Hoffnung auf Kollaps der Demokratie in den USA
Von
Feierabend-Mitglied
Donnerstag 19.03.2026, 10:27 – geändert Donnerstag 19.03.2026, 10:34
Von
Feierabend-Mitglied
Donnerstag 19.03.2026, 10:27 – geändert Donnerstag 19.03.2026, 10:34
hat dort nicht nur die rechtsradikale Gruppe "Return To The Land" von Anführer Eric Orwoll. Sie ist eine Gemeinschaft in einem eigenen Dorf in der nur Weisse willkommen sind.
".... Orwoll stieg in den vergangenen Jahren in Amerikas rechter Szene auf, weil er eine Lücke schloss: Er übertrug mit "Return To The Land" (RTTL) eine rechtsradikale Separationslogik vom Internet in die physische Realität. Sein Dorf existiert seit 2023 und bietet eigenen Angaben zufolge mehr als 40 weißen Amerikanern mit europäischen Wurzeln und christlichem Glauben ein Zuhause.
Sie wollen eigentlich keine Presse mehr in ihrer Siedlung, doch RTTL-Präsident Orwoll will reden. In einem Park im nahen Dorf Ravenden steigt er aus einem staubigen Toyota. Groß, blond, bärtig, blaue Augen. 50 Prozent britisch, 30 Prozent norwegisch, 20 Prozent deutsch, stellt er sich vor.
Ein fester Händedruck und Orwoll nimmt mit taxierender Miene an einem Picknicktisch Platz, der Highway 62 brummt im Hintergrund. Der Mitte 30-Jährige kommt aus einer Retorten-Vorstadt bei Los Angeles – früher war sie fast ausschließlich weiß, heute mehrheitlich hispanisch. "Ich wurde als Nazi beschimpft", sagt Orwoll. "Nur weil ich blonde Haare und blaue Augen hatte."
Armdrücken und Babyprämien
Orwoll studierte klassische Musik in New York, sein YouTube-Kanal spiegelt Begeisterung für griechische Philosophie wider, in den vergangenen Jahren aber begann er zunehmend von Herkunft und Abstammung zu sprechen. Schließlich kaufte er ein etwa 100 Fußballfelder großes Grundstück in Arkansas und gründete RTTL. Ideologischer Unterbau der Gruppe ist die Verschwörungstheorie des „Großen Austauschs", wonach Einwanderung nicht-weißer Menschen gesteuert sei, um die weiße Mehrheit im Land zu entmachten.
Eine der Frauen von RTTL ist Caitlin, die ehemalige Partnerin Orwolls, inzwischen mit einem anderen Mann aus der Gemeinde zusammen. „Am besten fand ich es, den Kindern beim Spielen zuzusehen und mit den anderen Müttern zusammen zu sein", schwärmt Caitlin von einem kürzlichen Fest auf dem Gelände. Sie glaube, allen habe es gefallen, auch wenn sie bei den „Männerveranstaltungen" – Wettbaden im eiskalten Fluss und Armdrücken – natürlich nicht teilgenommen habe.
Die Rollenverteilung bei RTTL folgt einem festgelegten Muster: Männer roden, bauen und ziehen Zäune, Frauen kochen und versorgen und unterrichten die Kinder nach eigenem Lehrplan. Freitagabends kocht die Gemeinschaft zusammen, es gibt Burger und frische Ziegenmilch vom eigenen Hof. Für jedes Neugeborene zahlt RTTL Prämien, um das Wachstum der weißen Gemeinschaft zu fördern.
Der Katalysator
Extremismusforscher Peter Simi von der Chapman University in Kalifornien beobachtet die Ausbreitung rechter Gruppen in den USA seit den 90ern. Als Katalysator der letzten Jahre nennt er die Wahl Barack Obamas zum ersten schwarzen US-Präsidenten 2008: „Am Wahlabend musste Stormfront, die größte Webseite weißer Rassisten, aufgrund des enormen Besucherandrangs abgeschaltet werden." Auch die Proteste nach Tötungen schwarzer Amerikaner durch weiße Polizisten wie etwa bei der Black-Lives-Matter-Bewegung 2020 nutzten die Rechten zur Mobilisierung, erklärt Simi.
Die moderate Rhetorik von RTTL und die Beteuerung, man wolle nur friedlich unter sich bleiben, sei dem Professor zufolge vor allem eines: eine Strategie. „Das sind lupenreine Rassisten, die versuchen, eine segregierte Gesellschaft zu errichten", erklärt Cassie Miller vom Southern Poverty Law Center. Es ginge darum, Parallelgesellschaften kulturell zu normalisieren und in alle Teile der Vereinigten Staaten auszudehnen – und damit nach Sklaverei und den Zeiten der Jim-Crow-Gesetze „eine zentrale Errungenschaft der Bürgerrechtsbewegung rückgängig zu machen".
Orwoll und seine Gruppe nutzen Miller zufolge dabei die Einsamkeit von Menschen aus. Sie machten – fälschlicherweise – gesellschaftliche Vielfalt und Menschen anderer Hautfarben für die Isolation verantwortlich. Die Mobilisierung am rechten Rand zeigt sich auch in den Zahlen der US-Bundespolizei FBI. Ihr zufolge stieg die Zahl rassistisch motivierter Verbrechen gegen Schwarze in den vergangenen Jahren im Vergleich mit 2019 auf etwa das Doppelte. Die Rechte Ideologie ist überall im Land auf dem Vormarsch.
Spiel mit der Mäßigung
Er glaube nicht, dass weiße Menschen Anderen überlegen seien, beteuert Orwoll auf der Picknickbank. Er wolle nur friedlich mit Gleichgesinnten leben, bedrohe niemanden – und natürlich dürften Schwarze oder Juden das alles genauso.
Doch es existiert auch noch ein anderer Eric Orwoll. Einer, der bei einem Besuch eines Teams der New York Times versucht hatte, sein Exemplar von Hitlers „Mein Kampf" im Regal zu verstecken, bevor der Fotograf den Buchrücken ablichten konnte. Einer, der seiner Gefolgschaft im Internet zuruft: "Ihr werdet Hitler 2.0 bekommen, wenn ihr ihn verdient habt. Er wird nicht einfach so auftauchen, wenn sich niemand anstrengt. Wir müssen uns anstrengen. Wer den Sieg will, muss ihn sich verdienen."
Für US-Präsident Donald Trump hat Orwoll dagegen keine Bewunderung übrig – dieser habe nicht einmal die für Minneapolis angekündigten Abschiebungen durchgesetzt. Doch der Präsident biete einen nie dagewesenen Schutz: "Solange Trump im Amt ist, nach diesem Rechtsruck, sind wir in der seltenen Lage, dass die Generalstaatsanwältin keine Ermittlungen gegen eine Gruppe wie unsere einleiten würde", meint Orwoll.
Trumps Geschichte als Türöffner für Rechtsradikale ist lang. Als 2017 in Charlottesville Neonazis mit Fackeln marschierten und ein Rechtsextremer eine Gegendemonstrantin mit dem Auto tötete, sprach Trump von „sehr guten Leuten auf beiden Seiten." 2020 wandte er sich in einer TV-Debatte direkt an die rechtsradikale Gruppe Proud Boys: „Tretet zurück und haltet euch bereit."
Diese feierten es als Marschbefehl und führten wenige Monate später – angestachelt von Trump – den Sturm aufs Kapitol an. Trump begnadigte alle nach seiner Rückkehr zur Macht. In seiner zweiten Amtszeit schwächte er die FBI-Antiterror-Abteilungen systematisch. Trumps nationale Sicherheitsstrategie bedient sich der Rhetorik des „Großen Austauschs" und er betont den rechten Kampfbegriff „Remigration" als Ziel seiner Politik.
In diesem Klima blieb RTTL bisher von strafrechtlichen Schritten verschont. Die Gruppe bezeichnet sich als privaten Club – und umgeht damit bislang die Regeln des Wohnmarktes.
Laut Experte Simi sehen viele Rechtsextreme die Trump-Regierung als eine, die ihnen die Arbeit abnimmt. Die Republikanische Partei sei heute fundamental verändert – auch über Trumps Präsidentschaft hinaus. Das Fazit des Forschers ist düster: "Wir sind im tiefroten Bereich. Alle Systeme werden derzeit angegriffen, was unser demokratisches Regierungssystem angeht. Und wenn das noch lange so weitergeht, weiß ich nicht, ob wir noch eine Demokratie haben."
Eine eigene Welt
Eine Aussicht, die Orwoll kaum stören dürfte. Trump sei die "größte Chance", die er und andere Rechtsradikale je gehabt hätten, meint er. Ziel sei eine "voll funktionsfähige Parallelgesellschaft", sagt Orwoll. Eigene Banken, eigene Versorgung, eine eigene Wirtschaft. "Wenn das etablierte System entweder dysfunktional und inkompetent wird oder komplett zusammenbricht, wenn es zu einem Ereignis, einer Naturkatastrophe, einem Krieg oder Ähnlichem kommt, dann machen wir hier unser eigenes Ding", erklärt der Anführer...."
Externer Inhalt
Dieser Inhalt wird nicht von Feierabend.de bereitgestellt. Du kannst ihn nur lesen, wenn Du zustimmst, dass er von derstandard.at nachgeladen wird. Bist Du einverstanden, dass externe Inhalte nachgeladen werden? Mehr dazu erfährst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.
einverstanden
Leider ist ein solcher Trend auch hierzulande zu beobachten.