Wegwarte
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Feierabend-Mitglied
Mittwoch 17.07.2024, 17:32
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Wegwarte
Mit nackten Füßchen am Wegesrand,
die Augen still ins Weite gewandt
saht ihr bei Ginster und Heide
das Mädchen im blauen Kleide?
— „Das Glück kommt nicht in mein armes Haus,
drum stell' ich mich hier an den Weg heraus;
und kommt es zu Pferde, zu Fuße,
ich tret' ihm entgegen mit Gruße."
Es ziehen der Wanderer mancherlei
zu Pferd, zu Fuß, zu Wagen vorbei.
— „Habt ihr das Glück nicht gesehen?"
Die lassen sie lachend stehen.
Der Weg wird stille, der Weg wird leer.
— „So kommt denn heute das Glück nicht mehr?"
Die Sonne geht rötlich nieder,
ihr starren im Wind die Glieder.
Der Regen klatscht ihr ins Angesicht,
sie steht noch immer, sie merkt es nicht:
— „Vielleicht ist es schon gekommen,
hat die andere Straße genommen."
Die Füßchen wurzeln am Boden ein,
zu Blumen wurde der Augen Schein.
Sie fühlt's und fühlt's wie im Traume,
sie wartet am Wegessaume.
Isolde Kurz
Schriftstellerin, Dichterin und Übersetzerin
* 21. Dezember 1853 in Stuttgart
† 05. April 1944 in Tübingen
Jetzt können die Pflanzen mit ihrem freundlichen Himmelblau wieder am Straßenrand und an Feldrainen bewundert werden.
Aus den Wurzeln der Wegwarte oder Zichorie stellte man früher auch Kaffee-Ersatz her.
Bild: Pixabay