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Die Abenteuer des Kookaburras (2)

Von Feierabend-Mitglied Samstag 10.05.2025, 03:36 – geändert Samstag 10.05.2025, 11:59


Lost im Outback

Bunbury war kein Ort zum Bleiben. Zumindest nicht für jemanden wie Kookaburra, der gerade vom Meer gekommen war und sich plötzlich auf festem Boden unsicher fühlte. Die Stadt war heiß, flach und langweilig. Mit seinem neu gekauften Zelt, dem Backpack und einer alten Lee-Enfield-Rifle sowie dem festen Entschluss, das australische Outback zu durchqueren, machte er sich auf den Weg. Autostop war die Methode der Wahl. Kein Geld, kein Plan – aber ein Daumen und ein Grinsen, das selbst misstrauische Roadtrain-Fahrer zum Bremsen brachte.

Seinen ersten Lift bekam er mit Bruce, der glaubte, Hamburg sei etwas zu essen. Kookaburra ließ ihn in dem Glauben. Man diskutiert nicht mit Männern, die eine geladene Schrotflinte zwischen den Sitzen liegen haben.

Sie fuhren durch endlose Landschaften, in denen die Straßen manchmal mehr Fantasie als Wirklichkeit waren. Nach drei Tagen, einer geräucherten Schlange zum Abendessen und der Erkenntnis, dass in Australien selbst die Fliegen fluchen, wenn sie gegen die Windschutzscheibe prallen, trennten sich ihre Wege. Bruce fuhr nach Osten, Kookaburra blieb zurück.

Er war gestrandet in einem winzigen Ort mit dem klingenden Namen Marble Bar – dem heißesten Fleck des Kontinents, was sich nicht nur auf die Temperaturen bezog, sondern auch auf den Zustand der Kneipe. Dort lernte er Sally kennen, eine Kellnerin mit einer Lache wie ein platzender Luftballon und Augen, die alles sahen – auch, dass er kein Geld hatte. Trotzdem brachte sie ihm ein Bier.
„Du siehst aus, als bräuchtest du eins mehr als ich“, sagte sie.

Sally hatte etwas an sich, das selbst die trägste Hitze durchdrang. Vielleicht war es ihre Art, einen anzusehen, als würde sie einem gleichzeitig eine Ohrfeige und einen Whiskey verpassen wollen. Oder die Tatsache, dass sie in der Mittagshitze barfuß lief und sich dabei bewegte, als gehörten ihr Straße und Sonne.

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Nach Feierabend saßen wir oft hinter dem Pub auf einem alten Sofa und schauten in den sternenklaren Himmel. Sie erzählte Geschichten von Truckern, Schlangenbissen, einer Ziege, die mal die Kneipe auseinandergenommen hatte, und davon, wie sie als junges Mädchen dachte, Sydney sei ein Mythos.

Plötzlich schlief sie bei ihm im Zelt. Es war nie geplant, nie besprochen. Es passierte einfach. So wie Staub an den Stiefeln klebt oder der Schweiß auf dem Rücken rinnt – einfach da, einfach echt.

An seinem letzten Abend saßen sie noch einmal auf dem Sofa. „Du gehst morgen, oder?“ fragte sie. Kookaburra nickte. „Wohin?“ – „Ich weiß es nicht. Vielleicht zur Lake-Argyle-Baustelle.“Sie schwieg, drückte ihm dann einen Zettel in die Hand.
„Falls du doch irgendwann weißt, wohin du willst – hier ist meine Adresse. Für den Fall, dass du zurückwillst. “

Am nächsten Morgen war sie nicht mehr da. Nur ein Bild, in ein Stofftuch gewickelt, lag auf seinem Rucksack.

Er schulterte sein Backpack und machte sich auf den Weg. Richtung Norden, Richtung Lake-Argyle-Baustelle, Richtung was auch immer. Und obwohl seine Stiefel schwer waren, fühlte er sich leicht. Denn irgendwo da draußen, unter australischem Himmel, gab es jemanden, die wusste, wie er seinen Kaffee mochte.

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