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Nachtgeräusche

Von Fiddigeigei 01.10.2023, 12:23 – geändert 01.10.2023, 12:29

Wenn andere Menschen sich vor der Nacht gruseln, bind ich mir die Schuhe und gehe hinaus in die geheimnisvolle Dunkelheit. Ich möchte die Geheimnisse Hautnahe erleben.

Die Nacht

Immer dachte ich, ich sei der einzige Spinner, der sich nachts herumtreibt und ich sags ehrlich heraus, ich liebe die Nacht.
Sie steckt voller Geheimnisse die wir nicht sehen können. Schalten wir ein Licht ein sind die Geheimnisse sofort verschwunden.
Die Nacht zwingt einem dazu über sich selbst nachzudenken und unabgelenkt von der Helligkeit, sein Inneres ehrlich zu begutachten
Am wunderbarsten erlebe ich es, wenn mich die Nacht plötzlich überfällt, vom Tag zur Nacht wechselt und selbst mein Schatten sich in einem dunklen Nichts auflöst.
Nun lese ich, dass einer unser größter Dichter, J.W. v. Goethe, genau so eine „Nachteule“ gewesen wäre.
Er arbeitete bei gedämpften Kerzenscheine ………..und er ging gerne in der Dunkelheit schwimmen.
Das mache ich aber nicht nach, sonst könnte man von des Vater Rheins Strömung mitgenommen werden und plötzlich morgens, im ersten Licht des Tages in Rotterdam an der Hafenmole steht.

Nachtgeräusche

Melde mir die Nachtgeräusche, Muse,
Die ans Ohr des Schlummerlosen fluten!
Erst das traute Wachtgebell der Hunde,
Dann der abgezählte Schlag der Stunde,
Dann ein Fischer-Zwiegespräch am Ufer,
Dann? Nichts weiter als der ungewisse
Geisterlaut der ungebrochnen Stille,
Wie das Atmen eines jungen Busens,
Wie das Murmeln eines tiefen Brunnens,
Wie das Schlagen eines dumpfen Ruders,
Dann der ungehörte Tritt des Schlummers.

Conrad Ferdinand Meyer (* 11. Oktober 1825 in Zürich; † 28. November 1898 in Kilchberg bei Zürich) war ein Schweizer Dichter des Realismus, der (insbesondere historische) Novellen, Romane und Lyrik geschaffen hat .

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