Zauberhafte Tessa (Teil 3 Fortsetzung)
Von
Feierabend-Mitglied
Montag 04.04.2022, 17:55
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
Feierabend-Mitglied
Montag 04.04.2022, 17:55
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Teil 3 Fortsetzung
Als Tessa Augenblicke später zu sich kam, spürte sie etwas Warm-Feuchtes an der Wange und gewahr eine scharfe Stimme: „Aus – lass das … McDuddel“. Sie lag im Sand und schaute auf einen Hund, der neben dem Mann im Sport-Outfit Sitz machte und sie neugierig ansah. „Na toll, nicht nur einem Wikinger in die Hände gefallen, und jetzt fallen die Wölfe über mich her …“. So rauh hatte sie sich ein paar Tage Urlaub an der Ostsee nicht vorgestellt.
„Sorry, Ma´am, das ist nur McDuddel, mein Hund, ein Bordercollie … der ist nur etwas neugierig … geht es wieder?“
„Ja, wenn ich nicht gefressen werde, vielleicht …“ der hilflose Versuch eines Scherzes, während der Knöchel pochte wie verstopfter Gartenschlauch. Sie war nicht in der Situation auf Kosten eines Hundes Witze zu machen, dessen eines Auge so blau leuchtete wie das seines Besitzers, während das andere matt grau schimmerte. Wo sie doch auf den hoffentlich freundlichen Wikinger und roten Iren angewiesen war. Er lächelte.
„Okay, Ma´am, es sind ca 300 Meter bis zum Hotel. Versuchen wir es zu erreichen, ich stütze Sie“.
„…. Oh, das wird jetzt unangenehm, Zähne zusammenbeißen!“, dachte sie.
Er half ihr vorsichtig auf, umschlag sie mit einem Arm und hatte sie fest im Griff. Sie merkte, dass er sie geübt halten würde. Und scheinbar war er gut durchtrainiert. Zudem ging vom ihm eine beruhigende und wohltuende Wärme aus. Sie humpelte auf einen Bein und er führte sie – ein seltsames Paar mit Hund, der neben ihnen lief. Sie erreichten die Lobby, und der Wikinger legte McDuddel ab, der sich brav am Eingang hinlegte und den Beiden nachsah. An der Rezeption sah der Concierge das Malheur und fragte Tessa, ob sie die Hilfe eines Rollstuhls benötigte. Tessa bedachte ihn mit einem kurzen bösen Blick: „Noch ist es nicht soweit, später vielleicht …“. Der Wikinger beschied kurz und bündig: „Ich bringe die Dame auf ihr Zimmer, besorgen Sie bitte einen Arzt, Verdacht auf eine Bänderzerrung, und bitte Eis oder besser Eisspray!“ Das Duo wandte sich zum Fahrstuhl. Und fünf Minuten später lag Tessa auf dem Bett. Auch eine Ärztin war bald zur Stelle und nahm den Fuß in Augenschein.
„Es müsste geröntgt werden, aber es jetzt bestenfalls ein Dehnung, schlechtesten falls eine Bänderriß“, beschied sie. „Soll ich einen Krankenwagen herbeirufen?“
„Himmel, ins Krankenhaus? Nein auf keinen Fall. Können Sie mir eine Bandage anlegen?“
„Gut, wir beobachten das ein paar Tage …“. Die Ärztin vereiste den Knöchel und legte die Bandage an. Währenddessen verabschiedete sich ihr Helfer und war plötzlich verschwunden. Die Ärztin hinterließ noch ein Rezept für Schmerzmittel und kündigte an, nach Tessa zu sehen, spätestens übermorgen. Die Mitarbeiter des Hotels würden sich schon um sie kümmern. Und wieder war Tessa allein, aber der Schmerz ebbte ab. Wenigstens etwas …
Tessa fühlte sich nach zwei Tagen wie ausgeknockt. Ihr wurde eine Manschette verpasst, um den Knöchel ruhigzustellen, aber sie dürfte sich in Maßen bewegen.
Ansonsten wurde sie vom Personal umsorgt.
Die Rezeption meldet sich: „Frau Bernard, hier Müller vom Empfang, es wünscht Sie ein Mr. McCullough und Mr. McDuddel zu besuchen …“
„Mc – Wer?“ „McCullogh und …äh … ein Hund“.
„Okay, lassen Sie bitte den Hund ein …“ Tessa lachte und sie fand allmählich wieder zu ihrem sarkastischen Humor. „Nein, natürlich beide – wenn es recht ist, auch Hund McDuddel, Danke!“
Tessa hat keine Zeit, Jogginghose und Shirt zu wechseln. Sie erwartete beide auf einem Empire-Sofa, das Cyber-Bein, wie sie inzwischen nannte, hochgelagert. Beide traten ein, wobei der Bordercollie sich brav und erwartungsvoll vor sie aufbaute und der rote Erik etwas zögerlich sich ihr näherte, gekleidet in angelsächsischen Tweet mit grüner Karoweste, einem gepflegten Dreitagebart und kurzgetrimmter flammenroter Frisur, die sich schon etwas lichtete. Sie bat ihn Platz zu nehmen, und Tessa bestellte Tea, Gebäck und … Hundeleckerlies. Tessa merkte, dass ihre Retter angenehme Zeitgenossen waren. Er sprach fast perfekt Deutsch mit englischem Akzent, McDuddel legte sich zu ihrem gesunden Fuss und sah sie mit seelenvollen Augen an, als ob er darauf wartete auf das Sofa zu dürfen, sich aber mit Leckerlies bescheidete. Die perfekte Teestunde, in der der Wikinger und Tessa plauderten über dies und das und auch nebenbei einfließen ließen, was sie so normalerweise machten, wenn sie nicht gerade am Strand unterwegs waren und sich den Fuss vertraten. Er schien einen feinen Humor zu haben und erzählte wie er als Kunstsachverständiger und Scout unterwegs war, junge Künstler für die Zukunft der Kunstszene zu finden, zumeist in Europa und USA. Tessa gab zu, dass sie eigentlich nach dem Tod ihres Mannes mehr oder weniger – heute weniger – dekorativ in der Gegend rumsaß und wenn sie mal rausging, vom Pech verfolgt wurde und wieder vom Schicksal husch, husch ins Körbchen getrieben wurde. Sie sagte es nicht weinerlich und Erik der Rote schien zu verstehen, was sie sie meinte.
McDuddel wurde unruhig. Der Bordercollie erhob sich und steuerte auf die Kaminwand zu und schnüffelte auffällig an einer Holztäfelung. Dann tatzte an einer Stelle. Meikel, so hieß Wikinger eigentlich, gesellte sich knieend neben Duddel. Tessa sah beiden gespannt zu. Meikel kramte ein Schweizer Armeewerkzeug aus der Hosentasche. „Typisch Mann“, dachte sie noch. Er klopfte auf der quadratischen Täfelung, setze vorsichtig die Klinge an und hob ohne Mühe die Platte ab und fasste in die Öffnung. McDuddel fiepste leise. Meikel zog eine kleine Plastiktüte heraus und hielt sie dem Collie unter die Nase, dann kramte er in seiner Jackentasche, gab Duddel ein Leckerli und hielt Tessa die Tüte hin, die erkennbar mit einem weißen Zeug wie Puderzucker gefüllt war.
„Das ist ja mal ein besonderer Service …“, bemerkte Meikel trocken. Und Tessa kicherte und errötete zugleich.
„… Drogenhund der irischen Polizei, seit 2 Jahren im Ruhestand, aber immer noch fit wie … ein Schneemann …“, der Wikinger lachte. Beide hatten nun die doppelte ungeteilte Aufmerksamkeit von Tessa. Sie bewegte sich trotzdem nicht ….
©thomasBernhard2022
Fortsetzung folgt bei Bedarf!