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Merz und Lula gehen getrennte Wege

Von Harvey11 Dienstag 21.04.2026, 11:12

Es dauert nur wenige Minuten, dann gehen sie getrennte Wege: Bundeskanzler Friedrich Merz und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva teilen ihren Rundgang über die Hannover Messe auf – ausgerechnet bei einem Termin, der traditionell ein Bild enger Partnerschaft liefern soll.

Während Lula bei brasilianischen Ausstellern bleibt, zieht Merz weiter über das Gelände und schaut sich unter anderem Roboter und neue Technologien an. Der gemeinsame Rundgang ist damit praktisch beendet, bevor er richtig begonnen hat. Bei Polizei und Messe sorgt der ungewöhnliche Ablauf für Verwunderung. „Das haben wir noch nie erlebt“, heißt es dort.

Kurz darauf folgt die nächste Irritation: Am Stand von Phoenix Contact, einem Unternehmen, das Elektronik und Elektromechanik herstellt, wird Merz scheinbar mit seiner Vorgängerin verwechselt. „Recht herzlich willkommen, Herr Merkel, äh, Herr Bundeskanzler Merz“, sagt Geschäftsführer Dirk Görlitzer.

Zuvor hatte der Kanzler die Bedeutung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den südamerikanischen Mercosur-Staaten hervorgehoben. „Das ist unsere Antwort auf die großen Verwerfungen, die wir gegenwärtig erleben“, sagt er. Das Abkommen, mit dem eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Menschen entstehen soll, tritt am 1. Mai vorläufig in Kraft. Auch Lula warb dafür, die Zusammenarbeit Europas und Lateinamerikas „immer produktiver, immer effektiver und immer besser“ zu machen. Wie Merz verteidigte er die auf Regeln und internationalen Institutionen basierende Weltordnung. „Die Welt kann nicht mit Lügen regiert werden“, sagt er.

Bei den deutsch-brasilianischen Wirtschaftstagen im Anschluss an den Messerundgang warb Merz für einen deutlichen Ausbau der Handelsbeziehungen. Der bilaterale Handel solle „in den nächsten Jahren“ verdoppelt werden, sagte der Kanzler. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern lag 2024 bei mehr als 20 Milliarden Euro. Für Volkswirtschaften dieser Größe sei das „entschieden zu wenig“. Das Mercosur-Abkommen soll das ändern.

Zugleich rückt die Frage nach Rohstoffen stärker in den Fokus. Brasilien verfüge über ein „enormes Potenzial“ bei seltenen Erden, sagte Merz. Große Chancen sieht er im Abbau von Metallen, die für Elektromobilität und Windkraft benötigt werden. Deutschland sei bereit, Brasilien „mit technologischem Know-how und Expertise zu unterstützen“, um diese Beziehungen weiter auszubauen.

Deutliche Kritik musste Merz auf der Hannover Messe von den Vertretern der Industrie einstecken. „Der Reformstau muss endlich aufgelöst werden“, forderte der Präsident des Elektro- und Digitalindustrieverbandes ZVEI, Gunther Kegel. „Die Grenzen der Leidensfähigkeit sind erreicht“, sagte Bertram Kawlath vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Der Industrieverband BDI kippte am Montag angesichts des Iran-Kriegs seine Prognose für 2026 und rechnet bestenfalls noch mit einem Nullwachstum bei der Industrieproduktion. „Der Iran-Krieg sorgt dafür, dass der Aufschwung weit ins zweite Halbjahr verschoben wird, vermutlich eher nach 2027“, sagt BDI-Präsident Peter Leibinger. Die Krise in Nahost sei dabei aber nicht die Ursache, sie verschärfe die Lage nur. „Die Ursache liegt bei uns.“ Zwar würden die hohen staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung die Nachfrage stützen. „Sie reichen aber alleine nicht aus für einen spürbaren Aufschwung“, so Leibinger. „Der Druck auf die Industrie besteht weiter – und wächst.“

Mehr als 3000 Aussteller aus den Bereichen Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft zeigen noch bis Freitag auf dem Messegelände ihre Neuheiten. Hauptthemen der Messe sind der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Produktion, Automatisierung und Robotik. Erstmals mit einem eigenen Themenschwerpunkt vertreten ist der Bereich Rüstung. 2025 waren 127.000 Besucher zu der weltweit wichtigsten Industrieschau gekommen.
Gießener Allgemeine, 21.34.2026

Missachtung von Lula? Wie kann sich der auch wagen, seinem Vorbild Trump zu widersprechen.
Aber dann Kritik aus Industriekreisen und dann die Spitze, als "Herr Merkel" angesprochen zu werden.
Dass dann der BDI trotz der großartigen Politik von Merz mit einem Nullwachstum rechnet, hat wohl "Herrn Merkel" nicht interessiert.

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