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"Drive in"

Von speedygonzalez Dienstag 07.06.2022, 17:02

Das ist auch so ein Ausdruck, den man lecker entfremden könnte, ging es Pit durch den Kopf. Genau: an der Einfahrt des Parkhauses langsam die Karte in die Fuge - uuuiii - welch eine Irreführung! Oder auch nicht? Die Karte kam zu-rück und er gab etwas Gas. Wenn die Schranken beidseitig angebracht wären, statt so albern an einer Seite, gäbe das ein viel treffenderes Bild. Die Schran-ken winkeln sich an, wenn sie sich heben und Einlass gewähren. Sakra, welch eine bildliche Anthologie, die Bewegung kenne ich doch! Nun gab es kein Hal-ten mehr, Pit fuhr hinein. Drive in, so ist‘s recht. Er kurvte hinauf.
Mimi kurvte herab. Sehr zufrieden mit ihren Einkäufen. Sie musste verrückt sein, total bekloppt, sich solche Teilchen zu kaufen! BH und ein Höschen – beides hätten den Namen als Kleidungstücke nicht verdient. Es bezeichnete wohl mehr einen inneren Zustand, wenn man solcherart bedeckt … BEDECKT? Nein, wenn man solcherart ENTBLÖSST die Wohnung verlassen würde.
Es war keinesfalls ein BH, wie man ihn kennt – oder meistens vermutet – eher eine dekorative Schmeichelei um die Signalkörper.
Auch als Höschen wäre die Bezeichnung für den zweiten Teil des Sets, dieses hauchfeine Nichts, extrem strapaziert. Ein Muschelhalter, besser noch ein Mu-schelwärmerchen aus transparentem Tüll in verschämten Schwarz, nun ja, so könnte man es durchgehen lassen. Beim Anprobieren war Mimi wieder recht schlüpfrig geworden, als sie ihr Tattoo dazu sah.
Nun hatte sie sich dieses Set (Kleidung????) gekauft und fuhr freudig be-schwing die Parkhausrampe hinunter. Ein Blick auf die Tüte neben sich …
Pit, immer noch in Gedanken an den Drive in, kam mit Schwung um die Kurve herum und trat in die Bremse. Mimi merkte es auch noch rechtzeitig. Bremsen kreischten, beide stiegen mit fliegenden Knien aus und kamen herum. Die Autos standen Nase an Nase und beschnupperten sich; Aufatmen auf zwei Gesichtern.
„Ich glaube, da sind wir wohl beide nicht ganz rechts gefahren.“ Pit hatte sich zuerst gefasst und sah seine Fast-Partnerin an. Ihr Gesicht gefiel ihm nicht nur, er war über ihre sehr erhitzten Wangen erstaunt. „Ich – ich glaube auch.“ Zögerlich stimmte Mimi ihm zu. Der Kerl hat Fassung, mir flattern jetzt noch die Knie. Sie sahen sich beide an, dann wieder die Stoßstangen, stellten erleichtert fest, dass es noch mal gutgegangen war.
Pit hob die Schultern. „Wir sollten trotzdem jetzt erst mal eine kleine Pause ma-chen. Wollen wir nicht einen Kaffee trinken? Die Autos können wir doch hier noch einmal parken.“ Pit zeigte auf eine Reihe freier Plätze. Inzwischen drang lautes Hupen zu ihnen durch. „Doch, sollten wir machen. Mehr kann ich jetzt auch gar nicht.“
Nach dem Abstellen kam er zu ihr herum, gab ihr die Hand. „Pit nennen mich meine Freunde.“ Eine feste Hand hat er, dachte sie. „Mimi – lach nicht, ich kann nicht sagen, woher der Name kommt.“ „Er gefällt mir trotzdem.“ Einladende Miene seinerseits, natürlich mit den obligatorischen, männlich be-dingten Sichtungen, die bei ihr, weil weiblich, etwas dezenter ausfielen, die De-tails dennoch registrierten. Einen Duftbonus bekam er auch gleich.
Ein Cafe fanden sie auch bald und nahmen sich, während sie auf den Latte warteten, gegenseitig in Augenschein. Es gefiel beiden, was sie sahen, nur ging ihnen das erst später auf, als es passiert war. Ihre Tüte hatte Mimi mitge-nommen. Das fragte sie sich jetzt allerdings, wo sie sein Interesse daran sah. Der Aufdruck sprach eindeutig für das Spitzengeschäft für eleganteste Dessous.
Pit klopfte einfach auf den Busch. „Hat es Dir so gut gefallen, dass Du im Auto davon noch so high warst?“ Reichlich gewagt, der Angriff. Dachte Mimi auch, aber dem losen Maul kann ich ja mal einheizen, wenn er sich schon so frech gibt. Mal sehen, wie er es aufnimmt. Genauer musterte sie ihn und fand Gefal-len an dem Typ. Männliches Kinn, recht dunkel, also einen guten Bartwuchs, die Schultern, wie er sich so an den Tisch lehnte, die Beine eben hatte sie noch als recht stämmig in Erinnerung. In Mimis Untergeschoß klingelte es.
Ihr Zögern ließ Pit etwas nachdenken. Der Kaffee kam und derweil konnte er seine Erkundungen vertiefen. Doch – sie gefiel ihm. Grade Haltung, schlanker Hals und ein Mund, der gradezu nach Schmusen rief, ganz zu schweigen von dem ansehnlichen Rest. Nun – eher Hauptaugenmerk als Rest. Sie sah ihn wieder an, ihm gingen die bernsteinigen Farbsplitter in ihren Augen jetzt erst richtig auf.
„Du meinst also, es müsste etwas Reizvolles gewesen sein?“ Neckische Fra-gen in ihren Bernsteinaugen. Halt still, Mimi, gebot sie sich innerlich „Wenn es so nachhaltig auf dich gewirkt hat – ja.“ Reine Neugierde sein Lächeln. „Und du würdest es gerne sehen, stimmts’s?“ Strahlendes Nicken von ihm. Alles von dieser Boutique muss an ihrem Körper reizvoll sein! Nachdenkliches Dehnen bei Mimis Frage. „Nun, wenn ich mich recht erinnere bist Du auch nicht grade scharf rechts gefahren. Was hat Dich denn so abgelenkt?“
Nun knisterte es zwischen beiden. Eine Eröffnung, wie beim Schach, wenn man den Gegner in eine Falle locken will. Pit biss an. „ Das sag ich Dir gerne, Mimi, wenn Du mir Deine Eroberung zeigst.“ Die Dame, leicht geschürzt, war im Feld, Mimi biss auch an. Sie nahm die Tüte hoch und zeigte ihm niedlichste Nichtigkeiten. Gewappnet, wie er sich wähnte, war es doch sehr stark. Solches Nichts in schwarzen Mustern, das gab es nicht! Was ihn aber direkt auflachen ließ, war der Namenszug dieser Nichtigkeiten:
"Drive in".
Pit musste so lachen, dass Mimi schockiert ihre Eroberung sofort wieder ein-packte. Mit allem hatte sie gerechnet, doch nicht mit so herzlichem Lachen. „Was ist daran so komisch?“ Pikierte Frage von ihr. Pit fing sich wieder. „Tut mir leid, das war nicht bös gemeint.“ Begütigend legte er seine Hand über ihre, sie duldete es. „Als ich den Namen gelesen habe …“ er kicherte wieder. „ … kam mir die Parkhauseinfahrt unten in den Sinn. Drive in, steht groß drüber und mir fiel eine andere Bedeutung ein, die viel pikanter ist. Besonders, wenn die Schranke nicht an einer Seite befestigt wäre ...“ Pit machte es vor. „Sondern aus zwei Teilen bestünde, siehst Du, so, die sich beide nach oben abwinkeln.“ Auch das machte er mit knallroter Birne vor. Mimi sah es – auch sie lief blutrot an, ihr Tattoo sprang in ihre Erinnerung. Spontan nahm sie ihre Tüte und flüchtete.
Verdutzt blieb Pit zurück, damit hatte er nicht gerechnet. Er fuhr heim und ver-suchte dieses nette Mädchen zu vergessen, was ihm jedoch nicht gelingen wollte. Sie saß in ihm fest. Warum nur war sie so hektisch geflüchtet?
Mimi fühlte sich elend. Wie konnte sie nur so überhastet wegrennen? Natürlich, von ihrem Tattoo konnte er nichts wissen, ihr war aber auch nicht aufgegangen, welchen Namen ihre Spielsachen hatten. Was nun? In ihrem Bäuchlein brodel-te es, ein untrügliches Zeichen, dass es gierig war. Den ganzen Tag hockte sie herum und konnte zu keinem Entschluss kommen.

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