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Graues Herbstlob

Von Feierabend-Mitglied Samstag 15.11.2025, 21:52



Der Himmel löscht die grellen Farben aus,
als wolle er die Welt zur Ruhe bitten.
Im matten Licht, fern jeder Überfüllung,
beginnt das Denken leise aufzuschritten.

Der Regen schreibt in Pfützen stillen Sinn,
zieht Kreise, die sich ohne Eile weiten.
So zeigt das Grau, was wir im Sommer sahen,
war nur ein Glanz auf tieferen Gezeiten.

Der Nebel nimmt der Ferne jedes Ziel
und gibt dem Nahen plötzlich sanfte Schwere.
Im Schatten tritt hervor, was still gewartet:
die kleine, unbeachtete Innere.

Der Wind, der an den kahlen Zweigen rüttelt,
fragt wortlos nach: Was lässt du jetzt vergehn?
Was darf wie altes Laub von dir sich lösen,
um nackt und wahr im Winter dazustehn?

O grauer Tag, du unscheinbarer Lehrer,
du löscht den Lärm, doch nicht den klaren Blick.
In deinem Dunst wird Wahrheit oft nur einfacher:
Aus Schritt wird Weg, aus Augenblick ein Stück.

So preise ich das kühle, matte Wetter,
das nichts verspricht und doch so vieles zeigt:
Dass jedes Leid im Werden schon verfließt
und jede Wolke wieder Licht erzeugt.

© F.R.K
Mit Genehmigung des Autors

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