Von Feierabend-Mitglied
Donnerstag 06.11.2025, 19:00 – geändert Freitag 07.11.2025, 10:08
Im Lande der unendlichen Erklärungen war das Reden eine ernste Kunst. Kein Wort durfte fallen, ohne sofort in all seine Bedeutungen zerlegt zu werden. Wer eine Nachricht überbrachte, musste sie so gründlich erläutern, dass selbst die letzte, fernste Nachfrage eines neugierigen Ohrs still wurde.
Die Boten des Landes hatten dabei schwer zu tragen. Denn niemand nahm eine Botschaft einfach hin. „Wie genau meint Ihr das?“, fragten die Bürger, „woher wisst Ihr das, wann wurde das gesagt, und was soll das für uns bedeuten?“ Und so zogen sich einfache Ankündigungen über Tage hin, ja Wochen, bis die Boten sich ermüdet auf ihren Folianten ausruhten — nur, um bald wieder geweckt zu werden mit neuen Fragen.
andiejenigengerichtet,diemeinen,dieuserseienverpflichtetjedenpostzueinerdoktorarbeitauszubauen,
weil zu bequem selbst zu googeln
Bald sah der König, dass er kaum mehr jemanden hatte, der Nachrichten ausrichten konnte. Alle Boten saßen in Bibliotheken, durchstöberten Archive und diskutierten über Quellen. Keine neue Kunde erreichte mehr den Hof, keine Botschaft das Volk. Das Reich der Erklärungen stand still, in vollkommener Aufklärung.
Da beschloss der König, ein Dekret zu erlassen. Und weil er wusste, dass schon der kleinste Zweifel zu einer endlosen Fragerei führen würde, ließ er das Dekret nicht verkünden, sondern drucken – auf festem Pergament, in klaren Buchstaben, mit einem königlichen Siegel. Es lautete schlicht:
„Ab sofort gibt es in allen Schulen des Landes verpflichtenden Googleunterricht.“ „Fragen sind erst erlaubt, wenn das Googeln erfolglos war.“
Und als die Gelehrten fragten: „Majestät, weshalb …?“, erhob der König die Hand und sprach:
„Ihr fragt, weshalb ich dies anordne?“ – Dann lächelte er nur müde.
Denn er wusste: Nun würden sie lange zu tun haben,
die Antwort selbst zu googeln.
Im Lande der unendlichen Erklärungen war das Reden eine ernste Kunst. Kein Wort durfte fallen, ohne sofort in all seine Bedeutungen zerlegt zu werden. Wer eine Nachricht überbrachte, musste sie so gründlich erläutern, dass selbst die letzte, fernste Nachfrage eines neugierigen Ohrs still wurde.
Die Boten des Landes hatten dabei schwer zu tragen. Denn niemand nahm eine Botschaft einfach hin. „Wie genau meint Ihr das?“, fragten die Bürger, „woher wisst Ihr das, wann wurde das gesagt, und was soll das für uns bedeuten?“ Und so zogen sich einfache Ankündigungen über Tage hin, ja Wochen, bis die Boten sich ermüdet auf ihren Folianten ausruhten — nur, um bald wieder geweckt zu werden mit neuen Fragen.
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weil zu bequem selbst zu googeln
Bald sah der König, dass er kaum mehr jemanden hatte, der Nachrichten ausrichten konnte. Alle Boten saßen in Bibliotheken, durchstöberten Archive und diskutierten über Quellen. Keine neue Kunde erreichte mehr den Hof, keine Botschaft das Volk. Das Reich der Erklärungen stand still, in vollkommener Aufklärung.
Da beschloss der König, ein Dekret zu erlassen. Und weil er wusste, dass schon der kleinste Zweifel zu einer endlosen Fragerei führen würde, ließ er das Dekret nicht verkünden, sondern drucken – auf festem Pergament, in klaren Buchstaben, mit einem königlichen Siegel. Es lautete schlicht:
„Ab sofort gibt es in allen Schulen des Landes verpflichtenden Googleunterricht.“ „Fragen sind erst erlaubt, wenn das Googeln erfolglos war.“
Und als die Gelehrten fragten: „Majestät, weshalb …?“, erhob der König die Hand und sprach:
„Ihr fragt, weshalb ich dies anordne?“ – Dann lächelte er nur müde.
Denn er wusste: Nun würden sie lange zu tun haben,
die Antwort selbst zu googeln.