Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Gechmack zu haben.
Wer sich aber an die USA festbinden willl........
Der Schock in den EU-Hauptstädten war erheblich, als US-Präsident Trump seine Absicht kundtat, Grönland übernehmen zu wollen. Es ist unstrittig, dass Donald Trump nicht nur an Grönlands Rohstoffe will. Er und seine milliardenschweren Mitstreiter spekulieren auf einen durch die Klimakrise ermöglichten neuen „Suezkanal“ durch die Arktis, sie wollen den Bau einer von jeglicher staatlichen Regulierung freien „Freedom City“ auf dem dahinschmelzenden „großen Stück Eis“, wie der US-Präsident Grönland nennt.
Das mögen Wahnideen sein, weil sie derzeit technisch nicht umsetzbar, aber zugleich umweltpolitisch zerstörerisch, für die lokale Bevölkerung katastrophal und für die internationale Ordnung disruptiv sind. Aber hat das blanken Imperialismus je aufgehalten? Die Marschrichtung hat Vizepräsident JD Vance auf den Punkt gebracht, als er meinte: „Erst formulieren wir klar unsere Interessen, dann setzen wir sie aggressiv diplomatisch um, und wenn das nicht geht, dann eben militärisch.“
Wie dieses transatlantische Ringen um Grönland ausgehen wird, ist noch nicht ausgemacht. Absehen ist indes die nächste Attacke aus Washington. Man muss sie auf einem Feld erwarten, das bisher ziemlich unterbelichtet bleibt – dem der Finanzpolitik. So wie Trump die globale Sicherheitsarchitektur umwälzt, könnt er kurzfristig die vom US-Schutzschirm abhängigen Staaten dazu zwingen, wachsende US-Schulden mitzufinanzieren. Langfristig würde das die globale Finanzarchitektur grundlegend verändern. Da die USA hochverschuldet sind, trifft es sich gut, dass der US-Dollar internationale Leit- und Reservewährung bleibt, zu der keine Konkurrenz in Sicht ist. Der Yuan ist wegen der Kapitalverkehrskontrollen Chinas nicht frei konvertibel, gewinnt aber dank der Wirtschaftskraft des Landes an Einfluss. Dem Euro fehlt das nötige politische Rückgrat, was sich nur bei entsprechendem politischen Willen ändern ließe.
Das heißt, noch können die USA die Vorteile ihrer finanzpolitischen Sonderrolle genießen. Diese liegen darin, dass sie durch das Emittieren von Dollars stetig Einnahmen – die sogenannte Seigniorage – generieren. Wichtiger noch: Die USA haben großen finanziellen Spielraum. Sie können fast unbegrenzt Kredite aufnehmen und sich – durch Sanktionen etwa – politischen Einfluss verschaffen, wenn der internationale Handel größtenteils in Dollar abgewickelt wird. Schließlich gilt die US-Währung als sicherer Hafen und verursacht als Leitwährung geringere Transaktionskosten.
Durch Mechanismen wie das SWIFT-System, welches weltweit den länderübergreifenden Zahlungsverkehr regelt, Konditionalitäten bei der Vergabe von IWF-Krediten und die Dominanz des Petro-Dollars können sich die USA den Luxus leisten, ihre Defizite durch Gelddrucken zu finanzieren. Sie saugen so reale Werte aus dem internationalen Umfeld auf, inflationieren eigene Schulden durch an den Dollar gebundene Anleihen, setzen andere Lände Sanktionsrisiken aus und machen sie hilflos gegenüber Veränderungen einer allein an US-Interessen orientierter Geldpolitik.
Kommt es zu wirtschaftlichen Problemen, flutet die US-Zentralbank FED die Märkte, exportiert Inflation und provoziert Kapitalflucht etwa aus den Schwellenländern. Wie sagte 1971 der damalige Finanzminister John Connolly nach der Aufkündigung des bis dahin geltenden Währungssystems von Bretton Wood, das den Dollar an Gold koppelte: „Der Dollar ist unserer Währung, aber euer Problem.“
Diese Vorteile wollen die USA unter Donald Trump nicht nur aufrechterhalten, sondern verstärkt nutzen. Das „Mar-a-Lago-Konzept“, das Steven Miran, Chefberater des Weißen Hauses für Finanzpolitik entworfen hat, sieht vor, den Dollar abzuwerten, um Exporte wettbewerbsfähiger zu machen. Parallel dazu sollen erhöhte Zölle Einnahmen erbringen und ausländische Firmen veranlassen, Produktionsanlagen in die USA zu verlagern. Ferner will an die überbordenden US-Staatsschulden reduzieren, indem ausländische Gläubiger, die Zugang zum US-Markt oder militärischen Schutz wollen, dazu verpflichtet werden, langfristige Staatsanleihen mit extrem niedriger oder Null-Verzinsung zu kaufen. Dieses Vorgehen wird damit begründet, dass der Dollar durch seine Funktion als Leitwährung überbewertet sei. Das belaste die US-Wirtschaft. Darum müssten die Länder, die bislang davon profitiert hätten, künftig bezahlen.
Es winkt die nächste Kraftprobe zwischen den USA und Europa. Die Verbindlichkeiten des US-Staates liegen momentan bei 38 Billionen Dollar oder 122 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Prognosen gehen bis 2035 von einem Anstieg auf über 140 Prozent aus. Diese Entwicklung und der Gebrauch des Dollars als Waffe werden den Trend zur De-Dollarisierung zwar verstärken, doch setzt die US-Regierung dem das „Mar-a-Lago-Konzept“ und Sanktionsdrohungen entgegen.
Es wird also höchste Zeit, dass sich die EU gegen drohende Erpressungsversuche wappnet. Washington unterstützt vielerorts in Europa aus schierem Eigennutz eine nationalegoistische Tendenz. Das beste Europa wäre für Trump und seine Entourage eine zerfallene EU, die sich den Euro nicht mehr leisten kann. Mit den Einzelstaaten hätte man dann einfaches Spiel. Um das zu verhindern, wird den europäischen Staaten nichts weiter übrig bleiben, als sich wirtschafts- und finanzpolitisch zu emanzipieren und das auch durchzuhalten. Im Klartext heißt das, den Binnenmarkt zu vollenden und den Schritt zu einer Kapitalunion zu wagen. Die Alternative dazu wären wenig verlockende Zukunftsaussichten, die darin bestehen, dass man gegenüber den USA nicht nur größere langfristige Abhängigkeiten eingeht, sondern dafür auch noch zahlen muss.
Der Freitag, 19.2.2026 (Hans-Georg Ehrhart)
Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Gechmack zu haben.
Wer sich aber an die USA festbinden willl........
Der Schock in den EU-Hauptstädten war erheblich, als US-Präsident Trump seine Absicht kundtat, Grönland übernehmen zu wollen. Es ist unstrittig, dass Donald Trump nicht nur an Grönlands Rohstoffe will. Er und seine milliardenschweren Mitstreiter spekulieren auf einen durch die Klimakrise ermöglichten neuen „Suezkanal“ durch die Arktis, sie wollen den Bau einer von jeglicher staatlichen Regulierung freien „Freedom City“ auf dem dahinschmelzenden „großen Stück Eis“, wie der US-Präsident Grönland nennt.
Das mögen Wahnideen sein, weil sie derzeit technisch nicht umsetzbar, aber zugleich umweltpolitisch zerstörerisch, für die lokale Bevölkerung katastrophal und für die internationale Ordnung disruptiv sind. Aber hat das blanken Imperialismus je aufgehalten? Die Marschrichtung hat Vizepräsident JD Vance auf den Punkt gebracht, als er meinte: „Erst formulieren wir klar unsere Interessen, dann setzen wir sie aggressiv diplomatisch um, und wenn das nicht geht, dann eben militärisch.“
Wie dieses transatlantische Ringen um Grönland ausgehen wird, ist noch nicht ausgemacht. Absehen ist indes die nächste Attacke aus Washington. Man muss sie auf einem Feld erwarten, das bisher ziemlich unterbelichtet bleibt – dem der Finanzpolitik. So wie Trump die globale Sicherheitsarchitektur umwälzt, könnt er kurzfristig die vom US-Schutzschirm abhängigen Staaten dazu zwingen, wachsende US-Schulden mitzufinanzieren. Langfristig würde das die globale Finanzarchitektur grundlegend verändern. Da die USA hochverschuldet sind, trifft es sich gut, dass der US-Dollar internationale Leit- und Reservewährung bleibt, zu der keine Konkurrenz in Sicht ist. Der Yuan ist wegen der Kapitalverkehrskontrollen Chinas nicht frei konvertibel, gewinnt aber dank der Wirtschaftskraft des Landes an Einfluss. Dem Euro fehlt das nötige politische Rückgrat, was sich nur bei entsprechendem politischen Willen ändern ließe.
Das heißt, noch können die USA die Vorteile ihrer finanzpolitischen Sonderrolle genießen. Diese liegen darin, dass sie durch das Emittieren von Dollars stetig Einnahmen – die sogenannte Seigniorage – generieren. Wichtiger noch: Die USA haben großen finanziellen Spielraum. Sie können fast unbegrenzt Kredite aufnehmen und sich – durch Sanktionen etwa – politischen Einfluss verschaffen, wenn der internationale Handel größtenteils in Dollar abgewickelt wird. Schließlich gilt die US-Währung als sicherer Hafen und verursacht als Leitwährung geringere Transaktionskosten.
Durch Mechanismen wie das SWIFT-System, welches weltweit den länderübergreifenden Zahlungsverkehr regelt, Konditionalitäten bei der Vergabe von IWF-Krediten und die Dominanz des Petro-Dollars können sich die USA den Luxus leisten, ihre Defizite durch Gelddrucken zu finanzieren. Sie saugen so reale Werte aus dem internationalen Umfeld auf, inflationieren eigene Schulden durch an den Dollar gebundene Anleihen, setzen andere Lände Sanktionsrisiken aus und machen sie hilflos gegenüber Veränderungen einer allein an US-Interessen orientierter Geldpolitik.
Kommt es zu wirtschaftlichen Problemen, flutet die US-Zentralbank FED die Märkte, exportiert Inflation und provoziert Kapitalflucht etwa aus den Schwellenländern. Wie sagte 1971 der damalige Finanzminister John Connolly nach der Aufkündigung des bis dahin geltenden Währungssystems von Bretton Wood, das den Dollar an Gold koppelte: „Der Dollar ist unserer Währung, aber euer Problem.“
Diese Vorteile wollen die USA unter Donald Trump nicht nur aufrechterhalten, sondern verstärkt nutzen. Das „Mar-a-Lago-Konzept“, das Steven Miran, Chefberater des Weißen Hauses für Finanzpolitik entworfen hat, sieht vor, den Dollar abzuwerten, um Exporte wettbewerbsfähiger zu machen. Parallel dazu sollen erhöhte Zölle Einnahmen erbringen und ausländische Firmen veranlassen, Produktionsanlagen in die USA zu verlagern. Ferner will an die überbordenden US-Staatsschulden reduzieren, indem ausländische Gläubiger, die Zugang zum US-Markt oder militärischen Schutz wollen, dazu verpflichtet werden, langfristige Staatsanleihen mit extrem niedriger oder Null-Verzinsung zu kaufen. Dieses Vorgehen wird damit begründet, dass der Dollar durch seine Funktion als Leitwährung überbewertet sei. Das belaste die US-Wirtschaft. Darum müssten die Länder, die bislang davon profitiert hätten, künftig bezahlen.
Es winkt die nächste Kraftprobe zwischen den USA und Europa. Die Verbindlichkeiten des US-Staates liegen momentan bei 38 Billionen Dollar oder 122 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Prognosen gehen bis 2035 von einem Anstieg auf über 140 Prozent aus. Diese Entwicklung und der Gebrauch des Dollars als Waffe werden den Trend zur De-Dollarisierung zwar verstärken, doch setzt die US-Regierung dem das „Mar-a-Lago-Konzept“ und Sanktionsdrohungen entgegen.
Es wird also höchste Zeit, dass sich die EU gegen drohende Erpressungsversuche wappnet. Washington unterstützt vielerorts in Europa aus schierem Eigennutz eine nationalegoistische Tendenz. Das beste Europa wäre für Trump und seine Entourage eine zerfallene EU, die sich den Euro nicht mehr leisten kann. Mit den Einzelstaaten hätte man dann einfaches Spiel. Um das zu verhindern, wird den europäischen Staaten nichts weiter übrig bleiben, als sich wirtschafts- und finanzpolitisch zu emanzipieren und das auch durchzuhalten. Im Klartext heißt das, den Binnenmarkt zu vollenden und den Schritt zu einer Kapitalunion zu wagen. Die Alternative dazu wären wenig verlockende Zukunftsaussichten, die darin bestehen, dass man gegenüber den USA nicht nur größere langfristige Abhängigkeiten eingeht, sondern dafür auch noch zahlen muss.
Der Freitag, 19.2.2026 (Hans-Georg Ehrhart)