Die Stimmung könnte besser sein: Ein Jahr, nachdem die schwarz-rote Koalition ihre Arbeit aufgenommen hat, macht sich in der deutschen Wirtschaft Ernüchterung breit.(….)
„Gleichzeitig spüre ich auch den Ehrgeiz der Regierung, endlich den großen Wurf zu wagen“, betonte Kamieth bei einer Veranstaltung am Dienstag, die auf den Vortag des ersten Geburtstages der schwarz-roten Regierung fiel. (….) aus.
Handwerkspräsident Jörg Dittrich wurde noch deutlicher. Ein Jahr nach dem Regierungsstart sei aus der anfänglichen Erwartung eines wirtschaftspolitischen Aufbruchs „spürbare Ernüchterung und vielerorts deutlicher Frust“ geworden, bilanzierte der Dresdner Dachdeckermeister und Chef des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). „Die Hoffnung auf eine Reformwende hat sich bislang nicht erfüllt.“ (….)
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für Deutschland längst nach unten korrigiert. Nach der Eskalation am Golf und ihren Folgen für die Energiemärkte trauen sie der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt in diesem Jahr nur ein Wachstum von 0,6 Prozent zu. Das ist zwar ein Plus, taugt aber nicht gerade für Jubelstürme.
Umso dringender werden die Reformen im Inland. Beispiel Wohnungsbau: Das Pestel-Institut in Hannover rechnete kürzlich vor, dass 1,4 Millionen Wohnungen fehlen, vor allem bezahlbare. Dass dringend mehr gebaut werden muss, ist bei Schwarz-Rot prinzipiell angekommen.
Bauministerin Verena Hubertz (SPD) hat den „Bauturbo“ angestoßen, der Genehmigungen beschleunigen soll. Und tatsächlich steigt die Anzahl der Baugenehmigungen seit einiger Zeit. Allein im Februar betrug der Zuwachs 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das ist zwar prinzipiell ein gutes Zeichen, allerdings ist das Ausgangsniveau gering. Hinzu kommt, dass eine Baugenehmigung noch längst kein fertiges Haus bedeutet, in dem Menschen leben können. (….) Auch beim Tag der deutschen Bauindustrie in Berlin, zu dem der Branchenverband HDB am Donnerstag die Spitzen aus Politik und Wirtschaft empfangen hat, spielte die Bilanz des ersten Merz-Jahres eine Rolle. Und die ist durchwachsen.
„Statt Umsetzungs- herrscht leider noch Ankündigungsmodus“, heißt es in einem Bilanzpapier des Verbandes. Angesichts der vielen ambitionierten Ankündigungen im Koalitionsvertrag sei die Erwartungshaltung eigentlich groß gewesen. (….) „Die Botschaften klingen gut, und wir möchten sie glauben – doch die Regierung macht es uns schwer.“
Sie komme aus dem Ankündigungsmodus nicht heraus und wirke wie gelähmt, „obwohl im Koalitionsvertrag so viele gute Dinge vereinbart worden sind“, wie Müller betont. Der große Reform-Turbo lasse aber auf sich warten. „Das ist bitter, weil große Teile der Bevölkerung genau diesen erwarten.“ Die Branche selbst habe zu wenige Aufträge im Infrastrukturbereich, bei vielen Bauherren gebe es wieder vermehrt Sorgen um die Finanzierung.
Einer, der sich im Wahlkampf hinter Merz gestellt hatte, ist Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger – „damit es mit der deutschen Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs geht“, ließ er sich im vergangenen Jahr zitieren. Mittlerweile hat Dulger immer wieder Reformen angemahnt – und zuletzt in einem Interview seinem Unmut Luft gemacht. „Unter Arbeitgebern habe ich schon lange nicht mehr so viel Enttäuschung über die Arbeit einer Bundesregierung erlebt“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“. Diese Enttäuschung sei tief und wachse weiter.
Merz weiß, dass der Frust wächst. „Ich weiß, die Stimmung im Land ist kritisch. Sie ist sogar sehr kritisch“, sagte der Bundeskanzler, als er beim CDU-Wirtschaftstag das Wort ergriff.
Zugleich warnte er davor, alles schlechtzureden. Die Krisenerzählung habe sich inzwischen weitgehend verselbstständigt, sagte der Kanzler. Er selbst gab sich überzeugt: „Deutschland hat die Kraft für Reformen, Deutschland hat die Kraft für einen neuen Aufbruch.“
Jetzt müssten das nur noch die Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter so sehen. Frankfurter Rundschau, 8.5.2026
Die Bürger, die Springer-Presse und jetzt noch die Spender, es wird bitter. Dabei findet er sich doch selber so toll.
Der große Wurf bleibt aus. Warum? Wer bremst? Die SPD? Wird ja oft behauptet. Warum kann die SPD bremsen? Ist Merz so schwach?
„Das ist bitter, weil große Teile der Bevölkerung genau diesen erwarten.“
Wer kennt noch Franz Müntefering (SPD): „Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair!“
„Ich weiß, die Stimmung im Land ist kritisch. Sie ist sogar sehr kritisch“, sagte der Bundeskanzler.
Immerhin weiß er das.
„Deutschland hat die Kraft für Reformen, Deutschland hat die Kraft für einen neuen Aufbruch.“
Aha, Deutschland hat die Kraft. Und der Kanzler mit seinem Kabinett?
Mir kommt es vor wie ein Pfarrer. Der erzählt uns auch was von einem Paradies. Das kommt auch, ganz bestimmt. Nur nicht drängeln. Und überhaupt, vorher müssen wir erst sterben.
Die Stimmung könnte besser sein: Ein Jahr, nachdem die schwarz-rote Koalition ihre Arbeit aufgenommen hat, macht sich in der deutschen Wirtschaft Ernüchterung breit.(….)
„Gleichzeitig spüre ich auch den Ehrgeiz der Regierung, endlich den großen Wurf zu wagen“, betonte Kamieth bei einer Veranstaltung am Dienstag, die auf den Vortag des ersten Geburtstages der schwarz-roten Regierung fiel. (….) aus.
Handwerkspräsident Jörg Dittrich wurde noch deutlicher. Ein Jahr nach dem Regierungsstart sei aus der anfänglichen Erwartung eines wirtschaftspolitischen Aufbruchs „spürbare Ernüchterung und vielerorts deutlicher Frust“ geworden, bilanzierte der Dresdner Dachdeckermeister und Chef des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). „Die Hoffnung auf eine Reformwende hat sich bislang nicht erfüllt.“ (….)
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für Deutschland längst nach unten korrigiert. Nach der Eskalation am Golf und ihren Folgen für die Energiemärkte trauen sie der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt in diesem Jahr nur ein Wachstum von 0,6 Prozent zu. Das ist zwar ein Plus, taugt aber nicht gerade für Jubelstürme.
Umso dringender werden die Reformen im Inland. Beispiel Wohnungsbau: Das Pestel-Institut in Hannover rechnete kürzlich vor, dass 1,4 Millionen Wohnungen fehlen, vor allem bezahlbare. Dass dringend mehr gebaut werden muss, ist bei Schwarz-Rot prinzipiell angekommen.
Bauministerin Verena Hubertz (SPD) hat den „Bauturbo“ angestoßen, der Genehmigungen beschleunigen soll. Und tatsächlich steigt die Anzahl der Baugenehmigungen seit einiger Zeit. Allein im Februar betrug der Zuwachs 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das ist zwar prinzipiell ein gutes Zeichen, allerdings ist das Ausgangsniveau gering. Hinzu kommt, dass eine Baugenehmigung noch längst kein fertiges Haus bedeutet, in dem Menschen leben können. (….) Auch beim Tag der deutschen Bauindustrie in Berlin, zu dem der Branchenverband HDB am Donnerstag die Spitzen aus Politik und Wirtschaft empfangen hat, spielte die Bilanz des ersten Merz-Jahres eine Rolle. Und die ist durchwachsen.
„Statt Umsetzungs- herrscht leider noch Ankündigungsmodus“, heißt es in einem Bilanzpapier des Verbandes. Angesichts der vielen ambitionierten Ankündigungen im Koalitionsvertrag sei die Erwartungshaltung eigentlich groß gewesen. (….) „Die Botschaften klingen gut, und wir möchten sie glauben – doch die Regierung macht es uns schwer.“
Sie komme aus dem Ankündigungsmodus nicht heraus und wirke wie gelähmt, „obwohl im Koalitionsvertrag so viele gute Dinge vereinbart worden sind“, wie Müller betont. Der große Reform-Turbo lasse aber auf sich warten. „Das ist bitter, weil große Teile der Bevölkerung genau diesen erwarten.“ Die Branche selbst habe zu wenige Aufträge im Infrastrukturbereich, bei vielen Bauherren gebe es wieder vermehrt Sorgen um die Finanzierung.
Einer, der sich im Wahlkampf hinter Merz gestellt hatte, ist Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger – „damit es mit der deutschen Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs geht“, ließ er sich im vergangenen Jahr zitieren. Mittlerweile hat Dulger immer wieder Reformen angemahnt – und zuletzt in einem Interview seinem Unmut Luft gemacht. „Unter Arbeitgebern habe ich schon lange nicht mehr so viel Enttäuschung über die Arbeit einer Bundesregierung erlebt“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“. Diese Enttäuschung sei tief und wachse weiter.
Merz weiß, dass der Frust wächst. „Ich weiß, die Stimmung im Land ist kritisch. Sie ist sogar sehr kritisch“, sagte der Bundeskanzler, als er beim CDU-Wirtschaftstag das Wort ergriff.
Zugleich warnte er davor, alles schlechtzureden. Die Krisenerzählung habe sich inzwischen weitgehend verselbstständigt, sagte der Kanzler. Er selbst gab sich überzeugt: „Deutschland hat die Kraft für Reformen, Deutschland hat die Kraft für einen neuen Aufbruch.“
Jetzt müssten das nur noch die Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter so sehen. Frankfurter Rundschau, 8.5.2026
Die Bürger, die Springer-Presse und jetzt noch die Spender, es wird bitter. Dabei findet er sich doch selber so toll.
Der große Wurf bleibt aus. Warum? Wer bremst? Die SPD? Wird ja oft behauptet. Warum kann die SPD bremsen? Ist Merz so schwach?
„Das ist bitter, weil große Teile der Bevölkerung genau diesen erwarten.“
Wer kennt noch Franz Müntefering (SPD): „Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair!“
„Ich weiß, die Stimmung im Land ist kritisch. Sie ist sogar sehr kritisch“, sagte der Bundeskanzler.
Immerhin weiß er das.
„Deutschland hat die Kraft für Reformen, Deutschland hat die Kraft für einen neuen Aufbruch.“
Aha, Deutschland hat die Kraft. Und der Kanzler mit seinem Kabinett?
Mir kommt es vor wie ein Pfarrer. Der erzählt uns auch was von einem Paradies. Das kommt auch, ganz bestimmt. Nur nicht drängeln. Und überhaupt, vorher müssen wir erst sterben.