Von Harvey11
Freitag 30.10.2026, 14:29 – geändert Freitag 30.10.2026, 18:50
Es ist fürwahr eine hoffentlich nur kurze, Modeerscheinung, das zu glauben was wir glauben sollen, statt das Offensichtliche zu erkennen und unsere Schlüsse daraus zu ziehen.
Da reist Selenskyj nach Oslo, um sich dort, nicht in Kiew, mit Steve Witkoff zu treffen. Dieser fliegt danach nach St. Petersburg um sich dort, wo auch sonst, mit Putin zu treffen. Man sollte jetzt nicht glauben, dass die US-Diplomatie zur Ungleichbehandlung neige, weil sie in der Ukraine und Russland keine gleichrangigen Mitspieler sieht. Oder Ergebnis eines Bedeutungsgefälle? Man könnte es erklären mit der angespannten militärischen Lage in der Ukraine, der unzureichende Luftabwehr, den fehlenden Soldaten, dem faktischen Staatsbankrott und der Kluft zwischen dem ukrainischen Finanzbedarfs und den schwindenden Fähigkeiten der EU, dem gerecht zu werden. Nicht umsonst fürchten Länder wie Frankreich, Italien, Spanien, Portugal oder Belgien wegen schwindender Bonität die nächsten Rankings von Agenturen wie Standard & Poor’s oder Moody‘s.
Entscheidender ist jedoch, dass der Krieg stört. Da wächst eine neue Weltordnung und da ist er im Weg. Ein Praxistest wäre das Treffen Trump, Xi Jinping und Putin. Zuschauen müsste das Europa der Ukraine-Willigen und vermutlich auch Selenskyj.
Trump hat ihm ja offen klar gemacht, aus der Zeit gefallen zu sein. Er poche auf ein Mandat, welches längst abgelaufen sei. Die Ukraine scheint für die USA immer noch ein strategischer Brückenkopf in Europa zu sein, der aber nicht mehr gegen, sondern mit Russland gehalten werden soll. Die Kampfhandlungen stehen da eben einem Interessensabgleich im Wege und darum werden sie von Selenskyj an der Seite Deutschlands und anderer Verbündeter weiter geführt. Diese Nachkriegsordnung soll verhindert werden, so lange es geht.
Aber da gibt es auch Trump. Diese Nachkriegsordnung würde nicht durch ihn kommen, wie er gerne erzählt. Es wäre eine Friedenserzwingung in Folge eines erschütterten transatlantischen Verhältnisses. Der Kriegsfall Ukraine wurde mittlerweile zum so nicht erwarteten Ernstfall für das westliche Bündnis und damit zum Präzedenzfall für die NATO. Und das kommt einer US-Regierung zu Gute, die sich an Europa schadlos halten will. Je länger dieser Krieg dauert, desto näher kommt sie diesem Ziel. Aus Interessenunterschieden werden immer deutlicher -gegensätze. Wenn die USA heute zu Kiew auf Distanz gehen, dann werden sie morgen nicht die NATO einsetzen und führen um Kiew zu retten. Wenn Selenskyj im Interview sagt, dass er sich von Trump verraten fühlt, dann hat wenigstens er das kapiert.
Und das in einer Situation, in der die Stabilität und Wehrfähigkeit der NATO am Ukraine-Beistand gemessen wird. Und nur da. Man möge sich erinnern: Nach Trumps zweite Amtsübernahme 2025 wurde aus Bidens – wir sind ein mustergültiger Alliierter in der Pro-Ukraine-Front – ein vages „vielleicht“. Erst ließ Trump Selenskyj im Weißen Haus spüren, für wie unwichtig er in hält, dann den Waffen- und Munitionsnachschub drosseln und von den Europäern bezahlen, was noch geliefert wurde. Der angekündigte Nachbau von Patriots-Luftabwehrraketen erwies sich als Scherz.
Nun werden Selenskyj die Instrumente gezeigt, wenn ihm US-Satellitenaufklärung im Luftkrieg mit Russland zeitweise nicht zur Verfügung stehen. Letztlich ist es nicht wichtig, wer den gedrosselten Daten-Service von Starlink und Starshield veranlasst hat. Das könnte man als vorletzte Warnung oder Entscheidungshilfe für Kiew ansehen, dass sie vor Beginn des nächsten Kriegswinter über eine Alternative nachdenken: Sollen die noch in den Streitkräften verbliebenen Ukrainer weiterkämpfen, den fortschreitenden Ruin ihres Landes vor Augen, oder wäre es angebracht, die Zeichen der Zeit zu erkennen?
Trump wird einen Fehler wie den Iran-Feldzug in der Ukraine nicht wiederholen. Er steht für den Wunsch nach einer von den Großmächten auszuhandelnden globalen Ordnung, die ein Stabilitätsversprechen enthält, das auf Macht gründet und so den Vereinten Nationen verwehrt bleibt. Ob es eingelöst werden kann wird sich zeigen. Aber ist es sinnvoll, schon jetzt dagegen anzugehen? Dass es mal so kommt war doch schon sehr lange abzusehen. Darauf hat man kräftig hingearbeitet.
Selenskyj erneuerte nach den letzten Witkoff-Sondierungen das Angebot, die Fronten einzufrieren. Also unter Umständen auf Regionen zu verzichten, die unter russischer Kontrolle stehen. Aber genügt das Moskau? Man darf zweifeln. Nach diesen langen und verlustreichen Krieg auf den Donbass verzichten?
Russlands Abstieg im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert wiegt zu schwer, um sich das politisch leisten zu können.
Übrigens: Verliert die Ukraine viel Territorium, dann ist das aus russischer Sicht im Hinblick auf die NATO-Aufnahme mehr wert als Verträge oder Absichtserklärungen. Staaten mit offenen Territorialkonflikten wurden bisher als Mitglieder weitgehend vermieden. Die NATO sah sie als potenzielle Kriegskandidaten, mit denen die gesamte Allianz in die Beistandspflicht geraten könnte.
Dass Selenskyj stinkesauer ist – okay. Aber er hat sich von USA und NATO mit Versprechungen in ein riskantes Abenteuer locken lassen, die sie jetzt nicht einlösen wollen. Dafür lässt er sie zahlen und die Willigen übernehmen den Anteil der USA gleich mit. Wie schuldig müssen die sich fühlen.
Und die Ukrainische Bevölkerung? Die wurde damals so wenig gefragt wie heute wieder. Also ein ganz demokratischer Verlauf.
Frei nach der Freitag vom 29.10.2026
Es ist fürwahr eine hoffentlich nur kurze, Modeerscheinung, das zu glauben was wir glauben sollen, statt das Offensichtliche zu erkennen und unsere Schlüsse daraus zu ziehen.
Da reist Selenskyj nach Oslo, um sich dort, nicht in Kiew, mit Steve Witkoff zu treffen. Dieser fliegt danach nach St. Petersburg um sich dort, wo auch sonst, mit Putin zu treffen. Man sollte jetzt nicht glauben, dass die US-Diplomatie zur Ungleichbehandlung neige, weil sie in der Ukraine und Russland keine gleichrangigen Mitspieler sieht. Oder Ergebnis eines Bedeutungsgefälle? Man könnte es erklären mit der angespannten militärischen Lage in der Ukraine, der unzureichende Luftabwehr, den fehlenden Soldaten, dem faktischen Staatsbankrott und der Kluft zwischen dem ukrainischen Finanzbedarfs und den schwindenden Fähigkeiten der EU, dem gerecht zu werden. Nicht umsonst fürchten Länder wie Frankreich, Italien, Spanien, Portugal oder Belgien wegen schwindender Bonität die nächsten Rankings von Agenturen wie Standard & Poor’s oder Moody‘s.
Entscheidender ist jedoch, dass der Krieg stört. Da wächst eine neue Weltordnung und da ist er im Weg. Ein Praxistest wäre das Treffen Trump, Xi Jinping und Putin. Zuschauen müsste das Europa der Ukraine-Willigen und vermutlich auch Selenskyj.
Trump hat ihm ja offen klar gemacht, aus der Zeit gefallen zu sein. Er poche auf ein Mandat, welches längst abgelaufen sei. Die Ukraine scheint für die USA immer noch ein strategischer Brückenkopf in Europa zu sein, der aber nicht mehr gegen, sondern mit Russland gehalten werden soll. Die Kampfhandlungen stehen da eben einem Interessensabgleich im Wege und darum werden sie von Selenskyj an der Seite Deutschlands und anderer Verbündeter weiter geführt. Diese Nachkriegsordnung soll verhindert werden, so lange es geht.
Aber da gibt es auch Trump. Diese Nachkriegsordnung würde nicht durch ihn kommen, wie er gerne erzählt. Es wäre eine Friedenserzwingung in Folge eines erschütterten transatlantischen Verhältnisses. Der Kriegsfall Ukraine wurde mittlerweile zum so nicht erwarteten Ernstfall für das westliche Bündnis und damit zum Präzedenzfall für die NATO. Und das kommt einer US-Regierung zu Gute, die sich an Europa schadlos halten will. Je länger dieser Krieg dauert, desto näher kommt sie diesem Ziel. Aus Interessenunterschieden werden immer deutlicher -gegensätze. Wenn die USA heute zu Kiew auf Distanz gehen, dann werden sie morgen nicht die NATO einsetzen und führen um Kiew zu retten. Wenn Selenskyj im Interview sagt, dass er sich von Trump verraten fühlt, dann hat wenigstens er das kapiert.
Und das in einer Situation, in der die Stabilität und Wehrfähigkeit der NATO am Ukraine-Beistand gemessen wird. Und nur da. Man möge sich erinnern: Nach Trumps zweite Amtsübernahme 2025 wurde aus Bidens – wir sind ein mustergültiger Alliierter in der Pro-Ukraine-Front – ein vages „vielleicht“. Erst ließ Trump Selenskyj im Weißen Haus spüren, für wie unwichtig er in hält, dann den Waffen- und Munitionsnachschub drosseln und von den Europäern bezahlen, was noch geliefert wurde. Der angekündigte Nachbau von Patriots-Luftabwehrraketen erwies sich als Scherz.
Nun werden Selenskyj die Instrumente gezeigt, wenn ihm US-Satellitenaufklärung im Luftkrieg mit Russland zeitweise nicht zur Verfügung stehen. Letztlich ist es nicht wichtig, wer den gedrosselten Daten-Service von Starlink und Starshield veranlasst hat. Das könnte man als vorletzte Warnung oder Entscheidungshilfe für Kiew ansehen, dass sie vor Beginn des nächsten Kriegswinter über eine Alternative nachdenken: Sollen die noch in den Streitkräften verbliebenen Ukrainer weiterkämpfen, den fortschreitenden Ruin ihres Landes vor Augen, oder wäre es angebracht, die Zeichen der Zeit zu erkennen?
Trump wird einen Fehler wie den Iran-Feldzug in der Ukraine nicht wiederholen. Er steht für den Wunsch nach einer von den Großmächten auszuhandelnden globalen Ordnung, die ein Stabilitätsversprechen enthält, das auf Macht gründet und so den Vereinten Nationen verwehrt bleibt. Ob es eingelöst werden kann wird sich zeigen. Aber ist es sinnvoll, schon jetzt dagegen anzugehen? Dass es mal so kommt war doch schon sehr lange abzusehen. Darauf hat man kräftig hingearbeitet.
Selenskyj erneuerte nach den letzten Witkoff-Sondierungen das Angebot, die Fronten einzufrieren. Also unter Umständen auf Regionen zu verzichten, die unter russischer Kontrolle stehen. Aber genügt das Moskau? Man darf zweifeln. Nach diesen langen und verlustreichen Krieg auf den Donbass verzichten?
Russlands Abstieg im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert wiegt zu schwer, um sich das politisch leisten zu können.
Übrigens: Verliert die Ukraine viel Territorium, dann ist das aus russischer Sicht im Hinblick auf die NATO-Aufnahme mehr wert als Verträge oder Absichtserklärungen. Staaten mit offenen Territorialkonflikten wurden bisher als Mitglieder weitgehend vermieden. Die NATO sah sie als potenzielle Kriegskandidaten, mit denen die gesamte Allianz in die Beistandspflicht geraten könnte.
Dass Selenskyj stinkesauer ist – okay. Aber er hat sich von USA und NATO mit Versprechungen in ein riskantes Abenteuer locken lassen, die sie jetzt nicht einlösen wollen. Dafür lässt er sie zahlen und die Willigen übernehmen den Anteil der USA gleich mit. Wie schuldig müssen die sich fühlen.
Und die Ukrainische Bevölkerung? Die wurde damals so wenig gefragt wie heute wieder. Also ein ganz demokratischer Verlauf.
Frei nach der Freitag vom 29.10.2026