Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

1 2

Öde, Öder, Söder!

Von Harvey11 gestern, 13:40

Dass es sich bei diesem Jahr mit seinen fünf Landtagswahlen um ein weiteres Superwahljahr handelt, ist hinlänglich bekannt. Dabei wird allerdings die allerwichtigsten Wahl in aller Regel unterschlagen, nämlich die Kommunalwahl in Bayern. Soweit jedenfalls die Einschätzung, wenn man dem bayerischen Bauchnabel folgt, zumal dem des bayerischen Ministerpräidenten Markus Söder. Alles, was derzeit von ihm zu vernehmen ist, hat nur ein Ziel: am 8. März die Scharte seiner letzten Wahl zum Parteivorsitzenden auszuwetzen. Damals erzielte er mit nur 83,6 Prozent der Delegiertenstimmen ein regelrecht unbayerisches Ergebnis, und gleichzeitig sein bislang schwächstes. Deshalb treibt Söder derzeit jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf.
Und was hat man mit dem fränkischen Volkstribun nicht schon alles erlebt! Welche Wendungen! 2018 gab sich Söder ganz christlich-konservativ und ließ Kruzifixe in jede Beamtenstube hängen. Dann 2021, zu den Hochzeiten von Fridays for Future, war kein Baum vor seinen Umarmungen sicher; doch kaum war die grüne Konjunktur vorbei und grassierte die Wut auf das Heizungsgesetz wurde Söder zum veritablen Grünenfresser, der Robert Habeck schon zum Frühstück verspeiste – in seiner Omnipräsenz nur noch übertroffen vom Fleischfresser und Food Influencer Söder, der an keiner Bratwurst und keinem »Söder-Döner« vorbei kann, ohne in ihn reingebissen zu haben – natürlich nur für das obligatorische Foto. Und all das Jahr für Jahr in neuer Verkleidung bei der Fastnacht in Veitshöchheim. Doch derart rasender Klamauk kann am Ende auch nur langweilen: Öde, Öder, Söder!
Daher also jetzt die neueste Wende: Die Zeiten sind ernst und Söder macht ernst. Und das hat es in sich: Jetzt hört der Spaß nämlich auch bei Söder auf.
Solange es sich bei seinen neuesten Verlautbarungen nur um medienwirksame Symbolpolitik handelt, wie die Forderung nach Zusammenlegung von Bundesländern – Saarland und Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Niedersachsen, sowie Sachsen-Anhalt und Thüringen -, so lange ist auch das nur ein typischer Söder. Genau wie sein neuester Schrei, dass er jetzt nach jedem Abitur die drei Hymnen abspielen will – für Europa, Deutschland und natürlich Bayern.
Gemeingefährlich aber wird es, wenn Söder brachial die populistische Klaviatur bedient. So fordert er neuerdings, um möglichst viele Stimmen von Freien Wählern und AfD abzuwerben, die ukrainischen Männer in Deutschland sollten endlich ihr Land verteidigen, bevor man deutsche Wehrpflichtige in die Ukraine schicke – als ob irgendjemand dergleichen verlangt hätte. Söder ist sich eben für nichts zu schade, wenn es denn Stimmen bringt, auch nicht für das Spiel mit den Ängsten – Trumpismus für Arme.
Denn eines ist klar: Dieser Mann hat von der Macht noch lange nicht genug. Kein Zweifel, dass Söder bereitstünde, wenn es am Ende des Jahres um einen Ersatz für den vermutlich weiter glücklosen Fri9ederich Merz gehen könnte, mit Blick auf die nächste Kanzlerkandidatur der Union. Wetten, dass der Mann aus Nürnberg jetzt schon darauf lauert!? Da kann Söder noch so oft sagen, sein Platz sei in Bayern. Wer wollte das »dem vor Ehrgeiz Zerfressenen« (Horst Seehofer) glauben, nach all seinen Volten? Wie sagte er jüngst, bei seiner Forderung nach der »Söder-Stunde« (eine Stunde Arbeit mehr pro Woche für alle): Er selbst jedenfalls habe Lust, noch lange zu arbeiten. Wir sollten es als eine Drohung begreifen. (Jan Kursko, Blätter für deutsche und internationale Politik 2/2026)

Nun ja, sollte ein Ersatzkanzler für Merz gebraucht werden, dann würde den sicher nicht die CSU bestimmen.
Auch in der CDU gibt es sehr ehrgeizige Leute. Die schielen sogar schon auf die, die sie für eine Mehrheit der Stimmen benötigen werden. Und die SPD wird das nicht mehr sein. Das Häuflein der Söderfans außerhalb von Bayern ist doch vermutlich sehr begrenzt. Das musste auch Strauß erfahren.
Nur hatte gegen ihn die SPD noch einen Kandidaten. Hoffnung darauf, dass die weiteren Kürzungsforderungen der CDU ihr schaden könnten sind verfrüht. Denn sie könnten auch der AfD nützen, wie es eben in Hessen zu beobachten ist.
Söder? Der passt zu Bayern und denen gönne ich ihn auch. Da bin ich sehr großzügig.

Kommentieren
Mitglieder > Veranstaltungen > Öde, Öder, Söder!