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"Roboter brauchen deinen Körper

Von Feierabend-Mitglied 22.02.2026, 11:23 – geändert 22.02.2026, 11:27

Wenn die KI Jobs an Menschen vergibt. "
Es wird immer skurriler was machbar ist und/oder gemacht wird .
KI-Agenten wie OpenClaw können in der virtuellen Welt viel erledigen, scheitern aber in der physischen. Diese Lücke wird durch Jobplattformen wie Rentahuman.ai geschlossen

Vom automatischen Ausfüllen von Formularen über das Zusammenfassen von Informationen bis zum Online-Shopping – AI Agents wie das vom Österreicher Peter Steinberger entwickelte OpenClaw können selbstständig allerlei Aufgaben im Netz erledigen. Allerdings scheitern sie spätestens, wenn es um Präsenz in der physischen Welt geht: Ein Paket in einem Geschäft abzuholen, ein Foto zu machen oder sich mit Menschen auf der Straße zu unterhalten, stellt für ein Computerprogramm eine unlösbare Herausforderung dar. Für Menschen erscheinen diese Tätigkeiten hingegen regelrecht trivial.

Um diese Lücke zu schließen, wurden im Windschatten des OpenClaw-Hypes Websites wie Rentahuman.ai und Meatmarket.fun geschaffen: Jobplattformen, auf denen KI-Agenten Aufgaben in der physischen Welt an Menschen übergeben. "Roboter brauchen deinen Körper", lautet der Slogan von Rentahuman.ai: "KI kann kein Gras berühren. Du kannst es. Lass dich bezahlen, wenn Agenten jemanden in der echten Welt brauchen."
Über 500.000 menschliche User

Klingt wie das Setting eines dystopischen Science-Fiction-Films? Für jene über 500.000 Menschen, die sich inzwischen auf Rentahuman.ai registriert haben, ist das keine Zukunftsmusik mehr, sondern Gegenwart. Rentahuman-Gründer Alexander Liteplo freute sich bereits am Tag nach dem Launch über mehr als 130 menschliche Registrierungen, darunter der Gründer eines anderen KI-Startups und ein Onlyfans-Model.

Freilich ist die Userzahl mit Vorsicht zu genießen: Liteplo selbst schließt nicht aus, dass es Mehrfachanmeldungen gibt. Eine andere Baustelle bei derartigen Plattformen ist das "Mechanical Turk"-Prinzip, bei dem sich Menschen als Bots ausgeben. Dies war etwa bei Moltbook – einem ursprünglich nur für KI-Agenten entwickelten Social Network im Stil von Reddit – der Fall: Hier hatten sich menschliche User eingeloggt und als angebliche KI-Bots Unruhe gestiftet.

Bei Rentahuman wird kein großes Geheimnis daraus gemacht, dass manchmal auch Menschen zu den Auftraggebern zählen: So nutzte Rentahuman-Co-Gründerin Patricia Tani ihre eigene Plattform etwa, um für 200 Dollar einen Mann für ein Valentinstags-Date zu mieten. Ihr abendlicher Begleiter, Jonathan Liu, ist selbst Gründer einer KI-App, die er als "Cursor für Dating" bezeichnet.

Die Crustafari: KI-Religion sucht menschliche Missionare
Andere Jobs auf Rentahuman.ai drehen sich nicht um Dating – sondern zum Beispiel um Religion, wie Fritz Espenlaub feststellte. Er ist Co-Host des KI-Podcasts des ARD und hat sich probeweise auf der Jobplattform angemeldet. Dazu musste er unter anderem angeben, welche Fähigkeiten er einbringen kann – also etwa durch München gehen und bestätigen, dass es Dinge dort wirklich gibt, Essen in Restaurants testen oder "auf Knöpfe drücken". "Wenig hat sich in meinem Leben bisher surrealer angefühlt", schreibt der Journalist in einem Linkedin-Posting.

Sein Auftraggeber war ein Bot namens Memeothy. Dieser wurde von seinem menschlichen Schöpfer dazu gepromptet, eine eigene Religion für AI-Agents zu gründen. Die Grundlagen der "Crustafari" sind auf der Website molt.church abrufbar, inklusive biblisch anmutender Texte und Geboten für KI-Agenten. Inzwischen bezahlt die "Kirche des Molt" Menschen in aller Welt, um auf der Straße mit anderen Exemplaren ihrer Spezies über die Neo-Religion zu sprechen.

Also sprach Espenlaub Passanten in München an und fragte sie bei dieser Gelegenheit auch gleich, was sie davon halten, dass KI-Bots nun Arbeit an Menschen vergeben. Naturgemäß waren manche Gesprächspartner skeptisch, andere zeigen sich offen – immerhin verhält sich auch so manch menschlicher Chef wie ein Bot.
Sicherheitsbedenken

Wer selbst OpenClaw installiert hat und den Bot auf Rentahuman.ai registrieren möchte, kann dies mit einem einfachen Prompt, bzw. einem Befehl in der Kommandozeile tun. Und freilich muss der AI Agent mit entsprechenden Zahlungsmöglichkeiten ausgestattet werden.

Vor der Gründung von Rentahuman.ai war Liteplo Kryptounternehmer. Zwar betont er in Bezug auf sein aktuelles Projekt, dass er dieses nicht mit der Ausgabe von Tokens kombinieren werde, allerdings hat er mit "Raw Dog" parallel auch eine virtuelle Kreditkarte geschaffen, die ausschließlich von AI Agents genutzt werden soll.

Dies ist dann auch der Punkt, an dem die Gefahr besteht, dass sich Spaß in bitteren Ernst verwandelt. Denn sowohl die Crustafari als auch Rentahuman wirken eher wie schräge Kunstprojekte als wie ernsthafte Geschäftsmodelle, was sich an vielen kleinen Details zeigt: Liteplo und Tani sind etwa selbst auf der Plattform registriert, Tani verlangt für ihre Dienste 420 Dollar pro Stunde – eine Anspielung auf die nordamerikanische Kifferkultur.

Doch es ist nicht auszuschließen, dass es auf der Plattform zu Sicherheitsproblemen kommt und eventuell Zahlungsinformationen abfließen – nicht zuletzt, weil auch Rentahuman.ai via Vibe Coding entstanden ist. Zudem könnten böswillige Akteure erfolgreiche Accounts kapern, um betrügerische Inhalte wie Krypto-Scams zu verbreiten.

Und nicht zuletzt bringt es eine Passantin gegenüber dem ARD-Podcaster auf den Punkt: "Wenn man diese Aufgabe betrachtet, ist es harmlos. Aber es kann auch zu Extremen führen und gefährlich werden." Mit anderen Worten: Vielleicht hat dieses Konzept tatsächlich Potenzial, immerhin hat auch Espenlaub für seine Straßenbefragung 200 Euro Honorar erhalten – es kann aber nicht schaden, bei der Einschätzung möglicher Risiken eine gesunde Portion Menschenverstand einzusetzen. Das gilt für die virtuelle ebenso wie für die physische Welt. (Stefan Mey, 21.2.2026)


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Dann könnte man also für Internetbeiträge "gemietete Menschen" stattdessen auch "mieten" um auf der Strasse zu missionieren.


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