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Warten auf die Sonne

Von Feierabend-Mitglied Montag 11.11.2024, 12:13

Da sitzt man nun und wartet auf die Sonne.
Der Himmel baumelt wie ein nasser Sack hernieder.
Aus Wolkenfetzen blickt ein Schimmer hin und wieder
in meine Kammer wie in eine Regentonne.
Man wartet schon am Abend auf den nächsten Morgen.

Der kommt mit Wasserstiefeln und mit einer Nebelmütze,
klopft an das Fenster und schiebt durch die Ritze 
schon wieder ein Paket mit neuen Sorgen.
Man wartet still von einem Jahr zum andern,

es schmerzt die Brust, die Seele wird zermürbt.

Die Jahre und die Ideale wandern,
bis daß der letzte Hoffnungsschimmer stirbt.
Da hockt man nun in seiner Regentonne
 und findet niemals die ersehnte Ruh.
Man sitzt und wartet, wartet auf die Sonne –
und wenn sie da ist,
zieht man die Gardinen zu.

Fred Endrikat 1890-1942

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