Die verflixte 13.
Von
Fiddigeigei
Mittwoch 16.08.2023, 09:55
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Fiddigeigei
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13. August 1961
Ein junges Pärchen wollten genau an diesem Tag ihren Ersten Hochzeitstag feiern. Nun sassen sie fluchtbereit auf einem Koffer mit dem Nötigsten und einer Tasche mit Windeln und allem was man für ein 6 wöchiges Baby benötigt.
Sie wollten nicht noch einmal erleben, was sie 1945 hinter sich gelassen hatten und der Plan war schnellstens ab über die Französische Grenze Richtung Mittelmeer zu fliehen, möglichst weit weg von der Russischen Dampfwalze , mit der man rechnen musste.
Statt zu feiern sassen die Beiden traurig vor dem kleinen billigen Kofferradio und lauschten, was dort in Berlin geschah.
„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“
Ein Gedicht von Eduard Mörike “Lang, lang ist’s her” beginnt mit den Worten “An Auguste Stark, geb. Mährlen, zu ihrer Hochzeit”.
"Lang, lang ist's her!"
Es gibt ein altes Liebeslied, vom Norden kommt's,
Wie ferne Glockenlaute, oder wie am Strand
Eintoenig sanfter Wellenschlag sich wiederholt,
Dem man so gern, vergangner Zeiten denkend lauscht;
Denn endlos, suesser Wehmut unersaettigt, kehrt
Das immer gleiche Wort zurueck: Lang, lang ist's her.
— Du kennst es wohl, und nie vielleicht so lieblich mehr
Als jenen Tag aus deinem Munde hoeren wir's.
Wie kommt es doch, daß mitten hier im lauten Schwarm
Entzueckter Gaeste, die dein Fest versammelt hat,
Mir insgeheim die schlichte Weise immerdar
Im Ohre fluesternd liegen muss: Lang, lang ist's her—?
— Nachdenklich auch und wie der Gegenwart entrueckt
Auf Augenblicke seh ich deinen Vater dort,
Den Freund, mit dem ich jung gewesen und bei dem
Das Herz mir immer jung aufgeht, so alt es sei.
Was wir erstrebt, genossen beide und verschmerzt,
In tausend Bildern draengt sich's vor die Seele mir:
Des Scherzes Fuelle, dicht am Ernst, und Lieb und Hass,
Bei vielem Irrtum vieles doch, das nicht getaeuscht.
— Ihm selber aber, wie muss ihm zu Sinne sein,
Die Tochter heut an eines edeln Mannes Hand
Zu sehn, dein liebes Haupt, o Kind, bekraenzt von Ihr,
Die laechelnd uns in deiner braeutlichen Gestalt
Der eignen Jugend Bluete wieder schauen laesst!
Nun wendet sich dein Lebensweg; du gehst von uns,
Fernhin, wo dir ein trauter Herd bereitet ist,
Und manches Auge sieht dir schwer von Traenen nach.
— Noch steht die Sonne dieses Tags am Himmel und
Noch heisst es Heute; wenn dies Heute Gestern heisst,
Wie anders liegt die Welt bereits vor deinem Blick!
— Und Jahr um Jahr vergeht gemach mit Eile so.
Ihr Inhalt ist zur Haelfte kaum des Menschen Wahl,
Die andre ruht in ewiger Maechte Liebesrat.
Wenn du an des Geliebten Seite kuenftighin
Des heutigen Fests Gedaechtnis ohne uns begehst,
Wenn ihr in diesen gaestereichen, heitern Saal
Euch einmal wieder ganz versetzt im Geist, und all
Die freundlichen Gesichter hier sich neu vor euch
Beleben zwischen Blumenschmuck und Glaeserklang:
Dann lass zur stillen Abendstunde kerzenhell
Dein Zimmer sein und hell erleuchtet dein Klavier.
Sing ihm das alte Liedchen, das sich nie verlernt:
Lang, lang ist's her. Was dir sein Kuss, sein Haendedruck
Drauf sagen wird mit Schweigen — braucht's der Worte noch?
Dass unveraltet Liebe doch und Treue bleibt,
Was auch der Zeiten Wandel sonst hinnehmen mag.
Eduard Moerike 1866