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Schneider Böck

Von Feierabend-Mitglied Freitag 29.08.2025, 19:17 – geändert Freitag 29.08.2025, 21:04

Jedermann im Dorfe kannte
Einen, der sich Böck benannte.
Alltagsröcke, Sonntagsröcke,
Lange Hosen, spitze Fräcke,
Westen mit bequemen Taschen,
Warme Mäntel und Gamaschen,
Alle diese Kleidungssachen
Wußte Schneider Böck zu machen.
Oder wäre was zu flicken,
Abzuschneiden, anzustücken,
Oder gar ein Knopf der Hose
Abgerissen oder lose,
Wie und wo und was es sei,
Hinten, vorne, einerlei,
Alles macht der Meister Böck,
Denn das ist sein Lebenszweck.
Drum so hat in der Gemeinde
Jedermann ihn gern zum Freunde.
Aber Max und Moritz dachten,
Wie sie ihn verdrießlich machten.
Nämlich vor des Meisters Hause
Floß ein Wasser mit Gebrause.

Übers Wasser führt ein Steg,
Und darüber geht der Weg.
Max und Moritz, gar nicht träge,
Sägen heimlich mit der Säge,
Ritzeratze! voller Tücke,
In die Brücke eine Lücke.
Als nun diese Tat vorbei,
Hört man plötzlich ein Geschrei:

"He, heraus! Du Ziegen-Böck!
Schneider, Schneider, meck, meck, meck!"
Alles konnte Böck ertragen,
Ohne nur ein Wort zu sagen;
Aber wenn er dies erfuhr,
Ging's ihm wider die Natur.

Er fiel in das tiefe Wasser,
Brauchte manches nass Gesicht,
Doch bald fing er an zu schnappen
Nach den Beinen von zwei Gänsen,
Die mit lautem Flügelschlage
Über ihn hin weggelangen.

Mit dem Gänse-Gepolter
Schwimmt er endlich ans Ufer,
Doch nun bekommt das arme Tier
Magenbeschwerden, die nicht zier’n.

Bis die Frau, ach wie fein,
Kam mit dem heißen Bügeleisen;
Die Legte sie an den kalten Leib,
Und bald war Böck wieder steif,
Und im Dorf hieß es behende:
"Schneider Böck ist wieder munter!"


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