Zauberhafte Tessa Letzter Teil
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Feierabend-Mitglied
Mittwoch 06.04.2022, 18:29
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Teil 4 (Fortsetzung)
Tessa informierte umgehend das Hotelmanagement über den Drogenfund. Der Hotelmanager, ein etwas schwerfälliger, indignierter Mann im Maßanzug, erschien und entschuldigte sich wortreich mit Blick auf McDuddel für die Unannehmlichkeiten. Wahrscheinlich habe einer der Stammgäste zum Eigengebrauch etwas von dem Stoff auf Vorrat deponiert. Man habe die Polizei über den Fund unterrichtet. Tessa setzte ein etwas diabolisches Lächeln auf und fütterte McDuddel mit Schinkenstückchen, was der hingebungsvoll entgegennahm. Meikel saß mit einem Whisky im Sessel am Kamin und beobachtete gleichmütig die Szene. Eine halbe Stunde später traf ein Trupp aus 3 Leute von der Drogenfahndung ein. „Wenn da noch mehr wäre, hätte es der Hund aufgespürt, er ist Profi“, bemerkte der Wikinger süffisant. Die Beamten nahmen die Personalien auf, der Manager entschuldigte sich noch einmal, und Tessa lag mit wie eine schöne Cyberborg-Prinzessin auf dem Sofa wie immer in Jogginghose, eigentlich mehr wie eine Rapperbraut als eine seriöse hübsche Best-Agerin. Nach einer Stunde löste sich die skurrile Versammlung auf. Tessa, Mikel und McDuddel bleiben zurück.
„Was machen wir mit dem angebrochenen Tag?“, fragte Tessa und hoffte, dass sich die Beiden nicht verabschieden würden. Sie hatte keine Lust, wieder alleine den Abend zu verbringen und sie ahnte, wo die beiden auftauchen, wurde es zumindest nicht langweilig.
„Essen, Trinken … und es uns gut gehen lassen … ich lass uns einen Tisch in diesem berühmten 2 Sterne-Restaurant reservieren, wenn sie uns schon ihren Koks zogen haben …!“ Tessa lachte und nickte zustimmend. „Gute Idee!“
Mikel und McDuddel zogen sich zum Gassigehen zurück. Tessa überlegte, was und wie sie sich für den Abend vorbereiten musste. Der Wikinger, musste sie zugeben, imponierte ihr mit seiner Souveränität und Gleichmut. Für einen Mittfünfziger sah er auch noch verdammt gut aus, und sofort verbat sich Tessa den Gedanken. Sie war ja nur derzeit eine lädierte ältere Frau in einem teueren Hotelzimmer, die Abstand nehmen wollte von ihrem alten Leben und weiter nichts mit sich anzufangen wusste. Auf was wartete sie eigentlich …?
Pünktlich gegen 19.00 Uhr tauchten Meikel und McDuddel wieder auf und Tessa war noch nicht ganz fertig mit der Abendgarderobe. Sie hatte sich für ein rotes Kleid entschieden. Sie fand es angemessen als „Drogenbraut“, nur bekam sie den dämlichen Reißverschluß am Rücken nicht geschlossen, der Klassiker. Sie musste den Wikinger bitten, Hand anzulegen. Das tat er auch. Sie fühlte seine warme Hand an der Hüfte und wie er mit der anderen den Verschluss nach oben führte. Es fühlte sich gut an. Er duftete nach Leder, warmen Sandelholz und einem Hauch Myrrhe. Sehr männlich. Er stand nahe hinter ihr und strich wie zufällig mit der Hand über ihre nackte Schulter. Sie dreht sich um und sah ihm in diese meeresblauen Augen. „Welche Schuhe?“, hauchte sie.
„Schuhe?“
„Oder barfuss?“
„Barfuss? …“ wiederholte er und wirkte verwirrt?
„Highheels werden es angesichts meines Handicaps heute eher nicht. Also, was meinen Sie … oder sollte ich McDuddel um Rat fragen?“
„Äh … ja, Schuhe … meinetwegen können sie Pantoffel über sehen. Sie sehen auch darin bezaubernd aus“. Er lächelte. War das jetzt ein Kompliment oder wieder Ironie?
Sie kramte Ballerinas aus einem der Koffer, nicht erste Wahl für ein Date, aber angesichts der Umstände vertretbar. Meikel schien diesen Stilbruch nicht zu stören, er schaute gentlemanlike heimlich offensichtlich auf die Figur seiner Dame, und die machte ohnehin für ihn stets eine bella figura. Er bot ihr seinen Arme an und die Beiden machten sich gemessenen Schrittes auf den Weg ins Restaurant, Tessa humpelnd und McDuddel hinterher.
Meikel hatte seinen psychologischen Einfluss spielen lassen. Der Hotelmanager hatte dafür gesorgt, dass das Paar den besten Platz mit Blick auf die Ostsee für den Abend reserviert bekam. „Für die Unannehmlichkeiten heute vormittag“, wie er anmerkte und den Preis der Diskretion.
Die beiden unterhielten sich prächtig, aßen gut und kamen sich langsam näher. Anschließend bewegten sie sich zur Bar. Nach dem Wein zum Essen, stieg man auf Whiskey um. Tessa hatte beschlossen, es darauf ankommen zu lassen und der Wikinger schien nichts dagegen zu haben. Was sollte heute noch passieren? Während des Abends und der angeregten Unterhaltung und Jazz-Musik in der Bar dämmerte Tessa das da doch noch einiges passieren könnte. McDuddel wartet geduldig am Empfang und hatte im Handumdrehn die Empfangsdame um den Finger gewickelt, die sozusagen sofort schockverliebt war und ihn alle paar Minuten irgendwas Leckeres unter dem Empfangstisch reichte. Er fraß ihr gleichsam aus der Hand.
Inzwischen war für Tessa die Bar der interessanteste Ort der Welt derzeit. Ihr wurde warm und sie wollte nach reichlich Stoff sich einer aufsteigenden Lust nach mehr hingeben. Sie konnte sich jetzt so Manches vorstellen und lächelte Meikel an, und erzählte hemmungslos von Reisen, Ländern, Menschen, die sie besucht hatte. Er von Familienanekdoten seiner irischen Vorfahren. Sie konnten gut einander zuhören und auf Augenhöhe.
Sie ergriff die Initiative. „Wir spazieren jetzt Richtung Drogennest“, beschied sie bestimmt. „Wer weiß, was wir oder Duddel noch finden“. „Aye …“ sagte Mikel belustigt. Er beglich die Rechnung, jedenfalls bestand er drauf. Sie hatte keine Hemmungen, sich an seinen Arm zu heften, schließlich war sie hilfebedürftig und Iren geborene Samariter, stimmte doch – oder? „Nun ja“, bemerkte er, „wenn sie so nett gebeten werden und die Bedürftigen einem vor die Füße fallen …“.
Im Zimmer angekommen, ließ Tessa ihren Wikinger einfach nicht los, und er sie nicht. „Männer sind doch für Reißverschlüsse zuständig“.
„Gelegentlich …“
„Immer!“
Und gesagtes Ding glitt in einem Zug nach unten, und dann das ganze Kleid“. Und sie spürte, wie ein Finger über ihren Rücken glitt, sanft und warm und erregend. Sie stand in einem bloßen Hauch von Unterwäsche vor ihm und sie griff nach seinem Halstuch, um ihn an sich zu ziehen.
„Ich denke, ich bin etwas trunken und nicht nur vom Whiskey“, flüsterte er leise. „Ich auch, aber es ist mir egal“. Und sie begann sein Hemd aufzuknüpfen. McDuddel hatte sich unter den Schreibtisch verzogen. Guter Hund!
Tessa ließ sich in Bett fallen und Meikel hüpfte auf dem Bettvorleger um sich seiner Hose zu entledigen. Und des ganzen Rests seiner Kleidung. Er stand vor ihr und was sie sah bestätigte ihre Ahnungen und Fantasien. Er sah einfach gut aus, zu gut, um eigentlich wahr zu sein. Doch wer will mit den Göttinnen des Schicksal streiten in diesem Moment unverdienter Gaben?
Er legte sich zu ihr, berührte sie sanft genau dort, wo sie es sich wünschte.
„ich weiß nicht, ob ich es heute Nacht noch bringe, myDear?“
„Ist doch egal … mach weiter!“ und sie küßte ihn. Und er begann sie zu küssen, auf ihrem ganzen Körper, der jetzt zu glühen begann. Ein Begehren, dass Tessa lange Zeit nicht mehr gespürt hatte. Sie spielten miteinander das ewige Spiel zweier sich suchender Seelen irgendwo im Universum, die sich zufällig begegnet waren und für Augenblicke eins wurden, und die nicht sicher waren, ob sie sich wiederfinden würden – nach dieser Nacht.
Am Morgen erwachte Tessa, wieder in Momenten verwirrt, wo sie sei. Das Rauchen der Ostsee war zu hören. Das Panoramafenster war weit aufgeschoben und ließ die erste warme Frühlingslust her ein. Meikel hatte Frühstück bestellt. McDuddel inspizierte den großen Sessel am Lesetisch.
Meikel beugte sich über sie und küßte sie. Und sie schmeckte das Salz auf seinen Lippen. Tessa warf sich den Morgenmantel über und sie frühstückten, wie so oft nach einer solchen Nacht, zunächst unsicher und zurückhaltend.
„Ich muss heute nach Stuttgart“, sagte Meikel. „Ein Termin mit einer Gruppe von Künstlern …“.
„Ich lebe in der Nähe von Stuttgart … Schwäbische Alp, nicht so aufregend wie Irland oder Hamburg …“ Wir könnten zusammen …
„Oh … ich habe aber einen VW-Golf … etwas eng für Deinen Zustand derzeit.“
„Golf …? Das stimmt, der geht leider gar nicht …“ Und damit verstummte das Gespräch. Nach dem Frühstück machte sich Meikel und McDuddel auf in ihr Quartier, um zu packen.
„Ich komme vorbei, um mich noch zu verabschieden …“, sagte Meikel.
Eine Stunde später erschienen Beide wieder. Tessa bestand darauf, sie zum Wagen zu begleiten. Der stand vor dem Portal.
„Stimmt, wirklich etwas mickrig“, sagte Tessa vor dem Golf postiert. In diesem Moment fuhr eine Limousine vor und hielt neben dem Golf.
„Nehmen wir doch den hier!“ Tessa grinste breit den Wikinger an. Der schaute verwirrt auf das Ungetüm von Wagen. „Du fährst …“ und Tessa legte die klobige Fernbedienung in seine Hand. Meikels Augen begannen zu leuchten.
©thomasBernhard202Ende