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Harry geht zum Frühling

Von Fiddigeigei Donnerstag 27.02.2025, 10:45 – geändert Donnerstag 27.02.2025, 10:50

Auf den grünen Matten sah er goldene Miniaturlöwen die Zähne fletschen. Der Löwenzahn in weiter Verbreitung leuchtete trotz seines gefährlichen Namens aus dem frischen Frühlingsgras heraus, als sei er die Sonne selber.
Eine große Schar geschwätziger Staren saßen in den Obstbäumen und erzählten sich von ihrer langen Reise aus dem Süden und wie froh sie sind endlich wieder gut gelandet zu sein, dort wo man ab jetzt gut leben kann.
Imker hatten bereits ihre Bienenhäuser in Stellung gebracht, damit ihre fleißigen Bewohner rechtzeitig zur süßen Ernte und Bestäubung der beginnenden Blütenzeit zur Verfügung sind. Süßes gegen Arbeit.

Harry merkte wie sich das Tal langsam mit Dunkelheit füllte. Er sah an den Berghängen dass die tiefstehende
Abendsonne die Fenster in den Häusern die am Bergrand gebaut waren sich wie von selbst entzündeten und kurz darauf blind erloschen.
Jetzt umgaben Harry die Schatten der Nacht und er wandte sich zurück nach Hause.
Aus der Dunkelheit heraus sah er die Berge nochmals aufglühen und er verspürte einen mächtigen Frieden in sich.

Carlos alias Harry


Abendsonne
Betrachtet, wie in Abendsonne-Glut
Die grünumgebenen Hütten schimmern!
Sie rückt und weicht, der Tag ist überlebt,
Dort eilt sie hin und fördert neues Leben.
O ! daß kein Flügel mich vom Boden hebt,
Ihr nach und immer nach zu streben!
Ich säh’ im ew’gen Abendstrahl
Die stille Welt zu meinen Füßen,
Entzündet alle Höhn, beruhigt jedes Tal,
Den Silberbach in goldene Ströme fließen.
Nicht hemmte dann den göttergleichen Lauf
Der wilde Berg mit allen seinen Schluchten;
Schon tut das Meer sich mit erwärmten Buchten
Vor den erstaunten Augen auf.
Doch scheint die Göttin endlich wegzusinken;
Allein der neue Trieb erwacht,
Ich eile fort, ihr ew’ges Licht zu trinken,
Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht,
Den Himmel über mir und unter mir die Wellen.
Ein schöner Traum, indessen sie entweicht!
Ach, zu des Geistes Flügeln wird so leicht
Kein körperlicher Flügel sich gesellen.
Doch ist es jedem eingeboren,
Daß sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt,
Wenn über uns, im blauen Raum verloren,
Ihr schmetternd Lied die Lerche singt,
Wenn über schroffen Fichtenhöhen
Der Adler ausgebreitet schwebt
Und über Flächen, über Seen
Der Kranich nach der Heimat strebt.
Johann Wolfgang von Goethe, 1790

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