immer wieder aufgewacht und hat nach seinem Schnuffi gerufen und geweint!” Felix drückte seinen Bären an sich, mit der anderen Hand umarmte er mich. Dann trennten wir uns und Felix winkte mir mit Schnuffi noch lange nach.

Drei Menschen und der kleine Bär gingen glücklich nach Hause.

Teddybär

Autor: Feierabend-Mitglied

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