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Meine Gedanken in der Nacht,auf Papier gebracht

Von ehemaliges Mitglied Montag 26.02.2024, 05:48

DER DICHTER

Nachts kann ich oft nicht schlafen,
Das Leben tut weh,
Da spiel ich dichtend mit den Worten,
Den schlimmen und den braven,
Den fetten und den verdorrten,
Schwimme hinaus in ihre still spiegelnde See.
Ferne Inseln mit Palmen erheben sich blau,
Am Strande weht duftender Wind,
Am Strande spielt mit farbigen Muscheln ein Kind,
Badet im grünen Kristall eine schneeweiße Frau.
Wie übers Meer die wehenden Farbenschauer
Über meine Seele die Vers träume wehn,
Triefen von Wollust, starren in Todestrauer,
Tanzen,rennen, bleiben verloren stehen,
Kleiden sich in der Worte viel zu bescheidenes Kleid,
Wechseln unendlich Klang,Gestalt und Gesicht,
Scheinen uralt und sind doch so voll Vergänglichkeit.
Die meisten verstehen das nicht,
Halten die Träume für Wahnsinn und mich für verloren,
Sehn mich an, Kaufleute, Redakteure und Professoren --
Andre aber, Kinder und manche Frauen,
Wissen alles und lieben mich wie ich sie,
Weil auch sie das Chaos der Bilderwelt schauen,
Weil auch ihnen die Göttin den Schleier lieh.

11.2.1926

Hermann Hesse

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