Die Lorikeet-Gang
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Feierabend-Mitglied
27.04.2025, 06:48 – geändert Montag 28.04.2025, 04:55
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27.04.2025, 06:48 – geändert Montag 28.04.2025, 04:55
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Es war ein fauler Sonntagnachmittag. Ich saß gemütlich im Garten, ein Teller voll duftender Garnelen vor mir, ein Glas kühler Weißwein in der Hand. Die Sonne kitzelte mein Gesicht, und die Welt war in bester Ordnung – bis die Lories auftauchten, diese kleinen, frechen Gaukler der Lüfte.
Zuerst saß einer ganz harmlos auf dem Geländer und schaukelte wie ein Seiltänzer im Wind. Nennen wir ihn Bruce. Bruce war der Chef-Clown.
Lorikeets sind von Natur aus bunte Wirbelwinde: Sie hängen kopfüber von Ästen, vollführen Flugkunststücke und kreischen dabei, als würde jemand Torte ins Zirkuszelt werfen. Ihre Lieblingsbeschäftigung? Alles Süße aufstöbern – und natürlich erkunden was auf meinem Teller liegt.
Lorikeets fressen eigentlich gar keine Garnelen. Ihr Magen ist viel mehr für Nektar, süße Früchte und Pollen gemacht. Aber das hielt sie natürlich nicht davon ab, sich wie die verrücktesten Schnüffler an meinem Tisch zu versammeln. Ihre Neugier ist grenzenlos, und bei einem so verlockend aussehenden Teller Garnelen konnten sie nicht einfach nur vorbeiflattern – oh nein, sie mussten sich auf die Sache stürzen, als hätten sie nie etwas anderes getan.
Hinter Bruce‘ Rücken tuschelten schon seine quietschbunten Kumpels. Einer kletterte über die Rückenlehne meines Stuhls, einer schob sich heimlich am Blumentopf vorbei – naja, heimlich wäre vielleicht übertrieben. Sie plapperten und kicherten dabei so laut, dass selbst der Nachbarshund irritiert guckte.
Bruce ließ ein besonders freches „Tschilp!“ hören, das eindeutig wie „Los jetzt, Jungs!“ klang.
Während ich ihnen noch höflich etwas Salat hinhielt (den sie natürlich würdevoll ignorierten – Lorikeets wollen Zucker, keinen Hasenfutterkram!), startete der frechste von ihnen – nennen wir ihn Craig – eine spektakuläre Kamikaze-Attacke direkt auf meinen Garnelenteller.
Was dann geschah, war pures Chaos: Craig landete in einer Pirouette auf einer Garnele, zwei andere stürzten sich kreischend hinterher, ein weiterer landete plumpsend auf meiner Schulter und zwickte frech an meinem Ohr. Einer rutschte sogar auf dem glatten Tisch aus und kugelte sich überschlagend mitten in den Salat.
Lorikeets sind nicht nur neugierig und gefräßig, sie sind auch echte kleine Draufgänger. Keine Herausforderung ist zu albern, kein gedeckter Tisch ist sicher, kein Mensch zu respektabel, um nicht ein bisschen daran herumzuzuppeln. Und obwohl sie keine Garnelen fressen, versuchten sie trotzdem, sie zu untersuchen, als wären sie das spannendste Abenteuer des Lebens.
Bruce saß währenddessen entspannt auf dem Geländer, kratzte sich mit einer Kralle am Kopf und tat so, als wäre er ein neutraler Beobachter. Typisch Chef – die anderen die Drecksarbeit machen lassen und selbst die Lorbeeren ernten.
Am Ende bekam niemand eine Garnele – außer mir. Aber ich sah Bruce und Craig noch ewig oben im Baum sitzen, kichernd und neue Pläne schmiedend, wie zwei Zirkusdirektoren kurz vor der nächsten großen Show.
Und ich? Ich prostete ihnen mit meinem Glas zu und dachte:
Sonntage im Garten sind wie Zirkusvorstellungen – solange die Garnelen nicht ausgehen.