Aus Erinnerungen
Von
Fiddigeigei
28.07.2024, 10:48
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Fiddigeigei
28.07.2024, 10:48
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Ich war damals 7/8 Jahre alt.
Freres Jacques
Nachdem unser Städtchen von den Nazis 1945 befreit wurde, wurde es zeitgleich mit der Befreiung von von den Befreiern wieder besetzt.
In unserem Falle, wars die Französische Grande Armèe von Charles de Gaulle.
Wir waren nur noch die Boche (Boschs ,ein übles Schimpfwort für Deutsche)
In unserem Hause wohnten wir ganz oben im 3ten Stock. Unten zur Strasse hin war ein Café, welches sofort von der Grande Armèe requiriere wurde und als Offizierscasino diente.
Der Koch dort war Jacques, der uns Kinder immer etwas zusteckte obwohl es ganz am Anfang der Besetzung den Soldaten verboten war mit den Besiegten Boche zu fraternisieren.
Im Keller des Hauses lag ein Fass Wein, wobei ich nicht mehr weiß, ob es Beutegut war oder in einem Panzer aus Frankreich mitgeführt wurde um den Französischen Soldaten als Mutmacher zu dienen.
Jedenfalls hatte das Fass keinen Zapfhahn, sondern der gute Jacques hatte dazu ein Schlauch, den er oben ins Spundloch steckte und mit Hilfe von kräftigem Ansaugen, den Wein in entsprechende Gefäße abfüllte und den Offizieren so zum Essen servierte.
Gerne umringten wir den Jacques bei dieser Tätigkeit und sahen, wie er selber sich ordentlich bediente und in großen Zügen den Wein beim Schläucheln herunter schluckte.
Dann kam er oft ins Schwanken und erklärte uns umstehender Kinderschar:
„Jacques Carrousel „
Oft hat er uns Kinder auch mal am Schlauch ziehen lassen aber legte den Finger an die Lippen
um uns ans absolutes Schweigen zu erinnern.
Wir wurden so beim Weinabzapfen zu Verbündeten der Grande Armèe de Gaulles.
Frère Jacques, Frère Jacques,
dormez-vous, dormez-vous?
Sonnez les matines, sonnez les matines,
Ding, ding, dong. Ding, ding, dong.
Bruder Jakob, Bruder Jakob,
Schläfst du noch? Schläfst du noch?
Hörst du nicht die Glocken? Hörst du nicht die Glocken?
Ding dang dong, ding dang dong.
Ich denke der gute Bruder Jacques hat die Glocken oft nicht mehr gehört.
Jacques wird längst im Himmel sein und jetzt selber die Glocken läuten.
Rainer Maria Rilke.
Jardin du Luxembourg in Paries
Das Karrusell
Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.
Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.
Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und das geht hin und eilt sich, dass es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel.