Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

8 5

Der arme Poet aus Jena

Von Feierabend-Mitglied 03.08.2025, 18:57

Die Saalnixe

Es ziehen die Fluthen so still und so klar
Hin über die bläuliche Tiefe,
Als deckten ein Wesen sie wunderbar,
Das träumend da unten schliefe.

Bist du es, liebliche Wassermaid,
Du freundliche Nixe der Saale?
Erwache! Dich ruft ja die Maienzeit
Zum nächtlichen Tanze im Tale!

Es hüpft auf den Wellen der Mondenschein,
Als wollt‘ er zum Feste dich locken;
Es nicken die Gräser, es läuten zum Reih‘n
Maiblümchen mit silbernen Glocken.

Und Alles ist einsam. Ein einziger steht
Am Ufer, die Wellen zu fragen,
Wo weilen du mögest; es ist ein Poet,
Er kennt dich aus alternden Sagen.

Was sinniger Glaube des Volkes gebar,
Ihm duftet es freudig als Blüthe
Verklungener Zeiten, ihm bleibet es wahr,
Er trägt es im stillen Gemüthe.

Wie horchet so gerne der Sage das Herz
Vom lieblichen Mädchen der Fluthen,
Das Liebe gefühlt und geduldet den Schmerz
Im Wasser nicht löschender Gluthen!

Oft sah ich gebreitet dein buntes Gewand,
Wo leiser die Wellen dort fließen;
Doch freilich die Leute von klarem Verstand,
Die sahen nur blumige Wiesen.

Ich sah deine Schleier im dämmernden Licht
Des nahenden Morgenroths wehen,
Ob Andre auch immer mit scharfem Gesicht
Nur wallende Nebel gesehen.

Sie sagen, du wärest ein Traumbild, so leer,
Aus Zeiten barbarisch und finster,
Und ach ! Es glaubt Niemand dich Liebliche mehr,
Als ich und der Saalfischer Münster!

Der Jenaer Dichter Johann Heinrich Wilhelm Treunert kennt man nicht unbedingt – er ist heute eher ein Geheimtipp.

️ Wer war Wilhelm Treunert?
- Geboren: 27. Januar 1797 in Jena
- Gestorben: 1. Juli 1860, ebenfalls in Jena
- Beruf: Lyriker, Buchdrucker, später Ratswachtmeister (eine Art städtischer Ordnungshüter)

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Deutsche Lyrik > Forum > Der arme Poet aus Jena