Ach, es wird der Schah von seinen Untertanen heiß verehrt, / Auch bezüglich seiner Güte hat sich noch kein Mensch beschwert – spottete Süverkrüp 1967 über den Vater des Sohns des Vaters. Im selben Jahr besuchte Pahlavi père Westberlin, der Sohn war da sieben. Auf fremdem Hoheitsgebiet durften herangekarrte Jubelperser Studenten mit Holzlatten verprügeln, die Polizei Berlins gab Flankenschutz. Bürgermeister damals: ein sicherer Heinrich Albertz, er hatte aus Ernst Reuters »Schaut auf diese Stadt« ein »Haut auf diese Stadt« gemacht.
Dieser Tage weilt der Sohn in Berlin. Allein, niemand Offizielles wollte mit Pahlavi palavern. Reaktionen bekam Berlins beachtetster Tourist in Form von Tomatensoße und Zeitungsartikeln. Die Volksstimme aus Magdeburg bleibt skeptisch: Die Iraner dürften »vom Regen in die Traufe geraten«. Vielleicht doch eher von der Traufe in den Regen. Bei aller gebotenen Abneigung fällt die Vorstellung schwer, ein Herrscher Pahlavi könnte dem Iran noch mehr an Unmenschlichkeit hinzusetzen, als die gegenwärtige Frauen knechtende, Homosexuelle hinrichtende, Ehe mit Minderjährigen deckende, den Mahdiismus in die Tagespolitik tragende, munter folternde und hinrichtende Hierokratie garantiert. Common sense ist der Ort, wo ein Fehler immer nur mit einem anderen beantwortet wird. Niemand aber ist gezwungen, Scheiße nach Geruch zu sortieren.
Die nordrhein-westfälische Glocke delegitimiert den Nichtlegitimierten: Pahlavi sei »mitnichten der Vertreter sämtlicher oppositioneller Iraner«, was gelinde gesagt korrekt ist. Wie auch: »Als Sohn des letzten iranischen Schahs hat er sich nicht von den Verbrechen (…) seines Vaters (…) distanziert.« Die Herrschaft der Mullahs »bald fallen« sieht die Taz. Es haben sich schon Zeitungen mit weniger gewagten Prognosen blamiert. Pahlavi sei jedoch »nur für seine Fans« interessant. Zu denen offenbar die Redaktion des Cicero zählt. Dort weiß man ganz genau, dass der Berufssohn »im eigenen Land sichtbar an Zuspruch gewonnen« hat. Der Mann, der sich von seinem Vater nicht distanzieren möchte, wird »Hoffnungsfigur einer demokratischen Zukunft« genannt.
Die Nürnberger Nachrichten üben sich derweil in Politischer Weltkunde: Iraner, die die »US-Intervention« begrüßt haben, »unterlagen (…) einem tödlichen Missverständnis in bezug auf die Definition des Begriffs Regimewechsel«. Tatsächlich hat das Wort nie was anderes bedeutet als den von außen – militärisch, geheimdienstlich, medial – gepushten Eingriff in einen souveränen Staat. Schiefging das übrigens so gut wie immer. Entweder sprangen ungezählte Menschen über die Klinge für genau null Veränderung, oder aber das Land stürzte in ein behemothisches Chaos, das schlimmer war als der Zustand davor. (fb)
Externer Inhalt
Dieser Inhalt wird nicht von Feierabend.de bereitgestellt. Du kannst ihn nur lesen, wenn Du zustimmst, dass er von jungewelt.de nachgeladen wird. Bist Du einverstanden, dass externe Inhalte nachgeladen werden? Mehr dazu erfährst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.
»Als Sohn des letzten iranischen Schahs hat er sich nicht von den Verbrechen (…) seines Vaters (…) distanziert.«
Stimmt, er verehrt ihn immer noch, denn für ihn ware das keine Verbrechen.
Man könnte also wissen, was unter ihm im Iran passieren würde. Aber das hat uns ja noch nie interessiert.
Im Iran weiß man das aber auch.
Die FR schreibt (auszugsweise):
»In einem offenen Brief an Bundestagspräsidentin Klöckner (CDU) warnen frühere Abgeordnete und Wissenschaftler:innen, Pahlavi habe sich nie klar von den Verbrechen der Monarchie distanziert. Noch im April bezeichnete er in einer TV-Sendung in Schweden die blutige Bilanz des Vaters als Quelle des Stolzes. Das verschweige, so die Unterzeichner:innen, „die ethnischen Massaker, die Einparteienstruktur sowie Folter, politische Repression und Überwachung“ durch die damalige Geheimpolizei Savak.
Während der Pressekonferenz weicht Reza Pahlavi kritischen, zentralen Fragen aus, greift auf Floskeln zurück. Wird nachgehakt, reagiert er mitunter scharf. Ob er so überzeugt, bleibt fraglich. CDU-Außenpolitiker Armin Laschet allerdings betrachtet den Exil-Oppositionellen als möglichen Wegbereiter eines demokratischen Übergangs im Iran. „Ich bin überzeugt, dass er eine Person sein kann, die einen Übergang leitet“, sagte Laschet in der ARD.«
Ach, es wird der Schah von seinen Untertanen heiß verehrt, / Auch bezüglich seiner Güte hat sich noch kein Mensch beschwert – spottete Süverkrüp 1967 über den Vater des Sohns des Vaters. Im selben Jahr besuchte Pahlavi père Westberlin, der Sohn war da sieben. Auf fremdem Hoheitsgebiet durften herangekarrte Jubelperser Studenten mit Holzlatten verprügeln, die Polizei Berlins gab Flankenschutz. Bürgermeister damals: ein sicherer Heinrich Albertz, er hatte aus Ernst Reuters »Schaut auf diese Stadt« ein »Haut auf diese Stadt« gemacht.
Dieser Tage weilt der Sohn in Berlin. Allein, niemand Offizielles wollte mit Pahlavi palavern. Reaktionen bekam Berlins beachtetster Tourist in Form von Tomatensoße und Zeitungsartikeln. Die Volksstimme aus Magdeburg bleibt skeptisch: Die Iraner dürften »vom Regen in die Traufe geraten«. Vielleicht doch eher von der Traufe in den Regen. Bei aller gebotenen Abneigung fällt die Vorstellung schwer, ein Herrscher Pahlavi könnte dem Iran noch mehr an Unmenschlichkeit hinzusetzen, als die gegenwärtige Frauen knechtende, Homosexuelle hinrichtende, Ehe mit Minderjährigen deckende, den Mahdiismus in die Tagespolitik tragende, munter folternde und hinrichtende Hierokratie garantiert. Common sense ist der Ort, wo ein Fehler immer nur mit einem anderen beantwortet wird. Niemand aber ist gezwungen, Scheiße nach Geruch zu sortieren.
Die nordrhein-westfälische Glocke delegitimiert den Nichtlegitimierten: Pahlavi sei »mitnichten der Vertreter sämtlicher oppositioneller Iraner«, was gelinde gesagt korrekt ist. Wie auch: »Als Sohn des letzten iranischen Schahs hat er sich nicht von den Verbrechen (…) seines Vaters (…) distanziert.« Die Herrschaft der Mullahs »bald fallen« sieht die Taz. Es haben sich schon Zeitungen mit weniger gewagten Prognosen blamiert. Pahlavi sei jedoch »nur für seine Fans« interessant. Zu denen offenbar die Redaktion des Cicero zählt. Dort weiß man ganz genau, dass der Berufssohn »im eigenen Land sichtbar an Zuspruch gewonnen« hat. Der Mann, der sich von seinem Vater nicht distanzieren möchte, wird »Hoffnungsfigur einer demokratischen Zukunft« genannt.
Die Nürnberger Nachrichten üben sich derweil in Politischer Weltkunde: Iraner, die die »US-Intervention« begrüßt haben, »unterlagen (…) einem tödlichen Missverständnis in bezug auf die Definition des Begriffs Regimewechsel«. Tatsächlich hat das Wort nie was anderes bedeutet als den von außen – militärisch, geheimdienstlich, medial – gepushten Eingriff in einen souveränen Staat. Schiefging das übrigens so gut wie immer. Entweder sprangen ungezählte Menschen über die Klinge für genau null Veränderung, oder aber das Land stürzte in ein behemothisches Chaos, das schlimmer war als der Zustand davor. (fb)
Externer Inhalt
Dieser Inhalt wird nicht von Feierabend.de bereitgestellt. Du kannst ihn nur lesen, wenn Du zustimmst, dass er von jungewelt.de nachgeladen wird. Bist Du einverstanden, dass externe Inhalte nachgeladen werden? Mehr dazu erfährst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.
einverstanden
»Als Sohn des letzten iranischen Schahs hat er sich nicht von den Verbrechen (…) seines Vaters (…) distanziert.«
Stimmt, er verehrt ihn immer noch, denn für ihn ware das keine Verbrechen.
Man könnte also wissen, was unter ihm im Iran passieren würde. Aber das hat uns ja noch nie interessiert.
Im Iran weiß man das aber auch.
Die FR schreibt (auszugsweise):
»In einem offenen Brief an Bundestagspräsidentin Klöckner (CDU) warnen frühere Abgeordnete und Wissenschaftler:innen, Pahlavi habe sich nie klar von den Verbrechen der Monarchie distanziert. Noch im April bezeichnete er in einer TV-Sendung in Schweden die blutige Bilanz des Vaters als Quelle des Stolzes. Das verschweige, so die Unterzeichner:innen, „die ethnischen Massaker, die Einparteienstruktur sowie Folter, politische Repression und Überwachung“ durch die damalige Geheimpolizei Savak.
Während der Pressekonferenz weicht Reza Pahlavi kritischen, zentralen Fragen aus, greift auf Floskeln zurück. Wird nachgehakt, reagiert er mitunter scharf. Ob er so überzeugt, bleibt fraglich. CDU-Außenpolitiker Armin Laschet allerdings betrachtet den Exil-Oppositionellen als möglichen Wegbereiter eines demokratischen Übergangs im Iran. „Ich bin überzeugt, dass er eine Person sein kann, die einen Übergang leitet“, sagte Laschet in der ARD.«