Sommerloch1/3
Von
speedygonzalez
Donnerstag 20.08.2020, 01:10
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speedygonzalez
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Anmerkung:
Hiermit widerstreche ich Kerilus abschätziger Unterstellung in ihrem Beitrag vom 18.8., Kommentat 20.22: "Was wissen denn die Männer ..."
Die Leserinnen können hier nun selbst entscheiden, ob obige Unterstellung zutreffend ist.
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Wirklich nichts los. Kein Unfall auf den Straßen, kein bekannter Mensch, der auffällig oder ausfällig geworden wäre, nicht einmal ein Politiker, wenigstens kein wichtiger, der sich profilneurotisch etwas daneben ausdrückte. In den Kli-niken, bei der Müllabfuhr, Inland, wie im Ausland gab es das übliche Sommer-loch.
Bei mir auch, das nicht nur bezogen auf die Moral. Mein Kerl war abgehauen, kommentarlos. Also auch damit. Dabei hatte er sich sehr gut darauf verstanden und sich mit mir in den Wolken herumgetrieben. Anderswo auch noch, aber das nennt man nicht so. Der Absturz war krachend bei Frühlingsanfang gewesen, ich am Boden zerstört und erst jetzt im Hochsommer wieder in der Lage, den Kopf zu heben und aus dem Fenster zu sehen.
Menschen, denen es gut geht, die auf der Promenade flanieren, Eis löffeln und - noch viel schlimmer – sich im Arm halten.
Die haben kein Sommerloch, geht es mir bitter durch den Sinn, nur ich habe eins. Meines im Höschen unten, kommt mir finster in den Sinn. So hätte ich vor zwölf Wochen niemals am Fenster stehen können. Er hätte schon hinter mir gestanden, mir, sinnlich balzend, das Höschen herabgezogen, geflehmt wie ein Hengst und mich bestiegen. Mit den Armen auf dem Fensterbrett, er hinter mir, das ging sehr gut. Es war ein sehr beliebtes Spielchen bei uns gewesen. Einer-seits diese Wucht zu fühlen, mit der er sich in mich grub, zugleich dem Treiben auf der Promenade zuzusehen, oder auf dieses oder jenes zu zeigen. Es lenk-te doch einigermaßen ab und so dauerte es länger.
Nun – auch da Sommerloch. Welch ein Elend!
Ich setze mich aufs Sofa und nehme die Zeitung wieder auf. Wirklich nichts los. Bei den Lokalterminen ist ein Hinweis auf ein Konzert im Schlosspark. Unser Schlosspark ist sehr alt, hat das Schloss überlebt und wird von der Menge gern zum Spazieren angenommen. In der Konzertmuschel finden auch immer wied-er Konzerte statt. Und in meiner ...? Müsste ja nicht gleich ein ganzes Orche-ster sein. Einer, der auf meiner kleinen Geige ein Liedlein ... und ich dazu die Flöte ...? Nichts - und das macht mich richtig grätig.
Diesmal soll es Jazzmusik geben. Die Bühne sei gerichtet und man hoffe auf regen Zuspruch und keinen Regen. Mein abschätzender Blick hinaus lässt die Vermutung auf Letzteres wachsen.
Den Hörer zur Hand und gewählt. Ich bekomme noch eine Karte, eben Som-merloch. Man darf sogar zu essen und trinken mitbringen.
Es beginnt wie üblich mit der Überlegung, was ich anziehen soll. Hochsommer – klar woher sonst Sommerloch – sehr schwül warmer Abend, dazu zwischen den Zuhörern, also noch wärmer. Das Kaleidoskop dreht sich, wirbelt wieder einmal.
Wenn er doch nur da wäre, dann wüsste ich ganz klar, wie ich ihn von der Musik ablenken würde, hin zu meiner Musik ... Scheiße aber auch!
Doch nun werde ich nicht mehr herumhängen. Ende mit Sommerloch!
So trage ich dann einen weiten kurzen Rock. Wenn der beim Tanzen fliegt, lie-bes Mädchen, solltest Du keinen transparenten Slip tragen, denke ich mir – oder doch – oder keinen? Eine honigfarbene Bluse, hauchdünn, mit aufge-setzten Taschen, die einen BH überflüssig gemacht hätte, wohl eher. Aber ich mag den einen, genauso leicht, mit Blumenmuster über den Knospen.
Apropos Knospen ...
Meinen Platz am Mittelgang finde ich gleich, daneben einen attraktiven Herrn, ungefähr in meinem Alter, der es sich grade bequem macht. Er hat, was mir wieder entfallen war, auch etwas zu Naschen dabei. Das ist momentan weniger wichtig. So wie er mich ansieht, inspiziert, wäre wohl besser ausgedrückt, mein Gott, welche Augen, fühle ich mich weiblicher, als in den vergangenen Wochen. Ich bin also doch wer! Naschbar … ?
„Guten Abend. Sie scheinen gut vorbereitet zu sein.“
Mein Blick galt ihm und seinem Picknickkorb.
„Guten Abend, könnte nicht schaden, dachte ich.“
Er hat zwei Becher dabei, aber keinen Ring an der wohlgeformten Hand. So was sieht man doch besser gleich.
„Ist jemand nicht gekommen, oder kommt noch jemand?“
Er sieht mich fragend an, örtlich recht interessiert, dann folgt er meinem Blick auf die zwei Becher, Hartplastik, wie vom Camping und lächelt.
„Nein, ich erwarte keinen, der Platz ist wirklich frei.“ Mit einem direkten richtig einladenden Blick auf mich, eher wohlgefällig, wie mir scheint, „ ... doch nun angenehm besetzt.“
Zähnchen zeigen, wie in der Tanzschule gelernt. „Danke.“ Doch meine Augen sagen mehr und erkennen auch, wie es ankommt.
Der Korken kommt mit einem Plopp aus der Flasche und er gießt ein. Ein Roter, dessen feiner Duft meine Nase kitzelt.
„Darf ich Sie zu einem Gläschen ...“ er sieht auf die Becher und lächelt ver-schmitzt, „... Becherchen einladen?“
So gut wie der Wein riecht, ist es ein Stilbruch, doch hier draußen in der Menge ...
„Danke, er riecht schon mal sehr gut. Zum Wohl.“
Wir trinken uns zu. Seinen Augen kann ich ablesen, wie gut mir der Wein schmeckt. Oh la, la, der hat es in sich, der Wein auch. Ganz spontan nehme ich seine Hand mit der Flasche herum und sehe mir das Etiquett an. Eine Spät-lese, Merlot, aus der Côte du Rhone. Oh, ha, der wird reinziehen und mit viel Genuss. Die feinfühlige Hand könnte Ähnliches hoffen lassen.
„Da haben Sie aber einen sehr feinen Tropfen ausgesucht, alle Achtung.“
„Eine der wenigen Flaschen, die von letzten Urlaub übrig blieben. Freut mich aber, wenn er Ihnen gefällt. Dann könnten wir noch einmal anstoßen, auf den schönen Abend. Ich heiße Henning.“
„Ja, gern, auf einen schönen Abend, ich heiße Karin.“
Die Becher klingen nun gar nicht, das Küsschen ist schon eher was.
„Gefällt Dir Jazzmusik, Karin?“
„Wenn es nicht der ganz moderne ist, wenn es mehr Richtung Glenn Miller geht, schon. Die Bands sol¬len gut sein.“
„Finde ich auch, der Himmel wohl weniger.“
Ich folge seinem Blick und sehe eine sehr dunkle Front heranziehen.
„Na, warten wir es ab, es ist hier schon so manches vorüber gezogen.“
So hoffen wir jedenfalls.