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Die Billabong-Taufe

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 06.05.2025, 02:32 – geändert Dienstag 06.05.2025, 16:03


Eine epische Begegnung mit dem australischen Busch – und einer sehr höflichen Japanerin

Man glaubt ja, man hat im australischen Outback schon alles gesehen: Kängurus af der Kühlerhaube, Schlangen im Spülbecken, Touristen barfuß auf Vulkanstein. Doch nichts – ich wiederhole: nichts – bereitete mich auf den Tag vor, an dem meine japanische Au-pair Chihiro, zart wie eine Teeschale und höflich wie ein Bonsai im Staatsdienst, feierlich und frontal in ein Billabong stürzte.

Wir hatten einen Tag, der heißer war als ein Toaster im Höllenmodus. Die Grillen zirpten wie Stromleitungen auf LSD, und ich beschloss, Chin – so nenne ich sie, wenn wir uns besonders gut verstehen – in den Busch zu entführen. Den echten Busch. Mit Eukalyptus, Kakadus und der latenten Möglichkeit, von einer giftigen Schlange angestarrt zu werden.

Sie verbeugte sich beim Einsteigen ins Auto. Beim Aussteigen auch. Beim ersten Blick auf einen Emu sogar dreimal.

Wir fuhren raus, tief hinein in eine Landschaft, die so aussah, als hätte ein impressionistischer Maler eine Sinnkrise im Rotlichtmilieu gehabt: alles flimmerte, summte, roch nach Abenteuer und leichtem Sonnenstich. Unser Ziel war ein abgelegener Billabong, versteckt zwischen schattigen Eukalyptusbäumen – ein Ort, an dem man entweder zur Ruhe kommt oder von Moskitos zu Tode gestochen wird.

Ich setzte mich auf einen Baumstamm. Chin zog ehrfürchtig ihr Handy heraus, als hielte sie das heilige Artefakt eines Digital-Schamanen.

„Please wait. I will make picture“, hauchte sie und stellte sich an den Rand des Wassers. Friedlich, still – ein Moment voller Zen.

Dann tat Mutter Natur, was sie am besten kann: Sie ließ sie ausrutschen.
Ein Ruck, ein „ahhh!“ – dann nur noch Wasser.


Wie in Zeitlupe stürzte sie, das Handy glitt in die Tiefe, der Sonnenhut schaukelte im aufgewühlten Wasser. Die Enten erschraken sich fast zu Tode. Ich auch. Stille.

Dann tauchte sie auf – wie Aphrodite. Brille schief, Blick nicht mehr so ganz sanft.

„Ich glaube, da war etwas Lebendiges drin“, sagte sie, als hätte sie Blickkontakt mit dem Traumzeit-Geist des Wassers gehabt.

„Ziemlich sicher“, antwortete ich, wobei ich ein Grinsen kaum unterdrücken konnte. „Und was auch immer es war – es hat jetzt dein Handy adoptiert.“

Sie schwieg. Dann verbeugte sie sich – vor dem Billabong. Vor mir. Vor der Situation an sich.

„Danke … für diese Erfahrung.“

Und in diesem Moment wehte der Wind. Der Busch raschelte. Ein Kookaburra lachte irgendwo. Vielleicht über uns.

Ich reichte ihr ein Handtuch. Und ein Bier. Denn in Australien ist das, was man nach einem Schrecken bekommt.

Fazit:
Seit diesem Tag nennen wir es nicht mehr „Schwimmen gehen“, sondern „eine Chin machen“. Denn nichts sagt „Willkommen im Outback“ besser als eine Landung in einem Billabong – mit einem Höflichkeitsgrad, der für immer in den Erinnerungen des Wassers lebt.

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