Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

2 3

Licht, Sonne, Mond

Von Soff Dienstag 12.05.2026, 10:53

Der Mond rollt um die Erd`,und um die Sonne sie,
Und die um höhere Sonn`, und um noch höhere die!
Und immer weiter so, und immer weiter nur;
In der Unendlichkeit verliert der Geist die Spur.

Unendlich sei die Kraft, unendlich sei das Leben,
Doch nicht unendlich sei der Raum deswegen eben.
Was wär` Unendlichkeit die äußerliche so?
Der innerlichen nur des Geistes bin ich froh.

Jenseits der Körperwelt muß eine Lichtwelt stehn,
Aus der sie niedersank, in die sie auf will gehn.
Die Sonnen leuchten nicht von ihrem eignen Lichte,
Sie leuchten von dem Licht auf Gottes Angesichte.

Licht ist das geistige Kleid, das diese Welt umfließt,
Das sich an jedes Glied des großen Leibes schließt.
Dies geistige Netz, gewebt aus Gottes Liebesblicken
Will immer brünstiger die Körperwelt umstricken,

Und jedes Glied schließt an ein höheres sich an,
Durch dessen Zug es will gezogen sein hinan,
Zu Sonnen werden, die sich stark im Licht verklären,
Von deren Ausfluß dann die schwächeren sich nähren.

Doch wie sie nach dem Saum des Lichtes ewig greifen,
Zu Sonnen werden auch die letzten endlich reifen.
Und was auf ihnen ist, reift durch der Sonnen Kraft,
Die Welt wird durch und durch mehr und mehr sonnenhaft.

O Geist, mit diesem Tau mußt du dich auch befeuchten,
Wenn du in diesem Bau mit willst als Sonne leuchten.

Friedrich Rückert, 1788-1866

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Deutsche Lyrik > Forum > Licht, Sonne, Mond