Die Abenteuer des Kookaburras (3)
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Samstag 10.05.2025, 07:22 – geändert Samstag 10.05.2025, 12:01
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Lake Argyle – Dreck, Dynamit und Dosenbier
Erinnerungen an eine Baustelle am Ende der Welt
Ich kam Anfang der Siebzigerjahre zur Baustelle des Lake Argyle – einem Ort so abgelegen, dass selbst die Kängurus sich nicht dahin verirrt haben. Der Ord River Dam sollte gebaut werden, ein riesiger Erdschüttdamm mitten im Nichts der Kimberleys. Staub, Hitze, Schweiß – und ein Haufen Männer, die aussahen, als wären sie direkt aus einem Western geflohen.
Das Camp war eine wilde Mischung aus Baracken, Containern, Zelten und Träumen. Es gab eine Kantine, eine kleine Poststation – und das Herzstück des sozialen Lebens: unseren Pub, liebevoll „The Shed“ genannt. Eine Wellblechhütte mit Bier in Dosen, schiefen Holzbänken und Geschichten, die man besser nicht den Müttern erzählt.
Der Alltag? Knochenhart. Beton gießen, Stahl versetzen, schwitzen wie ein Büffel am Hochofen. Die Maschinen röhrten, der Staub klebte überall, und der Koch war eine Gefahr für Leib und Seele. Ich habe Dinge gegessen, die selbst die Fliegen ignoriert haben. Nach einem besonders traurigen Roastbeef murmelte einer: „Wenn er das nochmal macht, füttere ich ihn den Dingos.“
Unser größter Spaß war das Zielschießen auf Verkehrsschilder. Fast jeder hatte ein Gewehr – keiner fragte woher. Wenn uns der Vorarbeiter genervt hatte, stellten wir uns vor, das „Stop“-Schild sei sein Gesicht. Wenn das Essen schlecht war, traf das „No Entry“-Schild ein Schicksal, das auch der Koch verdient hätte.
Und dann waren da noch die Duschen. Stell dir vor: Nach einem 12-Stunden-Tag voller Dreck und Hitze freust du dich auf ein bisschen Wasser – und wirst stattdessen von einer Huntsman-Spinne begrüßt, so groß wie ein Frühstücksteller. Ich hab gelernt, beim Duschen nicht nur den Wasserhahn zu beobachten, sondern auch die Decke, die Wände und den Duschvorhang (wenn’s denn einen gab). Einmal rutschte mir die Seife aus der Hand, und ich bückte mich – direkt auf Augenhöhe mit einer Python Schlange, die es sich in der Ecke gemütlich gemacht hatte. Ich hab mich noch nie so schnell abgetrocknet.
Trotzdem – oder gerade deshalb – war’s eine verdammt gute Zeit. Wir hatten was aufgebaut, was geblieben ist. Lake Argyle ist heute einer der größten künstlichen Seen Australiens. Touristen kommen mit Kameras, Booten und Sonnenhüten. Wenn sie wüssten, dass unter dem glitzernden Wasser unser Blut, Schweiß und ein paar rostige Gewehrkugeln liegen…
Ich war dabei. Mit Schlamm in den Stiefeln, Spinnen in der Dusche und Dosenbier in der Hand. Und ehrlich? Ich würd’s wieder machen.
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