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Es wallt das Korn

Von Luiserl Freitag 23.08.2024, 10:15 – geändert Freitag 23.08.2024, 10:23

Bild:https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Van_Gogh_-_Weizenfeld_mit_Korngarben.jpeg

Es wallt das Korn weit in der Runde
Und wie ein Meer dehnt es sich aus;
Doch liegt auf seinem stillen Grunde
Nicht Seegewürm noch andrer Graus;
Da träumen Blumen nur von Kränzen
Und trinken der Gestirne Schein,
O goldnes Meer, dein friedlich Glänzen
Saugt meine Seele gierig ein!

In meiner Heimat grünen Talen,
Da herrscht ein alter schöner Brauch:
Wenn hell die Sommersterne strahlen,
Der Glühwurm schimmert durch den Strauch,
Dann geht ein Flüstern und ein Winken,
Das sich dem Ährenfelde naht,
Da geht ein nächtlich Silberblinken
Von Sicheln durch die goldne Saat.

Das sind die Burschen jung und wacker,
Die sammeln sich im Feld zuhauf
Und suchen den gereiften Acker
Der Witwe oder Waise auf,
Die keines Vaters, keiner Brüder
Und keines Knechtes Hilfe weiß —
Ihr schneiden sie den Segen nieder,
Die reinste Lust ziert ihren Fleiß.

Schon sind die Garben festgebunden
Und rasch in einen Ring gebracht;
Wie lieblich fl.ohn die kurzen Stunden,
Es war ein Spiel in kühler Nacht!
Nun wird geschwärmt und hell gesungen
Im Garbenkreis, bis Morgenluft
Die nimmermüden braunen Jungen
Zur eignen schweren Arbeit ruft.

Gottfried Keller


das war eins der ersten Gedichte die ich auswendig lernte.... in der Grundschule,
habs bis heute nicht vergessen und vor allem auf die richtigen Betonungen beim Vortragen wurde geachtet (ach wie lang ist es her und immer noch die Erinnerungen, wie die ältliche Lehrerin uns den Wert der Betonungen beibrachte)

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