Die Sprengmeisterin
Von
speedygonzalez
Freitag 08.04.2022, 17:30
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speedygonzalez
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Auch wenn es einen solchen Titel nicht gab, sie war es. Hier in diesem Kaolin-wergwerk war Sabine West für die Bohrlöcher, den Sprengstoff und die Zün-dung verantwortlich.
Den letzten Akt, die Zündung verlegte sie, wenn immer es ging, gerne in die letzten Minuten der Tagesschicht. Es war sowieso nicht anzuraten, direkt nach einer Sprengung das Gebiet zu betreten. Im Laufe der Zeit hatte sie heraus-gefunden, dass die Sprengwolken immer wieder anders aussahen, und je nach Sonnenlicht in anderen Farben erschienen. Wie es wohl oben am Hang über der Steilwand aussähe? Sie machte sich einmal die Mühe und war sehr über-rascht, wie unterschiedlich das Farbspiel, besonders in Rottönen ausfiel. Dabei konnte es vorkommen, wenn das Wetter mitspielte, dass sie am Waldrand oben, wo der Steinbruch nicht weiter ging, auf einem Klappsessel saß und der sinkenden Sonn zusah, bevor sie auf den Knopf drückte. Hin und wieder er-lebte sie hernach auch eine Staubwolke, die eigenartige Bilder an den Himmel vor der Sonne zeichnete. Immer wieder anders und einzigartig waren sie und würden so nie wieder erscheinen. So kam ihr auch die Idee, dass es vielleicht lohnen würde, solche Momente festzuhalten. Irgendetwas in ihr hatte vor län-gerem dazu schon den Keim gelegt.
Auf dem Weg zu ihrer Mutter, die sie viel zu selten besuchte fuhr sie diesmal we-en einer Umleitung einen anderen Weg. Dabei fiel ihr Blick auf ein Fachge-schäft für Fotografie. Da knapp in der Zeit, fand dieser Punkt erst mal einen Lagerplatz in ihrem Gedächtnis. Erst auf der Heimfahrt tauchte dieses Infobröc-kelchen wieder auf. Weil geschlossen, notierte sie nur die Telefonnummer und versuchte es am nächsten Tag.
„Fotofachgeschäft Ludwig. Guten Tag.“ Eine ansprechende Stimme tönte da aus der Muschel.
„Guten Tag, spreche ich mit Herrn Ludwig?“
„Genau und mit wem habe ich das Vergnügen?“
„Sabine West, ich wohne im Nachbarort, verkaufen Sie nur oder verstehen Sie auch etwas von Ihrem Handwerk?“ Etwas provokant, wie ihr gleich aufging.
„Sagen wir mal so, ich verstehe mich aufs Fotografieren und biete unabhängig von Herstellern auch Kameras an.“
„Dann würde ich gerne einmal zu einem Gespräch vorbeikommen, ich habe da eine Idee und suche nach einer Umsetzung.“
„Gut, ich bin immer zu erreichen, schauen Sie doch einfach mal rein.“ Nach der Eingangsfrage ihrerseits wohl eine angemessene Antwort.
„Schön wär’s, ich kann aber erst nach Dienstschluss und muss dann noch ein Stückchen fahren. Ginge es bei Ihnen auch um neunzehn Uhr am kommenden Dienstag?“ Angenehme Stimme, das schon.
„Gut, warum nicht, Frau West.“
„OK, dann bis Dienstag.“
Volker hörte das Klick und besah sich zweifelnd den Hörer. Naja, wir werden ja sehen, brummelte er. Was könnte das wohl werden? Mama mit Söhnchen auf einem Eisbärenfell, oder einen Akt von ihr mit ihrem Gschpusie, eventuell auch einen Einakter, höhöhö, aber warten wir erst mal ab.
Die Türglocke ging und er widmete sich wieder dem Tagesgeschäft.
Dienstagnachmittags klingelte das Telefon wieder.
„Fotofachgeschäft Ludwig, guten Tag?“
„West, guten Tag, Herr Ludwig, ist der Termin im Geschäft in der Friedrich-straße oder gibt es noch Filialen, nicht, dass ich an einer falschen Türe klopfe.“
„Ach, Frau West. Nein kommen Sie nur in die Friedrichstraße.“
Als es klingelte, öffnete er einer Dame, die den Eindruck machte, ziemlich in sich zu ruhen. Doch, da war auch etwas mehr in ihrem Gesicht.
„Störe ich?“ Eine lächelnde Frage im Gesicht, bei dem es sich lohnte, noch ein-mal hinzusehen. Sie gab ihm die Hand.
„Sabine West.“ Ein fester Händedruck, der bei ihm gleich einen guten Eindruck machte.
„Volker Ludwig, kommen Sie herein und nehmen Sie Platz. Darf es auch ein Kaffee sein?“
Fragend sah sie ihn an. Achselzuckend meinte er: „Wenn man schon von vorn herein andeutet, dass es etwas Außergewöhnliches ist, spricht es sich doch besser mit einem Kaffee, oder?“
„Doch, gerne.“ Sie setzte sich und sah sich im Laden um, während er sich um den Kaffe kümmerte.
„Mit Milch, ohne Zucker.“ Sie hatte die Frage in seinem Gesicht schon gese-hen. Beide genossen den ersten Schluck. Im Absetzen der Tassen sah er sie fragend an.
„Es ist vielleicht etwas ungewöhnlich, haben Sie schon einmal Sprengwolken fotografiert?“
Volkers Augenbrauen gingen hoch. „Ne, in Krisengebieten war ich noch nicht.“
„Ich auch nicht, will ich auch gar nicht in. Es dreht sich um Sprengwolken in einem Steinbruch.“ Sein fragendes Gesicht ließ sie weiter aushohlen.
„Ich bin Sprengmeister in der Kaolinmine im Nachbarort und habe beobachtet, dass diese Sprengwolken, besonders gegen den Abendhimmel, einen ganz individuellen Eindruck machen. Da Kaolin im Grunde weiß ist, verblüfft es mich doch immer wieder, wie farbenfroh sich so eine Sprengwolke ausnimmt.“
Seinem Gesicht sah man seine Nachdenklichkeit an.
„Ne, das habe ich noch nie gesehen, aber wo Sie es sagen, da könnte etwas dran sein. Das sinkende Sonnenlicht im Abendrot, selber schon langwelliger durch die Absorption in der Atmosphäre wird durch die Staubpartikel noch mehr gestreut.“ Er nahm einen Schluck Kaffee und dachte nach.
„Wie stellen Sie es sich vor?“ Er sah sie an, eine intelligente Frau offensichtlich.
„Was halten Sie davon, wenn ich Sie über die nächste Sprengung informiere und Sie schauen es sich einmal an.“
„Finde ich gut. Ich denke, ich bringe mal eine Kamera mit einem Weitwinkel-objektiv mit und dann werden wir ja sehen was sich ergibt und was draus wird.“
„Was halten Sie vom Filmen? Es gibt im Verlauf der Detonationswolke immer unterschiedliche Eindrücke.“
„Auch wieder wahr.“
Volker sinnierte einen Moment.
„Was meinen Sie: wenn ich eine Filmkamera auf einem Stativ hinter uns aufstelle und Ihnen den Auslöser in die Hand drücke, dann sind Sie auch beteiligt und wir arbeiten im Team. Ich vermute mal, es wird mehrerer Spreng-ungen bedürfen, um zu einem passablen Ergebnis zu kommen. Was meinen Sie?“
„Das könnte stimmen, zumal ich beobachtet habe, dass je nach Sonnenunter-gang und Wolkenhimmel es ganz andere Eindrücke gibt.“
„Also machen wir es so: ich komme mit Film und Foto, wenn Sie einen neuen Termin haben und dann schauen wir uns das Gelände und Aufnahmepunkt an, ok?“
„Sieht nach einem guten Plan aus.“
„Fein, dann warte ich auf Ihren Anruf, wann es den nächsten Bums gibt.“
Den nächsten Bums, das ist gut, dachte Sabine. Der Mann ist ok, ich bin ge-spannt, ob es wahr wird. Auch Volker saß noch sinnend im Laden, nachdem sie gegangen war, bevor er zu Schnitzel, Pommes und Salat nach Hause fuhr. Der Eindruck, den sie gemacht hatte, war nachhaltig, sowohl Figur, als auch Persönlichkeit. Wir werden ja sehen, dachte er.
„Hallo, Herr Ludwig, der nächste Termin ist jetzt am Freitag. Ich hoffe, Sie können es einrichten. Es verspricht, ein guter Sonnenuntergang zu werden.“
„Gut, danke, ich komme, den Ort habe ich mir schon rausgesucht, ich melde mich dann am Tor vorne.“
„Sehr gut, ohne kämen Sie auch gar nicht rein.“, schmunzelte sie.
Als er dort ankam und sich angemeldet hatte, kam sie in normaler Straßenklei-dung mit einer Umhängetasche und einem kleinen Horn zu ihm ans Tor.
„Nabend, Herr Ludwig, wir müssen außen herum, also fahren Sie mir am besten nach.“
Kurz drauf parkten sie oberhalb des Steinbruchs am Waldrand. Sabine holte zwei Campingsessel aus ihrem Kofferraum und stellte sie nahe an die Abbruchkante. Nachdem er Platz genommen hatte erklärte sie ihm, was heute passieren würde.
Wie es weitergeht hängt von Eurem Interesse ab