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Gute Nacht - Auguste Kurs - ( 1815 - 1892 )

Von Feierabend-Mitglied Freitag 15.12.2023, 16:58 – geändert Freitag 15.12.2023, 19:59

Bild: Caspar David

Ich lehn´ am Fenster, trüb´ und still,

hab´ Vieles überdacht,

die Dämm´rung schwand mir unbemerkt,

es naht sich schon die Nacht.


Die Häusermassen liegen da, 

von Nebel grau umwebt, 

als wären sie verlassen all´ 

und gänzlich unbelebt. 



Doch sieh! da blitzet fern ein Licht 

und wieder eins empor,

bald glänzt aus allen Fenstern
fast 
der helle Schein hervor.


Da weilen rings die Menschen nun

in Freude oder Schmerz, 

da regt sich manche fleiß´ge Hand, 

manch ungestümes Herz. 



Was doch an Hoffnung Lust und Leid 

ein einz´ges Haus enthält, 

denn jedes Menschen Herz umschließt 

die ganze, eigne Welt.


Und in so kleinem Raume spinnt

manch reiches Los sich ab; 

dann gehen wir aus engem Raum 

zum engsten, in das Grab. 



So kurz ein Tag! und wieviel birgt

ein Tag an Lust und Leid, 

und aus wie wenig Tagen webt 

sich eine Lebenszeit!


Und wieder ist nach kurzer Frist

ein Lebenstag verbracht,

habt gute Nacht, ihr Müden all´, 

von Herzen gute Nacht!

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