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Da braut sich was zusammen

Von Harvey11 Samstag 18.04.2026, 18:36

Im Schatten des Iran-Kriegs sind auch in der Finanzbranche manche Probleme in den Hintergrund getreten. In der City of London, dem größten internationalen Finanzplatz der Welt, wird nach einem Waffenstillstand am Persischen Golf das Wiederaufleben einer Diskussion erwartet, die sich bereits Ende Februar an der Pleite der Hypothekenfirma Market Financial Solutions (MFS) entzündet hatte. Bisher seien viele Banken und Vermögensberatungen „froh darüber gewesen, dass es ein anderes Thema gibt als die privaten Kreditmärkte“, erläutert Kunal Shah von der Investmentbank Goldman Sachs seiner Londoner Kundschaft.
Die MFS-Insolvenz gilt Marktbeobachtern nur als eines von vielen Anzeichen einer Krise in dem billionenschweren Markt, die keineswegs auf Großbritannien beschränkt ist. An der Wall Street haben vermögende Investoren im ersten Quartal 2026 mehr als 20 Milliarden Dollar von respektablen Investmentfirmen wie KKR oder Blackstone abgezogen. Der legendäre frühere Goldman-Sachs-Boss Lloyd Blankfein zieht Parallelen zum globalen Finanzcrash 2008: Er nehme derzeit einen ähnlichen „Geruch“ wahr.
In Amerika, wo immerhin rund zwei Billionen Dollar in Privatkrediten stecken, erinnern sich andere an die Junkbond-Krise 1989/90, die zur Rezession der frühen 1990er Jahre beitrug. Wie damals schaut die Welt auch diesmal wieder auf einen Krieg am Persischen Golf, hinzu kommen zunehmende Anzeichen für ein mehr oder weniger jähes Ende des KI-Goldrauschs.
Unter den Privatkreditgebern in Großbritannien gehörte MFS zu den kleinen Fischen, immerhin aber gestützt von Branchengrößen wie dem US-Hedgefonds Elliott Investment Management und der Barclays-Bank. Das 2006 gegründete Vehikel des Finanzjongleurs Paresh Raja führte ein Jahrzehnt lang ein Mauerblümchendasein, ehe die Aktivität rapide zunahm. Sieben Firmen sind mit unterschiedlichen Variationen des eher langweiligen MFS-Namens im Handelsregister registriert; dazu kam aber ein Netzwerk mit illustren Namen griechischer und römischer Götter.
Bald stellte die MFS-Gruppe eine zwei Milliarden schwere Größe dar im Geschäft mit sogenannten Brückenkrediten. Dabei erhalten Immobilienkäufer, die ihr bisheriges Objekt noch nicht verkauft haben, kurzfristig Geld zu hohen Zinsen. Die Kredite dienten wiederum als Sicherheit zur Deckung weiterer Kredite durch Hedgefonds und Assetmanager. Für jede Transaktion wurden Gebühren fällig. MFS warb für sich mit dem Hinweis, man könne „binnen drei Tagen“ Kredite von bis zu 50 Millionen Pfund (57,4 Millionen Euro) auf die Beine stellen.
Findige Rechercheure der „Financial Times“ haben in den vergangenen Wochen allerlei alarmierende Details über die Buchprüfer des Raja-Imperiums zusammengetragen. Statt einer einzigen Firma, die sämtliche Raja-Unternehmungen hätte unter die Lupe nehmen können, waren verschiedene Prüfer jeweils nur mit Teilen des Netzwerks befasst. Eine der damit befassten Firmen wird von einem Wirtschaftsprüfer geleitet, der selbst bei MFS Hypothekenkredite aufgenommen hatte.
Anzeichen dafür, dass der heute 58-jährige Raja selbst über seine Verhältnisse lebte, gab es seit Jahren. Ein potenzieller Investor wunderte sich schon 2019 über das Missverhältnis zwischen dem bescheidenen Privathaus des Finanzjongleurs sowie Büroräumen an der Peripherie der Kleinstadt Braintree nahe London einerseits und der bei Geschäftsgesprächen demonstrativ zur Schau getragenen Armbanduhr im Wert von mehr als 200.000 Euro andererseits. Mit zunehmendem Erfolg verlegte Raja sein Büro nach Mayfair, dem Londoner Tummelplatz von Hedgefonds, feinen Anlageberatern und deren superreichen Kundinnen und Kunden. Dort war er häufig Gast in den feinsten Restaurants. Mittlerweile lebt der Brite Raja wie Hunderttausende seiner Landsleute in Dubai.
Im Insolvenzverfahren sprechen Gläubiger von Außenständen im Gesamtwert von bis zu zwei Milliarden Pfund; der Verbleib von 238 Millionen Pfund (273 Millionen Euro) auf diversen Bankkonten sei „unbekannt“. Im Namen Rajas gelobte die bekannte Londoner Anwaltskanzlei Mishcon de Reya „vollständige Kooperation“ der Firmendirektoren mit den Insolvenzverwaltern.
Der Fall MFS hat die britische Aufsicht für den bisher lax regulierten Markt privater Kreditfirmen sensibilisiert. Die Prudential Regulation Authority (PRA), die der Zentralbank untersteht, sowie die Finanzaufsicht FCA waren seit dem Crash von 2007/08 primär auf die Geschäfts- und Investmentbanken konzentriert. Doch Labour-Finanzministerin Rachel Reeves hat die Regulierungsbehörden unter Druck gesetzt, auch bei der Aufsicht der Banken die Zügel zu lockern, um in der für Großbritannien eminent wichtigen Finanzbranche mehr Wachstum zu ermöglichen.
Frankfurter Rundschau 18.4.20s6

Man hat ja etwas gemunkelt. Aber das es aus dieser Ecke kommt, das hat keiner erwartet.
Im Februar berichteten nur Fachblätter von der Pleite der Hypotheken-Anbieter MFS in die Pleite gerutscht.
Der legendäre frühere Goldman-Sachs-Boss Lloyd Blankfein zieht Parallelen zum globalen Finanzcrash 2008: Er nehme derzeit einen ähnlichen „Geruch“ wahr.
Dann warten wir mal, ab wer alles viel Geld verlieren wird.
Aber wie im Kapitalismus üblich, wurden und werden gerade Riesensummen bewegt, die auch etwas inn Bewegung setzen könnten. Kapital ist ein sehr scheues Tier.

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