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Die Abenteuer des Kookaburras (4)

Von Feierabend-Mitglied Samstag 10.05.2025, 10:16 – geändert Samstag 10.05.2025, 11:57



Vom roten Staub aufs blaue Meer

Anfang der 70er Jahre, als der Ord-Damm noch wuchs und Lake Argyle langsam die roten Täler der Kimberleys überflutete, stand ein Mann namens Kookaburra auf der Baustelle und wischte sich mit ölverschmierten Händen den Schweiß von der Stirn. Niemand nannte ihn bei seinem echten Namen. Er lachte laut wie der Vogel, nach dem er benannt war, und war bekannt dafür, dass er überall dort auftauchte, wo Geschichten begannen – und verschwand, sobald sie endeten.

Die Arbeit am Damm war schwer, aber ehrlich. Doch als der Beton trocknete und die Maschinen verstummten, wurde Kookaburra unruhig. Das Outback war ihm zu still geworden. Er wollte Salzwasser schmecken, Fische riechen, Möwen schreien hören. Also sattelte er seinen neu erworbenen alten Land Rover, verabschiedete sich mit einem Nicken und fuhr Richtung Norden – nach Darwin, wo die Straße endet und das Meer beginnt.

Dort, am dampfenden Kai, roch es nach Meer, Fisch und Meer. Und da lag er: ein rostiger Prawn Trawler mit dem Namen Sea Whisper, abgekämpft, aber seetüchtig. Der Kapitän, ein knorriger Typ namens Mick, brummte nur, als Kookaburra an Bord trat. „Was kannst du?“ fragte er. Kookaburra grinste. „Ich halte deine Maschine am Laufen.“

So wurde er der Mann für die Dieselmaschine. Der bestbezahlte Job, denn ohne eine gut laufende Maschine geht nichts. Im stickigen Maschinenraum, wo es heißer war als im Kimberley-Sommer, hörte er auf jedes Rasseln, roch jede Unregelmäßigkeit im Auspuff, kannte jede Schraube beim Vornamen. Wenn draußen das Deck rutschte und der Sturm das Boot durch die Wellen peitschte, hockte Kookaburra zwischen schmierigen Rohren und brummte Lieder, die niemand kannte.

Die Arbeit war hart. Garnelen wurden in langen Nächten sortiert, das Deck war rutschig, das Wasser voller Gefahren. Doch die Crew verließ sich auf ihn. Denn ohne Maschine – kein Licht, kein Netz, keine Heimfahrt.

Er blieb bis zum Beginn der Regenzeit. Als der Himmel sich täglich schwärzer färbte, Blitze über die Bucht zuckten und das Meer zu brodeln begann, legte die Sea Whisper Regenzeit Pause an. Die Männer tranken Bier an Deck zum Abschied, lachten über Erlebnisse auf See.

Kookaburra war der Letzte, der von Bord ging. Er klopfte der Maschine zum Abschied auf den Kolben und sagte nur: „Du bist gut gelaufen, Mädchen.“ Dann verschwand er im tropischen Regen von Darwin – doch diesmal nicht auf der Suche nach Arbeit, sondern nach Freiheit.

Er ließ sich am Lameroo Beach nieder, wo sich eine kleine Hippy-Kolonie zwischen Bäumen, Dünen und Treibholz eingerichtet hatte. Kookaburra baute sich ein windschiefes Baumhaus mit Blick aufs Meer – mehr Nest als Haus, aber genug für ihn. Tagsüber bastelte er an alten Radios, schnitzte aus Treibholz Figuren oder schlief in der Hängematte. Die Abende aber gehörten dem Don Hotel.

Das Pub lag an der Hauptstraße – laut, verraucht, und genau richtig für einen wie ihn. Man bestellte sein Dinner an der Theke: riesige Steaks mit Chips und Salat oder fangfrischer Barramundi, natürlich auch mit Chips und Salat. Dazu gab’s eiskaltes Bier in großen Gläsern, und manchmal sogar Live-Musik, bei der Kookaburra lauter lachte als alle anderen sangen.

Er kannte jeden im Don, und jeder kannte ihn. Er erzählte Geschichten vom Meer, vom Damm, von Hamburg, von Geistern in der Elbe – und ob sie wahr waren, war egal. Denn wenn Kookaburra sprach, hörte die Kneipe zu.

Epilog

Jahre später war das Baumhaus längst vom Zyklon weggeweht, die Hippy-Kolonie verschwunden, das Don Hotel geschlossen. Aber wenn man abends am alten Kai sitzt, wo die Garnelentrawler anlegen, und der Wind flach übers Wasser streicht, schwört manch einer, Kookaburras Lachen zu hören – irgendwo da draußen, wo Geschichten nie enden.

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