Ein Ende des Krieges ist nur mit politischen Kompromissen möglich – und zwar bei Sicherheit, Territorium und internationalen Garantien. Beide Seiten haben heute rote Linien, die kaum vereinbar sind, deshalb wäre ein realistischer Frieden eher „unbefriedigend“ für alle, aber besser als ein endloser Krieg.
Was die Ukraine mindestens braucht
Aus ukrainischer Sicht geht es um Überleben als souveräner Staat:
Sicherheit: Verbindliche Sicherheitsgarantien (z.B. NATO‑Beitritt oder ein anderes, glaubwürdiges Bündnis), damit Russland nicht nach ein paar Jahren erneut angreift. Die bisherigen Zusagen wie das Budapester Memorandum gelten in Kiew als gescheitert.
Territorium: Offizielle Position ist die Wiederherstellung der Grenzen von 1991 (inklusive Krim und Donbass). Realistisch diskutieren manche Experten Szenarien, in denen die Ukraine de facto auf Teile der besetzten Gebiete vorerst verzichtet, aber dafür starke Sicherheits- und Wiederaufbaugarantien erhält – politisch ist das für Kiew aber derzeit schwer vermittelbar.
Gerechtigkeit: Rückkehr verschleppter Kinder, Kriegsgefangenen‑Austausch, Aufklärung von Kriegsverbrechen und zumindest Teil‑Wiedergutmachung durch Russland (Reparationen, Hilfe beim Wiederaufbau).
Wichtig für die Ukraine ist außerdem, nicht aus einer Position der Schwäche zu verhandeln, weil sie dann einen „Diktatfrieden“ fürchtet, der nur eine Pause bis zum nächsten Angriff wäre.
Was Russland mindestens will
Für die russische Führung geht es um Macht, Einfluss und Gesichtswahrung nach innen:
Territorium: Moskau betrachtet die annektierten Gebiete (Krim und die teilweise besetzten Regionen im Süden und Osten) offiziell als „russisch“ und fordert mindestens ihre Anerkennung oder ein dauerhaftes faktisches Behalten.
Neutralität/Entmilitarisierung: Russland verlangt, dass die Ukraine nicht der NATO beitritt und militärisch so begrenzt bleibt, dass sie aus Moskauer Sicht keine Bedrohung für Russland darstellt.
Sanktionsabbau: Ein zentrales Ziel ist die schrittweise oder weitgehende Aufhebung der westlichen Sanktionen, damit Wirtschaft und Regime stabil bleiben.
Für Putin ist ein „Sieg“ auch innenpolitisch wichtig: Ein Frieden, der wie eine klare Niederlage aussieht (Rückzug auf die Linien von 2021, keine Zugeständnisse), wäre für sein Regime gefährlich.
Minimaler realistischer Kern für einen Waffenstillstand
Aus heutiger Sicht halten viele Fachleute einen gestuften Prozess für realistischer als einen sofortigen „Endfrieden“:
Sofortelemente
Waffenstillstand entlang einer faktischen Frontlinie, überwacht durch internationale Mission (z.B. UN oder eine spezielle Koalition).
Großangelegter Gefangenenaustausch, Rückkehr verschleppter Zivilisten und entführter Kinder, humanitäre Korridore.
Mittelfristige Elemente
Beginn eines längeren Verhandlungsprozesses über Status und Zukunft der besetzten Gebiete (z.B. international überwachte Referenden in fernerer Zukunft, eingefrorene Konfliktlinie oder Sonderstatus‑Modelle).
Klare Roadmap für Sicherheitsgarantien an die Ukraine (z.B. vertragliche Garantien durch USA/EU, eventuell später NATO‑Mitgliedschaft, kombiniert mit Regeln zur Stationierung bestimmter Waffensysteme).
Stufenplan zum Sanktionsabbau, gekoppelt an nachprüfbare Schritte Russlands (Einhaltung des Waffenstillstands, Truppenrückzüge, keine neuen Angriffe).
Keiner dieser Punkte erfüllt alle Maximalforderungen, aber sie würden beide Seiten vor einem völligen Gesichtsverlust bewahren, was für einen Kompromiss entscheidend ist.
Rolle des Westens und von Vermittlern
Damit solche Schritte überhaupt verhandelbar werden, braucht es Druck und Sicherheitsangebote von außen:
Für die Ukraine: Militärische Unterstützung, damit sie nicht zur Kapitulation gezwungen wird, plus verbindliche Zusagen, dass sie nach einem Waffenstillstand nicht „vergessen“ wird (Sicherheitsgarantien, EU‑Perspektive, Wiederaufbau‑Fonds).
Für Russland: Klare Signale, dass bei Einhaltung eines Abkommens tatsächliche Vorteile winken (Sanktionslockerungen, teilweise wirtschaftliche Kooperation), andernfalls aber verschärfter Druck.
Vermittler: Länder wie Türkei, einige EU‑Staaten und globale Akteure (z.B. Brasilien, China, afrikanische Staaten) können Foren bieten, in denen beide Seiten miteinander sprechen, ohne direkt „aufzugeben“.
Ohne solche externen Garantien hätten beide Seiten große Angst, hereingelegt zu werden – Russland fürchtet westliche „Einkreisung“, die Ukraine einen erneuten Angriff nach kurzer Pause.
Warum es trotzdem so schwer bleibt
Auch wenn ein Kompromiss technisch denkbar ist, sprechen mehrere Faktoren gegen ein schnelles Ende:
Vertrauensverlust: Beide Seiten haben erlebt, dass frühere Abkommen (Minsk, Sicherheitsgarantien) nicht gehalten oder als unzureichend empfunden wurden; Vertrauen muss durch sehr harte, überprüfbare Mechanismen ersetzt werden.
Innenpolitik: In Kiew wie in Moskau gibt es starke Kräfte, die große Zugeständnisse als Verrat sehen würden; jeder politische Führer muss „verkaufen“ können, warum dieser Frieden kein Verrat an den Gefallenen ist.
Unklare Machtverhältnisse: Solange keine Seite klar militärisch dominiert, hofft jede noch, mit etwas mehr Zeit bessere Bedingungen zu bekommen – das blockiert „schmerzhaften“ Kompromissfrieden.
Ein Ende des Krieges ist nur mit politischen Kompromissen möglich – und zwar bei Sicherheit, Territorium und internationalen Garantien. Beide Seiten haben heute rote Linien, die kaum vereinbar sind, deshalb wäre ein realistischer Frieden eher „unbefriedigend“ für alle, aber besser als ein endloser Krieg.
Was die Ukraine mindestens braucht
Aus ukrainischer Sicht geht es um Überleben als souveräner Staat:
Sicherheit: Verbindliche Sicherheitsgarantien (z.B. NATO‑Beitritt oder ein anderes, glaubwürdiges Bündnis), damit Russland nicht nach ein paar Jahren erneut angreift. Die bisherigen Zusagen wie das Budapester Memorandum gelten in Kiew als gescheitert.
Territorium: Offizielle Position ist die Wiederherstellung der Grenzen von 1991 (inklusive Krim und Donbass). Realistisch diskutieren manche Experten Szenarien, in denen die Ukraine de facto auf Teile der besetzten Gebiete vorerst verzichtet, aber dafür starke Sicherheits- und Wiederaufbaugarantien erhält – politisch ist das für Kiew aber derzeit schwer vermittelbar.
Gerechtigkeit: Rückkehr verschleppter Kinder, Kriegsgefangenen‑Austausch, Aufklärung von Kriegsverbrechen und zumindest Teil‑Wiedergutmachung durch Russland (Reparationen, Hilfe beim Wiederaufbau).
Wichtig für die Ukraine ist außerdem, nicht aus einer Position der Schwäche zu verhandeln, weil sie dann einen „Diktatfrieden“ fürchtet, der nur eine Pause bis zum nächsten Angriff wäre.
Was Russland mindestens will
Für die russische Führung geht es um Macht, Einfluss und Gesichtswahrung nach innen:
Territorium: Moskau betrachtet die annektierten Gebiete (Krim und die teilweise besetzten Regionen im Süden und Osten) offiziell als „russisch“ und fordert mindestens ihre Anerkennung oder ein dauerhaftes faktisches Behalten.
Neutralität/Entmilitarisierung: Russland verlangt, dass die Ukraine nicht der NATO beitritt und militärisch so begrenzt bleibt, dass sie aus Moskauer Sicht keine Bedrohung für Russland darstellt.
Sanktionsabbau: Ein zentrales Ziel ist die schrittweise oder weitgehende Aufhebung der westlichen Sanktionen, damit Wirtschaft und Regime stabil bleiben.
Für Putin ist ein „Sieg“ auch innenpolitisch wichtig: Ein Frieden, der wie eine klare Niederlage aussieht (Rückzug auf die Linien von 2021, keine Zugeständnisse), wäre für sein Regime gefährlich.
Minimaler realistischer Kern für einen Waffenstillstand
Aus heutiger Sicht halten viele Fachleute einen gestuften Prozess für realistischer als einen sofortigen „Endfrieden“:
Sofortelemente
Waffenstillstand entlang einer faktischen Frontlinie, überwacht durch internationale Mission (z.B. UN oder eine spezielle Koalition).
Großangelegter Gefangenenaustausch, Rückkehr verschleppter Zivilisten und entführter Kinder, humanitäre Korridore.
Mittelfristige Elemente
Beginn eines längeren Verhandlungsprozesses über Status und Zukunft der besetzten Gebiete (z.B. international überwachte Referenden in fernerer Zukunft, eingefrorene Konfliktlinie oder Sonderstatus‑Modelle).
Klare Roadmap für Sicherheitsgarantien an die Ukraine (z.B. vertragliche Garantien durch USA/EU, eventuell später NATO‑Mitgliedschaft, kombiniert mit Regeln zur Stationierung bestimmter Waffensysteme).
Stufenplan zum Sanktionsabbau, gekoppelt an nachprüfbare Schritte Russlands (Einhaltung des Waffenstillstands, Truppenrückzüge, keine neuen Angriffe).
Keiner dieser Punkte erfüllt alle Maximalforderungen, aber sie würden beide Seiten vor einem völligen Gesichtsverlust bewahren, was für einen Kompromiss entscheidend ist.
Rolle des Westens und von Vermittlern
Damit solche Schritte überhaupt verhandelbar werden, braucht es Druck und Sicherheitsangebote von außen:
Für die Ukraine: Militärische Unterstützung, damit sie nicht zur Kapitulation gezwungen wird, plus verbindliche Zusagen, dass sie nach einem Waffenstillstand nicht „vergessen“ wird (Sicherheitsgarantien, EU‑Perspektive, Wiederaufbau‑Fonds).
Für Russland: Klare Signale, dass bei Einhaltung eines Abkommens tatsächliche Vorteile winken (Sanktionslockerungen, teilweise wirtschaftliche Kooperation), andernfalls aber verschärfter Druck.
Vermittler: Länder wie Türkei, einige EU‑Staaten und globale Akteure (z.B. Brasilien, China, afrikanische Staaten) können Foren bieten, in denen beide Seiten miteinander sprechen, ohne direkt „aufzugeben“.
Ohne solche externen Garantien hätten beide Seiten große Angst, hereingelegt zu werden – Russland fürchtet westliche „Einkreisung“, die Ukraine einen erneuten Angriff nach kurzer Pause.
Warum es trotzdem so schwer bleibt
Auch wenn ein Kompromiss technisch denkbar ist, sprechen mehrere Faktoren gegen ein schnelles Ende:
Vertrauensverlust: Beide Seiten haben erlebt, dass frühere Abkommen (Minsk, Sicherheitsgarantien) nicht gehalten oder als unzureichend empfunden wurden; Vertrauen muss durch sehr harte, überprüfbare Mechanismen ersetzt werden.
Innenpolitik: In Kiew wie in Moskau gibt es starke Kräfte, die große Zugeständnisse als Verrat sehen würden; jeder politische Führer muss „verkaufen“ können, warum dieser Frieden kein Verrat an den Gefallenen ist.
Unklare Machtverhältnisse: Solange keine Seite klar militärisch dominiert, hofft jede noch, mit etwas mehr Zeit bessere Bedingungen zu bekommen – das blockiert „schmerzhaften“ Kompromissfrieden.
Quelle
Perplexity