Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

5 4

Aufmunterung zur Freude

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 06.06.2023, 08:46

Eigenes Foto - Bledersee Slowenien

Wer wollte sich mit Grillen plagen,

solang uns Lenz und Jugend blühn;

wer wollt in seinen Blütentagen

die Stirn in düstre Falten ziehn?



Die Freude winkt auf allen Wegen,

die durch dies Pilgerleben gehn;

sie bringt uns selbst den Kranz entgegen,

wann wir am Scheidewege stehn!



Noch rinnt und rauscht die Wiesenquelle,

noch ist die Laube kühl und grün,

noch scheint der liebe Mond so helle,

wie er durch Adams Bäume schien!



Noch macht der Saft der Purpurtraube

des Menschen krankes Herz gesund,

noch schmeckt in der Abendlaube

der Kuß auf einen roten Mund!



Noch tönt der Busch voll Nachtigallen

dem Jüngling hohe Wonne zu,

noch strömt, wenn ihre Lieder schallen,

selbst in zerrißne Seelen Ruh!



O wunderschön ist Gottes Erde

und wert, darauf vergnügt zu sein!

Drum will ich, bis ich Asche werde,

mich dieser schönen Erde freun!

Ludwig Heinrich Christoph Hölty 
Der 1748 geborene Lyriker und Übersetzer wurde nur 28 Jahre alt. Johann Martin Miller, sein Freund und Bundesbruder, beginnt mit eben diesem Ereignis des vorzeitigen Todes seine Lebensbeschreibung Höltys:
"Den 1. September 1776 starb zu Hannover Christoph Ludwig Heinrich Hölty [sic!], in seinem 28. Jahr, an der Auszehrung [i. e. Schwindsucht; P. P.]. Ich will die alte Klage, die man schon so oft mit Recht anstimmte, nicht von neuem anstimmen: daß so viele unsrer besten Köpfe in der Blüte ihres Lebens unserm Vaterland entrissen werden, so gerecht auch hier die Klage wäre."

Das Goethezeitportal: Ludwig Christoph Heinrich Hölty
www.goethezeitportal.de


Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Deutsche Lyrik > Forum > Aufmunterung zur Freude