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Verlängerte Arbeitszeit. Ein Irrweg?

Von Feierabend-Mitglied gestern, 11:18

Verlängerte Arbeitszeiten führen nicht automatisch zu mehr Arbeitslosigkeit, aber unter bestimmten Bedingungen können sie die Arbeitslosigkeit durchaus erhöhen.
Wie längere Arbeitszeiten auf Arbeitslosigkeit wirken können

Empirisch zeigt der internationale Vergleich: Es gibt keinen einfachen, allgemeinen Zusammenhang – Länder mit kurzen Arbeitszeiten haben teils niedrige, teils hohe Arbeitslosigkeit, und umgekehrt.

Wenn die Gesamtproduktion einer Volkswirtschaft durch längere Arbeitszeiten stärker steigt als die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, müssen Unternehmen nicht mehr zusätzliche Personen einstellen; die gleiche Menge Arbeit wird von weniger Köpfen erledigt.

Simulationsrechnungen etwa des WIFO für Deutschland zeigen: Wird die Arbeitszeit verlängert, kann die Arbeitslosenquote steigen, weil weniger neue Stellen entstehen bzw. eher abgebaut werden.

Besonders problematisch ist eine unbezahlte Arbeitszeitverlängerung: Sie senkt die Lohnkosten pro Stück für die Betriebe, erhöht aber gesamtwirtschaftlich die Finanzierungslasten für zusätzliche Arbeitslose und kann die Binnennachfrage dämpfen.

Weitere Folgen längerer Arbeitszeiten

Sehr lange tägliche Arbeitszeiten (über acht Stunden) verschlechtern erwiesenermaßen die Gesundheit, erhöhen Stress, Burnout-Risiko und Unfallgefahr und können dazu führen, dass Menschen früher ganz aus dem Erwerbsleben ausscheiden – das reduziert das Arbeitsangebot langfristig.

Schlechtere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie trifft vor allem Frauen und kann ihre Erwerbsbeteiligung senken; damit gehen potenzielle Arbeitskräfte verloren, statt dass das Arbeitskräfteproblem gelöst wird.

Fazit auf Ihre Frage

In einer Situation mit hoher Arbeitslosigkeit und schwacher Nachfrage ist es plausibel, dass verlängerte Arbeitszeiten eher dazu führen, dass Arbeit auf weniger Personen verteilt wird und die Zahl der Arbeitslosen steigt oder zumindest nicht sinkt.

Nur wenn gleichzeitig die Nachfrage stark anzieht und andere Rahmenbedingungen stimmen, kann eine Arbeitszeitverlängerung ohne höhere Arbeitslosigkeit funktionieren – ein Automatismus nach dem Motto „länger arbeiten = weniger Arbeitslose“ existiert aber nicht.

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