Einsiedlers Heiliger AbendIch hab' in den Weihnachtstagen -Ich weiß auch, warum -Mir selbst einen Christbaum geschlagen,Der ist ganz verkrüppelt und krumm.Ich bohrte ein Loch in die DieleUnd steckte ihn da hineinUnd stellte rings um ihn vieleFlaschen Burgunderwein.Und zierte, um Baumschmuck und LichterZu sparen, ihn abends noch spätMit Löffeln, Gabeln und TrichterUnd anderem blanken Gerät.Ich kochte zur heiligen StundeMir Erbsensuppe mit SpeckUnd gab meinem fröhlichen HundeGulasch und litt seinen Dreck.Und sang aus burgundernder KehleDas Pfannenflickerlied.Und pries mit bewundernder SeeleAlles das, was ich mied.Es glimmte petroleumbetrunkenSpäter der Lampendocht.Ich saß in Gedanken versunken.Da hat's an die Türe gepocht,Und pochte wieder und wieder.Es konnte das Christkind sein.Und klang's nicht wie Weihnachtslieder?Ich aber rief nicht: "Herein!"Ich zog mich aus und ging leiseZu Bett, ohne Angst, ohne Spott,Und dankte auf krumme WeiseLallend dem lieben Gott.(Joachim Ringelnatz 1883-1934,
Einsiedlers Heiliger AbendIch hab' in den Weihnachtstagen -Ich weiß auch, warum -Mir selbst einen Christbaum geschlagen,Der ist ganz verkrüppelt und krumm.Ich bohrte ein Loch in die DieleUnd steckte ihn da hineinUnd stellte rings um ihn vieleFlaschen Burgunderwein.Und zierte, um Baumschmuck und LichterZu sparen, ihn abends noch spätMit Löffeln, Gabeln und TrichterUnd anderem blanken Gerät.Ich kochte zur heiligen StundeMir Erbsensuppe mit SpeckUnd gab meinem fröhlichen HundeGulasch und litt seinen Dreck.Und sang aus burgundernder KehleDas Pfannenflickerlied.Und pries mit bewundernder SeeleAlles das, was ich mied.Es glimmte petroleumbetrunkenSpäter der Lampendocht.Ich saß in Gedanken versunken.Da hat's an die Türe gepocht,Und pochte wieder und wieder.Es konnte das Christkind sein.Und klang's nicht wie Weihnachtslieder?Ich aber rief nicht: "Herein!"Ich zog mich aus und ging leiseZu Bett, ohne Angst, ohne Spott,Und dankte auf krumme WeiseLallend dem lieben Gott.(Joachim Ringelnatz 1883-1934,