Windsbraut
Von
Fiddigeigei
Mittwoch 04.12.2024, 10:19
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Fiddigeigei
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Der Windbräutigam
Es war an einem Morgen im November, an dem man gerne in einem warmen Bette einem gemütlichen Frühstück entgegen träumt. Der November war dieses Jahr ungewöhnlich stürmisch über uns hergefallen. Ein strammer Ostwind, der nichts Gutes für den Tag versprach überfiel unser sonst so klimatisch gesegnetes Tal mit einer Härte, die an eine hunnische Invasion erinnerte, oder war es gar der einäugige Wotan mit seiner wilden Jagd der sein Unwesen trieb?
Jedenfalls überlegte ich es mir mindestens 5-mal, bis ich mich in die dem Tag entgegen- sehnende Dunkelheit wagte?
Meine Wollmütze hatte ich fest über die Ohren gezogen in der Erwartung des an brandenden Sturmes. Die Straßenlaternen schienen fahl auf den schwarz nassen Asphalt. In ihrem gelben Schein spiegelten sich fetzige Schneeflocken, die aber schmolzen bevor sie auf die trauer schwarze Straße sanken.
Missmutig lief ich die ersten Meter meiner Laufstrecke. Am Teich schnarrten die Stockenten im Schlaf. Jeden Abend nehmen sie dort einen sicheren Schlafplatz ein um gegen das Füchslein sicher zu sein, welches sich dort nach Appetit auf leckere Enten herumtrieb .
Ich konnte sie im Dunkeln nicht wahrnehmen.
An den kleinen Häusern vorbei, auf schmaler Straße erreichte ich den friedlichsten Teil des Dorfes, - den Friedhof-. Dort waren die roten Lichter vom Volkstrauertag längst erloschen und meine alten Freunde hatten wieder ihre ewige Ruhe gefunden.
Schnell war ich im freien Gelände. Meine Laune war gestiegen und ich spürte wie meine Beine auf Tempo machten. Ich war nun hellwach und genoss den gegen mich gestellten Wind, der meinen Kampfgeist aufweckte.
Hei, wie wirbelten mir die bunten Blätter der Kirschbäume um den Kopf. Ich riss meine Mütze vom Kopf, wollte den Druck des Windes und den Blätterregen spüren.
Wie einem König streuten sie mir einen weichen Teppich vor die Füße, den ich nur noch beschreiten musste.
Und ich lief hinein in diesen wunderbaren Herbst des Lebens- in einen neuen herrlichen Tag.
Herbst
Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.
Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!
Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.
Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.
Und es leuchten Wald und Heide,
Dass man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg' ein ferner Frühlingstag.
Theodor Storm (1817 - 188