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Das ist auch unser Krieg

Von Harvey11 05.04.2026, 14:14

Berlin beteuert zwar, keine Konfliktpartei zu sein, aber Teheran hat Grund genug, das anders zu sehen

Erst hatte Friedrich Merz Verständnis für den Angriffskrieg gegen den Iran geäußert und seinen Außenminister nach Israel entsandt, um Solidarität zu bekunden. Inzwischen hört man aus seiner Regierung durch Boris Pistorius: „Das ist nicht unser Krieg.“ Derartigen Statements kann nicht ernsthaft der Glaube zugrunde liegen, damit einer Krise zu entkommen, deren Folgen bereits jetzt schwerwiegend sind und lange nachwirken dürften.
Zweifelsfrei hat Donald Trump diesen Krieg in der irrigen Annahme vom Zaun gebrochen, ein schneller Erfolg sei ihm sicher. Nunmehr zeigt sich, dass man einen solchen Feldzug nicht so einfach beenden kann. In den USA trifft ihn Kritik aus dem eigenen Lager, das die Chancen bei den Zwischenwahlen im November schwinden sieht, während Benjamin Netanjahu weitergehende Interessen verfolgt. Dies erschwert ein einfaches „declare victory and leave“ und hält das Eskalationsrisiko enorm hoch.
Deutschland kann sich dem nicht entziehen, denn die geopolitische Tektonik in Nahost wird sich grundlegend verändern. Gewinnt der Iran den Krieg, wozu es ausreicht, ihn zu überleben, dürfte seine Führung nun erst recht davon überzeugt sein, dass Kernwaffen als ultimative Sicherheitsgarantie gebraucht werden. Die Islamische Republik würde damit zur potenziellen Bedrohung für Europa und die USA, nachdem iranische Raketen soeben den 4.000 Kilometer entfernten US-Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean erreicht haben. Verliert Teheran, besteht die Gefahr eines Bürgerkriegs, der in der instabilen Nahostregion schwere Turbulenzen auslösen kann. Israel würde seine regionale Vormachtstellung ausbauen und zum Hauptgegenspieler einer Türkei, die sich selbst als Regionalmacht sieht. Berlin pflegt zu beiden enge Beziehungen, sodass es eigentlich konstruktiver agieren müsste.
Die Zerstörung der regionalen Energieinfrastruktur für Öl und Gas wird vielleicht zu jahrelangen Limits führen und die Preise hochhalten. Trumps Versuche, den Ölpreis zu drücken, etwa durch Freigabe von 172 Millionen Fass der strategischen Ölreserve, und die partielle Aufhebung von Sanktionen auf russische, venezolanische und iranische (!) Ölexporte, werden die Verknappung nicht dauerhaft beenden. Fatih Birol, der Internationalen Energieagentur, ist der Ansicht, die jetzige Energiekrise ist schlimmer als die beiden aus den 1970er Jahren zusammen. Besonders betroffen vom Energietransfer aus der Golfregion sind asiatische Staaten wie Pakistan und Japan, aber auch afrikanische und europäische. Der Krieg treibt den Düngemittelpreis nach oben, was bereits zu höheren Lebensmittelpreisen führt. Die Drehkreuze für den Luftverkehr am Persischen Golf erweisen sich als Achillesferse, sodass globale Luftfrachtkapazitäten reduziert und höhere Flugkosten ausgelöst werden. Große Sorgen machen sich in Deutschland die Stahl- und Chemieindustrie und die Spediteure.
Auch sicherheitspolitisch steckt man mitten drin. So hat Irans Botschaft eine Klarstellung verlangt, ob die US-Basis Ramstein für den Krieg genutzt worden ist, was eine Angriffshandlung Deutschlands im Sinne von UN-Resolution 3314 bedeuten würde. Die Bundesregierung betont zwar, Deutschland sei keine Kriegspartei. Fraglich ist, ob Teheran das genauso sieht. Berlin unterhält sehr enge Beziehungen zu Tel Aviv und Washington. Was gedenkt sie bei weiteren Beistandsersuchen zu tun? Nach der hinhaltenden Reaktion auf Trumps Wunsch, Marineschiffe in die Straße von Hormus zu entsenden, und seinen abfälligen Äußerungen über eine zaudernde NATO, hat sich Deutschland bereit erklärt, mit „angemessenen Maßnahmen“ eine Waffenruhe abzusichern. Dass sich bei alldem Iran- und Ukraine-Krieg überlagern, setzt Berlin zusätzlich unter Druck. Kiew liefert Waffen und Know-how an die Golfstaaten, Moskau Waffen und Zieldaten an den Iran. Klar ist, dass die USA bei längerer Kriegsdauer immer mehr Nachschub brauchen, sodass es für europäische Waffenkäufe zugunsten der Ukraine schlecht aussieht. Abgesehen davon, dass die Aggression gegen den Iran die trilateralen Ukraine-Talks zum Erliegen brachte. Denkbar, dass ein Deal zwischen Washington und Moskau wahrscheinlicher wird, wenn Russland die Unterstützung Teherans einstellt und die USA auf die Kiews verzichten.
Im Moment sind die Aussichten für Trump, einen Iran-Exit durch neue militärische Drohungen und realitätsferne Angebote zu beenden, alles andere als rosig. Verständlicherweise nährt eine solche Lage in Deutschland ein wachsendes Gefühl der Unsicherheit. Statt dem Rechnung zu tragen, laviert die Regierung Merz in der Iran-Frag herum und bleibt in Sachen Ukraine bei ihrem ideenlosen „Weiter-so“. Wenigstens sah sich der Bundespräsident veranlasst, den Iran-Krieg als das zu bezeichnen, was er ist: völkerrechtswidrig. Tat er dies in dem Empfinden oder der Gewissheit, wie sehr Deutschland in diesen Konflikt verstrickt und davon beeinflusst ist?
Hans-Georg Ehrart, der Freitag 2.4.2026

Wir stecken doch tiefer drin als gedacht aber keiner sagt etwas. Und Merz führt weiter seinen altbekannten albernen Eiertanz auf.
Der, der sich gerne als Europas Führer sieht, weiß nicht was er machen soll – was er machen darf. Da geht es ihm wie seinem großen Idol in Washington.
Eines wissen wir aber sicher, seinen Träumen von der stärksten Armee in Europa, was ja auch dem Bundespräsidenten vorschwebt, den laufenden und fest zugesagten zukünftigen Kosten für die Ukraine, fallen uns jetzt noch diese Kosten aus den Folgen des Iranüberfall unseres großen Bruders und ewigen Freund auf den Kopf.
Aber Hauptsache wir dürfen bald länger arbeiten und die sozialen Leistungen werden noch radikaler gekürzt. Irgendwoher muss das Geld doch herkommen.
Da kommen uns die Ausländer aber billiger.

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