Anfang 2022 gehörte erstmals seit Jahrhunderten weniger als die Hälfte der deutschen Bevölkerung den beiden großen christlichen Kirchen an. Mit mehr als 600.000 Kirchenaustritten 2025 wurde zwar nicht mehr die um bis zu 300.000 höhere Zahl vergangener Jahre erreicht, aber sie bleibt riesig, und der Unterschied zwischen Ost und West markant: In Thüringen, Sachsen-Anhalt usw. zählen die Kirchen einige hunderttausend Mitglieder, im Westen oft noch Millionen. US-Evangelikale sollen vor einigen Jahren erhoben haben, Ostdeutschland sei die gottloseste Region der Welt. Das Maß dafür ist allerdings nicht die Mitgliedschaft in einer so weltlichen Machteinrichtung wie der Kirche. Der sich ausbreitende Unglaube hat zu tun mit gesellschaftlichen Veränderungen und der Haltung der Kirchen dazu. Die färben ihre Verluste schön, obwohl allein die stark gesunkene Zahl der Taufen ihre düstere Zukunft ankündigt. In den 27 katholischen deutschen Diözesen wurden 2024 noch 29 Priester geweiht, vor drei Jahrzehnten waren es fast zehnmal so viele.
Als Ursachen für den Absturz, der gerade einsetzt, wird oft für Gläubige Nebensächliches genannt: Kirchensteuer – die spielte 1991 bei den massenhaften Kirchenaustritten in der angeschlossenen DDR eine große Rolle –, sexuelle Gewalt oder Gleichgültigkeit. Wichtiger erscheint, was Manfred Stolpe als Repräsentant der evangelischen Kirchen in der DDR im Sommer 1989 sinngemäß formulierte: Nicht nur dem Sozialismus laufen die Leute weg, auch »uns«. Das hat sich in den vergangenen 37 Jahren verstärkt: Das Versprechen auf soziale Gerechtigkeit und auf Frieden in der Welt findet hierzulande weniger Abnehmer. Armut bis hin zur Verelendung wächst im Land, in dem eine Oligarchie immer fetter wird. Die evangelische Kirche macht mit, wie ihre Denkschrift vom Herbst 2025 beweist. Sie hat wieder zur Aufrüstung einschließlich Atombombe gefunden. Nur vom verstorbenen Papst Franziskus waren Worte wie »Diese Wirtschaft tötet« oder zur NATO-Mitschuld am Ukraine-Krieg zu hören. Für die Kirchen hierzulande war das nie repräsentativ. Sie sind Teil des Kriegstüchtigkeitsstaates. Das Davonlaufen wird anhalten.
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Entgegen ihrer Lehre halten die es lieber mit den Mächtigen.
Sie pfeifen auf die Bergpredigt.
Nun ja, jetzt pfeifen immer mehr auf die Kirche.
So läuft das Geschäft.
Anfang 2022 gehörte erstmals seit Jahrhunderten weniger als die Hälfte der deutschen Bevölkerung den beiden großen christlichen Kirchen an. Mit mehr als 600.000 Kirchenaustritten 2025 wurde zwar nicht mehr die um bis zu 300.000 höhere Zahl vergangener Jahre erreicht, aber sie bleibt riesig, und der Unterschied zwischen Ost und West markant: In Thüringen, Sachsen-Anhalt usw. zählen die Kirchen einige hunderttausend Mitglieder, im Westen oft noch Millionen. US-Evangelikale sollen vor einigen Jahren erhoben haben, Ostdeutschland sei die gottloseste Region der Welt. Das Maß dafür ist allerdings nicht die Mitgliedschaft in einer so weltlichen Machteinrichtung wie der Kirche. Der sich ausbreitende Unglaube hat zu tun mit gesellschaftlichen Veränderungen und der Haltung der Kirchen dazu. Die färben ihre Verluste schön, obwohl allein die stark gesunkene Zahl der Taufen ihre düstere Zukunft ankündigt. In den 27 katholischen deutschen Diözesen wurden 2024 noch 29 Priester geweiht, vor drei Jahrzehnten waren es fast zehnmal so viele.
Als Ursachen für den Absturz, der gerade einsetzt, wird oft für Gläubige Nebensächliches genannt: Kirchensteuer – die spielte 1991 bei den massenhaften Kirchenaustritten in der angeschlossenen DDR eine große Rolle –, sexuelle Gewalt oder Gleichgültigkeit. Wichtiger erscheint, was Manfred Stolpe als Repräsentant der evangelischen Kirchen in der DDR im Sommer 1989 sinngemäß formulierte: Nicht nur dem Sozialismus laufen die Leute weg, auch »uns«. Das hat sich in den vergangenen 37 Jahren verstärkt: Das Versprechen auf soziale Gerechtigkeit und auf Frieden in der Welt findet hierzulande weniger Abnehmer. Armut bis hin zur Verelendung wächst im Land, in dem eine Oligarchie immer fetter wird. Die evangelische Kirche macht mit, wie ihre Denkschrift vom Herbst 2025 beweist. Sie hat wieder zur Aufrüstung einschließlich Atombombe gefunden. Nur vom verstorbenen Papst Franziskus waren Worte wie »Diese Wirtschaft tötet« oder zur NATO-Mitschuld am Ukraine-Krieg zu hören. Für die Kirchen hierzulande war das nie repräsentativ. Sie sind Teil des Kriegstüchtigkeitsstaates. Das Davonlaufen wird anhalten.
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Nun ja, jetzt pfeifen immer mehr auf die Kirche.
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