Prosa und Lyrik
Von
Fiddigeigei
Samstag 29.03.2025, 10:33 – geändert Samstag 29.03.2025, 12:29
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Frühlingspoesie
Bild von Elke Egalis gestiftet
Ganz sachte und unbemerkt war der Frühling in das einsame Tal geschlichen. Bäume und Sträucher begannen die Knospen zu öffnen um zu sehen, wer es wagte sie jetzt schon aufzuwecken. Zu gerne hätten sie noch weiter geträumt, aber vorwitzige Sonnenstrahlen rieben ihnen den Winterschlaf aus den grünen Augen.
Das Gras welches lange unter seiner weißen kalten Zudecke schlummerte strampelte sich frei und die jungen Grashüpfer hielten es im Dunkeln der Erde nicht mehr aus. Sie quollen aus ihren Höhlen hinauf und bildeten einen grünen Teppich für die Blumenkinder, die so gerne zwischen dem saftigen Grasgrün ihren Schabernack trieben.
Blumenkinder schlafen aber wie Menschenkinder gerne lange und so hatte Frau Sonne mächtig zu tun sie an die Oberfläche zu locken. Deshalb bimmelten die Buschwindröschen so laut, das auch die gelbleuchtende Schlüsselblume aufgeweckt wurden und aus ihrem Bett schlüpfte.
Verwundert sahen sie , dass ihr Spielteppich bereits gewebt war und freuten sich auf die schönen Tagen.
Die Schlüsselblume wuchs und wuchs an einem langen Stängel empor um sich umzusehen, ob es denn schon Nachbarn gebe. Ihre Blütenaugen hatten Rundumsicht, aber sie stand ganz alleine da und wenn es möglich gewesen wäre, wäre sie am liebsten wieder in den Schoss von Mutter Erde zurückgeschlüpft. Aber das wissen wir alle, geboren ist geboren endgültig und unumkehrbar. Die Schlüsselblume war sehr traurig so ganz alleine und noch so jung auf diese Welt gekommen zu sein.
Und in ihrem Schlüsselblumenherz träumte sie von einem Freund, mit dem sie auf diesem wunderbaren grün gewebten Teppich tanzen könnte. Die gelben Glöckchen hingen traurig am Stängel und wollten einfach nicht zu klingen beginnen. Vergeblich versuchte Frau Sonne sie auf zu heitern, aber sie behielt ihre Kelche geschlossen und die Tautropfen flossen aus ihnen, jeden Morgen, wie Tränen aus den Augen eines Mädchens welches ihren Geliebten verlor.
So vergingen Tage der Trauer und Einsamkeit und die Schlüsselblume ließ sich selbst nicht vom milden Mondlicht und dem Glanz der Sternen trösten, die nachts auf die Wiese herab blinkten .
Am Waldrand, der den grünen Grasteppich einrahmte, begann es unter einem Holderstrauch im trockenen Herbstlaub zu rascheln und ein Igel, der gerade aus dem Winterschlaf erwacht war, rieb sich erstaunt die Äuglein, als sich direkt vor ihm etwas aus dem Laub heraus schob. Erst kamen einige samtige grüne Blättchen und dann genau dazwischen ein dunkelblaues Veilchen, welches mit einem Uhaa Gähnen sich öffnete um den Winterschlaf abschüttelte.
Es begann gleich so arg zu duften, dass der Igel sein Schnäuzchen in die Luft reckte und auf seinen kurzen Beinen schnurrstracks davon lief.
Nun stand es da in seinen Duft gehüllt, ganz alleine unter dem hohen Holderstrauch und niemand wollte an ihm riechen. Und das Veilchen fühlte sich genau so einsam wie die Schlüsselblume mitten in der Wiese.
Das alles sah in der nächsten Nacht der Stern aller Liebenden, Frau Venus und sie überlegte, wie sie die beiden einsamen Herzen zusammenfügen könnte.
Als der helle Tag die dunkle Nacht ablöste traf die Venus auf Gott Amor, der für die Liebe am Tag zuständig war und bat ihn doch einen Liebespfeil auf die Schlüsselblume und das Veilchen abzuschießen. Aber die Herzen der beiden Blumen war ein viel zu kleines Ziel und so sandte Gott Amor eine Nachricht an Aurora die Göttin der Morgenröte mit der Bitte doch einen ihrer zartgeflügelten Boten, einen Schmetterling auf die Erde zusenden, damit dieser den beiden einsamen Herzen eine Liebesbrücke bauen sollte, von Herz zu Herz so zu sagen.
Der Aurorafalter setzte sich zu erst auf das dunkelblaue Veilchen und nahm von ihm den duftenden Nektar auf und flatterte dann zur Schlüsselblume. Und von der Schlüsselblume brachte er wohlriechende Pollen zum Veilchen und nun wussten sie, sie sind nicht alleine auf dieser Welt.
Der geflügelte Bote flatterte nun unaufhörlich als Postillon d 'amour hin und her und überbrachte viele Liebesgrüße, wie es Liebende sonst mit Briefen, die in rosa Kuverts stecken tun, wenn sie getrennt von einander sein müssen.
Eines Tages, der Frühling war schon dabei die Jahreszeit mit dem Sommer zu tauschen, da betraten eines sonnigen Nachmittags zwei junge Menschen den Grasteppich. Der junge Mann sah sich um und sah auf der Wiese die Schlüsselblume und am Waldrand das Veilchen. Er pflückte beide und steckte sie zusammen an das Mieder des Mädchens.
Die zwei Blumenkinder sahen sich jetzt zum ersten mal und die Schlüsselblume klingelte ganz aufgeregt und umschloss das Veilchen, welches vor Liebe und Aufregung so stark zu duften begann, dass die Menschenkinder davon ganz betört sich in die Arme sanken und niemand hätte sie je wieder voneinander trennen können.
Gott Amor hatte jetzt ein leichtes Zielen und durchbohrte ihrer beiden lodernden, heißpochenden Herzen mit seinem Liebespfeil.
Eine Amsel hoch oben auf einem Baum hat alles gesehen und sang ihre schönsten Liebeslieder.
Der goldene Morgen
Golden lacht und glüht der Morgen
Über maiengrünen Höh’n,
Und du, Seele, sinnst voll Sorgen,
Und die Welt ist doch so schön!
Vöglein singen, Glocken schlagen,
Blütenlicht durchflammt das Land:
Wirf dein Zagen und dein Klagen
Herz, in diesen Feuerbrand!
Ludwig Auerbach