Charlotte von Ahlefeld
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Feierabend-Mitglied
Montag 22.01.2024, 12:43 – geändert Montag 22.01.2024, 12:51
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Während seiner Bildhauertätigkeit am Weimarer Schloß im Jahre 1803 lernte Friedrich Tieck die Schriftstellerin Charlotte von Ahlefeld, die zu dieser Zeit in Weimar zu Besuch war, kennen. Als unglücklich verheiratete Ehefrau und Mutter von zwei Söhnen wollte Charlotte das leidenschaftliche Liebesverhältnis streng geheim halten. Nach ihrer Rückkehr nach Schleswig führte sie jedoch eine lebhafte, bisher unbekannte Korrespondenz mit Tieck.
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Vor diesem Hintergrund ist es durchaus nachvollziehbar, warum viele Gedichte dieser Schriftstellerin so viel Tragik und Traurigkeit beinhalten.
An meinen Lieblingsbaum
Die Träume, die in stillen Feierstunden,
die dunkler Schatten mir so oft verlieh,
die süsse Ruh, die ich bei Dir gefunden,
mein Lieblingsbaum, o die vergess′ ich nie!
Oft sah ich neben Dir die Sonne untergehen,
entzückt von ihres Anblicks Majestät.
Oft hat des Herbstes lindes, kühles Wehen
mit Deinem bunten Laub mich übersäet.
Vor meinen Blicken schwebten holde Bilder,
im lichten Glanz der Jugendfantasie,
da träumt ich mir des Schicksals Härte milder,
und jeder Misston wurde Harmonie.
Und liebend grub ich einst in Deine Rinde
den Namenszug, der in mir brannte, ein.
Auch darum wirst Du mir, Du stille Linde,
vor allen Bäumen ewig theuer seyn.
Wenn sich in Deinen blüthenvollen Zweigen
des Westens leiser Odem kaum bewegt,
fühlt mein Gemüth sich durch das tiefe Schweigen
der heiligen Natur so ernst erregt.
Dann denk′ ich all′ der Wünsche, die vergebens
in meine Seele kamen, und entflohn,
und seufze: wär′ der kurze Traum des Lebens
vorüber, wie so manche Hoffnung schon.
Und wäre einst nach meiner Tage Mühen,
o Baum, den stets mein Herz mit Liebe nennt,
ein stilles Grab mir unter Dir verliehen,
du wärest dann mein liebstes Monument.